Pseudowissenschaft und Verschwörungstheorie

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Welches sind die Gemeinsamkeiten verschiedener pseudowissenschaftlicher Strömungen?

AG Evolutionsbiologie

Aus Japan erreichen uns Meldungen über die Erfolge von Impfgegnern. Diese seien hier zum Anlass genommen, die Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichsten pseudowissenschaftlichen Strömungen zu erörtern.

Kreationismus ist gegenwärtig in den Industrienationen beileibe nicht die einzige wissenschaftsfeindliche Strömung. So ist es mehr als erstaunlich, dass in modernen Bildungsgesellschaften dutzende pseudowissenschaftliche Ideengebäude und Verschwörungsmythen kursieren. Um nur einige Beispiele zu nennen: 9/11-Verschwörung, Astrologie, Bachblütentherapie, Chemtrails, Impfkritik, klassische Anthroposophie, Homöopathie, Klimawandel-Leugnung, Kreationismus, Mondlandungskritik, Numerologie, Prä-Astronautik, Radiästhesie,  Rutengängerei, (siderisches) Pendeln, Schüssler-Salz-Therapie, UFOlogie.

All diese Strömungen haben bemerkenswerte Gemeinsamkeiten: Sie beharren auf längst widerlegten Positionen, postulieren nicht nachweisbare Kräfte, stellen unbewiesene Behauptungen auf oder berufen sich auf falsche Fakten. Des Weiteren zitieren sie selektiv nur diejenigen wissenschaftlichen Ergebnisse, die in ihr Gedankengebäude zu passen scheinen, und ignorieren den großen Rest. Die Nicht-Anerkennung ihrer Positionen begründen sie mit einer Verschwörung des (wissenschaftlichen oder politischen) Establishments. Teils wird neben krudem Verdrehen wissenschaftlicher Fakten immer wieder auch auf Zitat(ver)fälschungen[1] zurückgegriffen.[2]

Besonders erschreckend ist dabei, dass ein erheblicher Anteil (oft sogar die Mehrheit der Bürger) auch in Bildungs-/Industrienationen mindestens einer dieser Ideen anhängt. Die Gründe dafür dürften komplex sein: Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich die immense Komplexität unseres Wissens, das von keinem Menschen mehr annähernd überschaut werden kann. Pseudowissenschaften bieten hier simple und gut zu verstehende Alternativen.[3] Hinzu kommt die Tatsache, dass das „Weltgeschehen“ ebenso kompliziert und unüberschaubar geworden ist. Wie kommt es zu den Zyklen von Wirtschaftskrisen? – um nur ein einziges Beispiel zu nennen. Auch hier bieten Pseudowissenschaften und Verschwörungsmythen einfache und griffige Gegenentwürfe.[3]

weiterlesen

Rettungsschiff der Kirche gefordert

Mittelmeer: Rettung von Flüchtlingen in Seenot (PA/dpa/picture alliance)
Teilnehmer des Evangelischen Kirchentages haben ein eigenes Rettungs-Schiff der Kirche für Mittelmeer-Flüchtlinge gefordert.

Deutschlandfunk – Die Nachrichten

In einer Online-Petition wird an die Evangelische Kirche in Deutschland appelliert, selbst ein Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Die Forderung war auf dem Kirchentag in Dortmund mit großer Mehrheit beschlossen worden. Es reichte nicht mehr, die Arbeit der NGOs bei der Seenotrettung im „tödlichsten Gewässer der Welt“ finanziell zu unterstützen, sagte der Mit-Initiator und Grünen-Politiker Giegold. Ein Schiff der Kirche werde in Ländern wie Italien oder Malta vermutlich auch nicht so leicht festgesetzt wie die NGO-Schiffe.

Die Evangelische Kirche Deutschland erklärte, dass sie sich mit der Forderung beschäftigen will. Grundsätzlich unterstütze man das Anliegen der Resolution.

Istanbul: „Sogar Geschwister haben sich über die Politik zerstritten“

Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei, hatte der türkische Präsident Erdogan seinen Anhängern vor den landesweiten Kommunalwahlen im März zugerufen Quelle: dpa
Istanbul stimmt erneut über den nächsten Bürgermeister ab. Das Ergebnis der ersten Wahl hatte Präsident Erdogan nicht gefallen. Wie gespalten die Gesellschaft ist, zeigt sich auch bei einer Tour durch türkische Cafés in Berlin.

