Zu katholisch für diese Welt?


Andrea Nahles (links) und Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts) als satirischer Umzugswagen am Rosenmontag 2019 in Düsseldorf. Bild: EPA
Andrea Nahles und Annegret Kramp-Karrenbauer sind Katholikinnen. Haben ihre Schwierigkeiten in der Politik auch damit zu tun? Eine Analyse.

Von Markus Wehner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ich habe mich in der SPD eher in der Gefolgschaft von Jesus Christus wiedergefunden“, hat Andrea Nahles vor einigen Jahren in einem Interview gesagt. „Ich hätte mir vorstellen können, selbst Priesterin zu werden.“ Das sagte Annegret Kramp-Karrenbauer vor einem Jahr der Zeitschrift „Christ und Welt“. Für beide Politikerinnen spielt der katholische Glaube in ihrem Leben eine große Rolle. Die eine ist nach einer jahrzehntelangen Karriere in der SPD gerade als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurückgetreten und zieht sich, wie es scheint, ganz aus der Politik zurück.

Die andere ist gerade einmal ein halbes Jahr CDU-Vorsitzende und hat schon mit einer Krise in diesem Amt zu kämpfen. Haben die Schwierigkeiten im politischen Geschäft, hat die Ablehnung, die beide Frauen in der Öffentlichkeit erfahren, etwas mit ihrem Katholisch-Sein zu tun? Haben es Katholiken schwerer in den Top-Positionen der Politik?

Die Fragen scheinen gewagt. Denn Politik und Religion, oder Konfession, sind anscheinend nicht mehr wichtig für die Politik. Zumindest sind sie es nicht im früheren Sinne, als Katholiken CDU wählten und in der SPD die Protestanten dominierten. Heute gibt es nur noch wenige Anlässe, wie etwa der Evangelische Kirchentag, an dem Politiker über Religion und Glauben sprechen.

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