Was hat eine antisemitische Botschaft auf dem Walter-Benjamin-Platz in Berlin zu suchen


Walter-Benjamin-Platz (Bild: Peter Kuley / CC BY-SA 4.0)
Um den Walter-Benjamin-Platz in Berlin wird wieder gestritten. Der Architekt Hans Kollhoff habe auf dem Platz eine «antisemitische Flaschenpost» in die Gegenwart geschmuggelt, schreibt eine Architekturzeitschrift. Nur eine hysterische Fachkritik? Sie trifft einen wunden Punkt.

Benedict Neff | Neue Zürcher Zeitung

Zwei jeweils hundert Meter lange Kolonnaden-Bauten stehen sich kühl und massig gegenüber. Der Raum zwischen den Häusern heisst Walter-Benjamin-Platz. Das neoklassizistische Ensemble von Hans Kollhoff aus dem Jahr 2000 war von Beginn an umstritten. Manche sahen die Steinmassen von einem faschistischen Geist durchdrungen. Andere mahnten die beiden Häuser an sozialistische Plattenbauten. Dass der Platz, wenige Schritte vom Ku’damm entfernt, etwas Totalitäres ausstrahlt, lässt sich nicht bestreiten.

Die Architekturzeitschrift «Arch+» hat eine ganze Ausgabe «rechten Räumen» gewidmet und behandelt diese Architekturen als Wegbereiter für den Rechtspopulismus in Europa. Da wurde auch der Walter-Benjamin-Platz einer näheren Betrachtung unterzogen. Der Bau stelle stilistisch und programmatisch eine Verneigung vor dem italienischen Faschismus dar, heisst es in einem Aufsatz. Seither wird über den Platz wieder gestritten.

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