Von Carolina Drüten | DIE WELT

Bürgermeisterwahlen in Mailand? Wen interessiert’s hierzulande. Kommunalwahlen in Sankt Petersburg? Na und? Aber eine lokale Abstimmung in Istanbul darüber, wer nächster Bürgermeister wird, beschäftigt die Mächtigen in ganz Europa. Aus einem ganz einfachen Grund: In der türkischen Metropole wird sich in den kommenden Tagen zeigen, ob im Land von Recep Tayyip Erdogan ein demokratischer Machtwechsel überhaupt noch möglich ist.

Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei, hatte der türkische Präsident seinen Anhängern vor den landesweiten Kommunalwahlen im März zugerufen. Im vormaligen Konstantinopel hatte Erdogan seine Karriere begonnen, als er sich aus dem Arbeiterviertel Kasimpasa an die Spitze der Republik hocharbeitete. Von hier aus regierten einst die osmanischen Sultane das Reich.

weiterlesen

Nach Eklat: Vatikanisches Frauenfußball-Team tritt nicht an

Bild: © KNA/Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani
Es sollte das erste internationale Spiel des neuen vatikanischen Frauenfußball-Teams werden. Der Gegner: FC Mariahilf aus Österreichs dritter Liga. Doch noch vor dem Anpfiff kommt es zum Eklat. Zunächst hatte der Nuntius den Platz verlassen.

katholisch.de

Ein für diesen Samstag geplantes Fußballspiel der neu gegründeten vatikanischen Frauenfußballmannschaft und des FC Mariahilf in Wien ist nach einem Eklat abgesagt worden. Das berichtet das Portal religion.orf.at. Botschaften von Abtreibungsbefürworterinnen unter den österreichischen Fußballspielerinnen während der vatikanischen Hymne hätten zu der Absage geführt. Anwesend am Sportplatz in Wien-Simmering war auch der Vertreter des Papstes in Österreich, Nuntius Pedro Lopez Quintana, der für den Rückzug des Vatikan-Teams gesorgt habe.

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst und einer Segnung des Sportplatzes sollte das freundschaftliche Match am Nachmittag stattfinden. Anlass des Spiels war die 20-Jahr-Feier des FC Mariahilf. Das Team spielt derzeit in der Wiener Landesliga, der dritthöchsten Spielklasse im Frauenfußball Österreichs. Während der vatikanischen Hymne hätten jedoch einige österreichische Sportlerinnen ihre Trikots hochgezogen „und auf ihre Bäuche gemalte Eierstöcke sowie Botschaften für die Legalisierung der Abtreibung zur Schau gestellt“, hieß es.

weiterlesen

Unser Bauch gehört immer noch uns

Mittelalterliche Methoden – fanatischer Abtreibungsgegner, Richmond, USA. Bild: Taber Andrew Bain/ CC BY 2.0
Nur die betroffene Frau kann entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft austragen will oder nicht

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Seit Jahrtausenden wird Frauen das Recht auf Selbstbestimmung, auch im Falle einer Schwangerschaft, streitig gemacht. Frühe theologische Schriften, sowohl des Juden- als auch des Christentums, beschäftigten sich mit dem Thema und lehnten absichtlich herbeigeführte Abbrüche ab.

In der christlichen Lehre gilt eine Eizelle ab der Befruchtung als menschliches Leben, dessen Schutz oberste Priorität genießt – höhere Priorität als das Leben der austragenden Mutter, und der Schutz endet auch sehr schnell nach der Geburt, wie sich an dem Umgang mit Müttern und Kindern in unserer Gesellschaft ablesen lässt.

Der Kampf gegen Schwangerschaftsabbrüche ist also ein ur-christliches Anliegen, da verwundert es nicht, dass gegenwärtig überall, wo „Lebensschützer“ auftreten, der christliche Fundamentalismus nicht weit ist. Egal, ob in den USA, hierzulande bei Protestaktionen vor Beratungsstellen oder Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden.

Oder bei Markus Krause, dem Mathematikstudenten aus Kleve, von dem weiter unten noch die Rede sein wird, der das Internet nach Webseiten von Arztpraxen durchforstet, die darauf hinweisen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.

