Gaulands ganzer Stolz?


Abführen von Gefangenen. Bild: Kipper / Bundesarchiv, Bild 101I-020-1272-21 / CC-BY-SA-3.0
Anlässlich des Jahrestages des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion – eine Erinnerung an die Verbrechen der Wehrmacht im Osten

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Im Wahlkampf 2017 bekannte sich der Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland, offen zu den militaristischen Traditionslinien der deutschen Rechten. Man habe das Recht, „stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“, erklärte Gauland Mitte September 2017. Die AfD habe das Recht, sich „nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen“.

Damit wollte Herr Gauland auch explizit auf die Leistungen der Wehrmacht stolz sein, die bekanntlich das militärische Instrument des Vernichtungskrieges der Nazis im Osten bildeten. Der AfD-Spitzenkandidat bekräftigte, dass – allen Verbrechen zum Trotz – „Millionen deutscher Soldaten tapfer waren“, die man nun loben könne. Das „verbrecherische System“ sei schuld, so der AfD-Chef, und „nicht die Soldaten, die tapfer waren“.

Diese Argumentation der Neuen Rechten, die an die alte Legende von der „sauberen Wehrmacht“ erinnert, übersteht die Konfrontation mit den historischen Fakten nicht. Anlässlich des Jahrestags des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion, der sich am 22. Juni zum 78. Mal jährt, scheint es geboten, in Erinnerung zu rufen, dass gerade die Wehrmacht nicht nur die militärischen Voraussetzungen für den Ausrottungsfeldzug der Nazis im Osten schaffte, sondern Teil eben dieser Völkermordmaschinerie war.

Der Stolz auf die militärischen Leistungen der Wehrmacht, auf die „Tapferkeit“ der Wehrmachtssoldaten; er blendet den Zweck des militärischen Eroberungsfeldzugs Nazideutschlands im Osten aus – und dieser bestand im Genozid, in der Ausrottung von Juden, Slawen und weiterer „Untermenschen“ in einem künftigen Siedlungsgebiet für germanische „Übermenschen“, das sich bis zum Ural erstrecken sollte.

Gaulands Stolz auf die militärischen Mittel, mit denen der Zweck des Völkermordes ermöglicht wurde, stellt nicht nur einen Schlag ins Gesicht all jener Nachkommen der damaligen Opfer und Kämpfer gegen den deutschen Faschismus dar – er errichtet auch eine Scheinbarriere zwischen militärischen Mitteln und verbrecherischen Zweck, die es in der Realität nicht gegeben hat.

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