Wird er fündig, wird er aktiv – hyperaktiv: Er erstattet Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft und schwärzt die Praxen bei der jeweiligen Landesärztekammer an. Das Recht ist dabei auf seiner Seite, denn seit 1871 ist Schwangerschaftsabbruch eine Straftat, als solche im § 218 des Strafgesetzbuches festgeschrieben, aktuell nach § 218b unter bestimmten Bedingungen indes straffrei. Zu diesen Bedingungen zählt u.a. nach § 219 die Pflicht zur Beratung in einer dafür ausgewiesenen Einrichtung.

Werbung für Schwangerschaftsabbrüche ist laut § 219a verboten. Die Auslegung von „Werbung“ ist dabei sehr streng, es durfte in der Vergangenheit nicht einmal darauf hingewiesen werden, dass diese Leistung angeboten wird.

Das hat sich inzwischen geändert, seit Ende März 2019 dürfen Praxen auf ihrer Webseite erwähnen, dass dort Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. Mehr allerdings auch nicht, beraten dürfen die Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen nicht. Einmal im Monat gibt das Familienministerium eine Liste aller Praxen und Kliniken heraus, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden.

Ersatzlose Streichung des §218: Eine der ältesten Forderungen der Frauenbewegung

Die Leidtragenden waren und sind immer die Frauen, entsprechend wehr(t)en sie sich dagegen. Die Forderung nach ersatzloser Streichung des §218 aus dem Strafgesetzbuch ist keine Erfindung der Jusos im 21. Jahrhundert, sondern sie ist über 100 Jahre alt; eine der ältesten Forderungen der Frauenbewegung – neben Weltfrieden und dem Wahlrecht. Eine Forderung nicht nur der proletarischen, sondern auch eines Teils der bürgerlichen Frauenbewegung.

Am 15. Mai 1871 wurde das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich beschlossen, das am 1. Januar 1872 in Kraft trat und die §§218 und 219 enthielt. §218 legte fest, dass Schwangerschaftsabbrüche rechtswidrig seien und mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden.

Damals wurde noch zwischen Zuchthaus und Gefängnis unterschieden, Zuchthaus galt als unehrenhaft und war verbunden mit Arbeitszwang.

Dieses Los blühte also Frauen, die eine Schwangerschaft nicht austragen wollten, sie galten als schwere Straftäterinnen. Abgesehen davon, dass Geldstrafen seinerzeit nicht so selbstverständlich waren wie heute, hatte die Mehrheit der Frauen kein Geld, d.h. nur gut betuchten Frauen war es möglich, sich vom Zuchthaus freizukaufen.

Dieses Bild der Straftäterin ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben, noch vor einigen Jahren urteilte ein Richter, dass Schwangerschaftsabbruch nicht zur gesellschaftlichen Normalität werden dürfe. Schwangerschaftsabbruch wird ganz klar als Straftat gewertet. Frauen, die abgetrieben haben, werden als Straftäterinnen definiert, denen großzügig unter bestimmten Bedingungen Straffreiheit gewährt wird. Das gilt auch für die Ärztinnen und Ärzte, die Abbrüche durchführen:

Aufgrund der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist davon auszugehen, dass für die gesamte Dauer der Schwangerschaft die Abtreibung grundsätzlich Unrecht ist, da auch dem ungeborenen Leben Menschenwürde zukommt (BVefGE, 88/203 ff.). § 218 a Abs. 1 StGB stellt den Schwangerschaftsabbruch unter den dort genannten Voraussetzungen lediglich ausnahmsweise straflos. Das Verbot, Schwangerschaftsabbrüche anzubieten, wurde in § 219 a StGB deshalb ausgesprochen und unter Strafe gestellt, um zu verhindern, dass die Abtreibung in der Öffentlichkeit als etwas normales dargestellt und kommerzialisiert wird

Landgericht Bayreuth, Urt. v. 13.01.2006, Az.: 2 Ns 118 Js 12007/04

In §219 wurde 1871 festgelegt, dass derjenige, der „einer Schwangeren, welche ihre Frucht abgetrieben oder getödtet hat, gegen Entgelt die Mittel hierzu verschafft, bei ihr angewendet oder ihr beigebracht hat“, mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft werde.

weiterlesen

 

Vom Ende der Existenz

Franz Josef Wetz
Tot ohne Gott
Verlag: Alibri, Aschaffenburg 2019
ISBN: 9783865692498 | Preis: 20,00 €

Wie können nichtgläubige Menschen mit dem Sterben umgehen? Eine philosophische Reflexion.

Von Arne Baudach | Spektrum.de

»Wir werden alle sterben« ist nicht nur ein beliebter Videocast zweier Spektrum-Mitarbeiter, sondern auch ein unentrinnbares Faktum, mit dem wir uns früher oder später auseinandersetzen sollten. Der Philosoph Franz Josef Wetz bietet in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. Dabei wendet er sich vor allem an jene, die Göttern oder anderen übernatürlichen Instanzen nichts abgewinnen können. Wetz, der naturalistische Positionen vertritt, lässt neben seinen eigenen Reflexionen viele Denker zu Wort kommen, die sich dem Thema über die Jahrhunderte hinweg gewidmet haben.

Dankenswerterweise verzichtet der Autor auf philosophischen Fachjargon und lockert den düsteren Stoff immer wieder mit Sequenzen aus den zitierten Originaltexten auf. Er möchte sein Buch als »Aufklärungs- und Trostschrift mit hoher lebenspraktischer Relevanz« verstanden wissen. Menschen, die ein empirisch-naturwissenschaftliches Weltbild bevorzugen und dieses konsequent zu Ende denken möchten, lässt sich der Band empfehlen. Ihn zu lesen, kostet allerdings Zeit und Kraft. Innerlich für das Thema Sterben »bereit zu sein«, ist dennoch keine Voraussetzung für eine gewinnbringende Lektüre. Bestenfalls stößt das Lesen eine konstruktive Auseinandersetzung damit an.

weiterlesen

Dodo Käßmann rechtfertigt u.a. 7,8 Millionen Euro Staatsknete für Christenfete

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, und der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) haben die finanzielle Unterstützung von Kirchentagen durch die öffentliche Hand gerechtfertigt.

evangelisch.de

„Ich finde es richtig, denn der Staat unterstützt auch andere kulturelle Diskurse und Veranstaltungen“, sagte Käßmann am Samstag auf dem Deutschen Evangelischen Katholikentag in Dortmund. Auch Sportveranstaltungen oder die Oper würden schließlich mit öffentlichen Mitteln gefördert.

De Maizière, der Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentags ist, sagte, eine Großveranstaltung wie der Kirchentag sei gerade in der heutigen Zeit notwendig. Sie habe die Funktion eines Lagerfeuers, das das Herz der Menschen erwärme. „Und das braucht eine Gesellschaft im digitalen Zeitalter erst recht.“ Die Veranstaltung lebe vor allem durch das Engagement Tausender ehrenamtlicher Helfer, betonte de Maizière.

weiterlesen

Medienkritik: Auch so kann man Medien manipulieren

Warum beendete die Moderatorin eines ägyptischen TV-Senders eine Meldung mit dem Satz «Von einem Samsung-Gerät gesendet»? Bild: NZZ
Warum die Berichterstattung der Medien über US-Präsident Donald Trump naiv ist.

Von Stephan Klapproth | NZZamSonntag

Unter den Mediengöttern gibt es einen Pyramidengeist mit Sinn für enthüllenden Humor: Die Moderatorin eines ägyptischen TV-Senders verlas die Meldung vom Tod des inhaftierten Ex-Präsidenten Mohammed Mursi seriös und kompetent. Etwas irritierend nur: Warum beendete die Newsfrau die souverän vom Teleprompter gelesene Meldung mit dem Satz: «Von einem Samsung-Gerät gesendet»?

Unabhängige Beobachter sind sich sicher: Alle ägyptischen Sender hatten den Text zu Mursis Tod aus höchsten Kreisen wörtlich zugemailt bekommen. Die Zensoren des Regimes taten das vom Smartphone aus – und irgendein Redaktionsdösel kopierte den Text direkt auf den Teleprompter, ohne den notorischen Hinweis auf den Handyhersteller zu löschen. Dumm gelaufen.

weiterlesen

Medienbischof Jung: Kirche soll Sprachassistenten einbinden —Alexa, sprich ein Gebet!

Sprachassistentin Alexa von Amazon © Britta Pedersen (dpa)
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) arbeitet derzeit daran, Grundinformationen über Kirchen und Gottesdienste für digitale Sprachassistenten von Amazon, Apple und Google bereitzustellen.

DOMRADIO.DE

„Es ist wichtig, dass wir dort präsent sind und dass Alexa auch ein Gebet sprechen kann, wenn man sie dazu auffordert“, sagte der evangelische Medienbischof Volker Jung am Samstag auf dem Kirchentag in Dortmund.

Fragen zum Glauben beantworten

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau führte als Beispiel die anglikanische Kirche an. Dort lese die Amazon-Sprachassistentin Alexa seit 2018 auf Kommando das Gebet des Tages vor, bete ein Morgen- oder Abendgebet oder spreche einen Segen vor einer Mahlzeit, erklärte Jung auf dem Roten Sofa der Kirchenpresse.

weiterlesen

Jüdische Studierende an deutschen Universitäten: Allein unter Nicht-Juden

Gruppe „Studentim“ ist offen für alle jüdischen Richtungen: Benjamin Shapiro und Anastasia Pletoukina.
Der oder die einzige zu sein – das ist eine häufige Erfahrung für jüdische Studierende. Die Gruppe „Studentim“ wirkt der Vereinzelung entgegen. Die jüdische Studierendenunion will politisch etwas bewegen.

Von Imre Balzer | Deutschlandfunk Kultur

Anastassia Pletoukhina schlägt das dicke Buch auf, das vor ihr auf dem Tisch liegt und blättert zum 2. Buch Mose: „Thematisch sind wir grade dabei, dass Mosche quasi überredet wird, vom Allmächtigen, die Aufgabe des Anführers des Volkes zu übernehmen. Wer mag anfangen zu lesen?“

Die junge Frau blickt fragend in die Runde. Vier Männer und vier Frauen sind an diesem Sonntagnachmittag zum Lesen der Thora nach Berlin-Charlottenburg gekommen. Draußen zwitschern die Vögel, drinnen werden Kaffee und Schokoladenkekse herumgereicht. Es ist der Thora-Lesekreis von Studentim, einer jüdischen Studierendeninitiative aus Berlin, der hier zusammengekommen ist.

Shapiro: „Von Eins nochmal, ne? … ‚Mosche erwiderte und sprach und siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören, denn sie werden sagen, dir ist Gott nicht sichtbar geworden …‘“

Die meisten Teilnehmer haben ihre Bücher mitgebracht, sie kommen häufiger. Für die Neuen gibt es die Thora-Stellen ausgedruckt auf Papier. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat. Heute geht es um Exodus 4.1 und die Bedeutung der Zeichen, die Gott aussendet.

weiterlesen

Kirchensteuer – Wie beim Ablasshandel im Mittelalter

Bild: tilly
Bernhard Müller, der Herausgeber des katholischen PUR-Magazins, hat vor einigen Tagen in einem Gastkommentar der Zeitung „Die Welt“ eine Abschaffung der Kirchensteuer gefordert

kath.net

Bernhard Müller, der Herausgeber des katholischen PUR-Magazins, hat vor einigen Tagen in einem Gastkommentar der Zeitung „Die Welt“ eine Abschaffung der Kirchensteuer gefordert. Diese führe laut Müller dazu, dass es den Kirchenoberen „nur noch um jährlichen Millioneneinnahmen und nicht mehr um die Gläubigen“ gehe. Der Publizist kritisierte in dem Zusammenhang eine „stabile Ökumene der Finanzen“. Von keinem Interesse für die Kirchen sei, ob die Menschen dem Evangelium glauben und die Gebote halten, sondern nur noch, ob sie die Steuer entrichten, die der Staat als Inkassobüro“ für sie einziehe. Für evangelische und katholische Christen sei laut Müller in diesem System „nicht mehr die Taufe, sondern die Kirchensteuer zum entscheidenden Kriterium ihrer Mitgliedschaft geworden“. Für Müller sei dies mit dem Ablasshandel im Mittelalter vergleichbar.

weiterlesen

Rückkehr geraubter Identität: Warum koloniales Kulturgut restituieren?

reuters Sie gelten als Symbol der Debatte: Figuren aus dem früheren Königreich Benin. Frankreich will 26 während der Kolonialzeit ins Land verbrachte Objekte zurückgeben. Womöglich erst der Anfang.
In der Debatte um die Rückgabe afrikanischen Kulturguts gibt es viele irrige Annahmen. Zeit für eine Mythenzerstörung

Stefan Weiss | derStandard.at

Fast zwei Jahre ist es her, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Burkina Faso ein Versprechen abgab, sich so sehr wie noch keiner seiner Vorgänger um die Aufarbeitung der kolonialen Schuld bemühen zu wollen. Dazu gehört in seinen Augen auch die Rückgabe unrechtmäßig nach Frankreich verbrachter afrikanischer Kulturgüter. Schätzungsweise 85 bis 90 Prozent der traditionellen afrikanischen Kunst- und Kultobjekte befinden sich außerhalb Afrikas, sie sind verstreut über große Museen des globalen Nordens, 90.000 Stück gibt es allein in Frankreich.

Macron beauftragte die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und den senegalesischen Schriftsteller und Ökonomen Felwine Sarr mit der Erarbeitung einer Studie, die ihm als Handlungsanleitung dienen sollte. Die Studie erschien im November 2018, seither müssen sich Politik und Museen in ganz Europa dazu verhalten. Die einen tun es kritisch interessiert, andere äußerst zurückhaltend.

weiterlesen

Kretschmann und Söder warnen vor Panik im Umgang mit der AfD

Screenshot FB
Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Winfried Kretschmann (Grüne) und Markus Söder (CSU), haben angesichts des Erstarkens der AfD vor Panik gewarnt.

evangelisch.de

Vielmehr müsse man mit Argumenten gegen das nationalistische Gedankengut der AfD vorgehen, forderten Kretschmann und Söder am Samstag auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund. „Sich immer nur zu empören, das bringt uns nicht weiter“, sagte Kretschmann. Vielmehr müssten potentielle AfD-Wähler überzeugt werden. Das Problem sei, dass derzeit überzeugende Argumentationsketten gegen das völkische Denken fehlten, weil dies vor dem Erstarken der AfD ein Tabu gewesen sei. „Diese Argumentation müssen wir wieder entwickeln.“

Söder forderte eine klare Abgrenzung gegen die AfD. Das Rezept sei: „Keine Panik.“ Besser seien gute Argumente und klare Abgrenzung. „Wir müssen denen zeigen, dass wir mehr Demokraten sind.“ Man dürfe der AfD auch nicht ständig ein Forum bieten, sich in den Mittelpunkt zu stellen.

weiterlesen

Bedford-Strohm: Wir sind nicht kurz vor dem Aussterben – nein, Ihr befindet Euch auf der staatlichen Intensivstation

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Laut jüngster Studie von DBK und EKD wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland bis 2060 halbieren. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sieht darin“ keine Katastrophenmeldung“. Doch er fordert eine Reaktion der Kirchen.

katholisch.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erwartet nach eigenen Worten auch in ferner Zukunft den Fortbestand „einer ausstrahlungsstarken Kirche“. Mit Blick auf die jüngste Studie zur Kirchenmitgliedschaft im Jahr 2060 sagte er am Freitag beim 37. evangelischen Kirchentag in Dortmund: „Wir sind nicht kurz vor dem Aussterben.“ Auch in 40 Jahren würden demnach noch 22 Millionen Menschen in Deutschland einer christlichen Kirchen angehören: „Wir sind also sehr wohl noch da“, sagte Bedford-Strohm auf dem Roten Sofa der Kirchenpresse.

Er sehe in den Resultaten der von katholischer und evangelischer Kirche in Auftrag gegebenen Studie „keine Katastrophenmeldung“, betonte der Landesbischof aus Bayern.

weiterlesen

Sommersonnenwende: Germanenkult zwischen Esoterik und Rechtsextremismus

Mythischer Ort und Treffpunkt zur Sommersonnenwendfeier: die Externsteine im Teutoburger Wald (picture alliance/dpa/Bernd Thissen)
Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres, die Sommersonnenwende. Für viele Kulturen in Mittel- und Nordeuropa ist der Mittsommer Grund zum Feiern. In Deutschland versammeln sich Anhänger germanischer Riten an den Externsteinen im Teutoburger Wald, um Kontakt mit den Kräften der Natur aufzunehmen.

Moderation: Henning Hübert | Deutschlandfunk

Germanenkult steht allerdings auch unter Rechtsextremismusverdacht. Seit die Nationalsozialisten das Germanentum für ihre Ideologie missbraucht haben, gibt es immer wieder Debatten, ob heidnische Feste, Odinverehrung und Heimatkult mehr sind als nur eine harmlose Suche nach Spiritualität. Zuletzt hat der Kinofilm „Kleine Germanen“ die Verbindung zur rechtsextremen Ideologie thematisiert.

Henning Hübert hat für das Wochenendjournal Wikingerdarsteller und Wagnerianer, Rechtsextremismusexperten, Archäologen und Esoteriker getroffen – letztere an den vielbesuchten Externsteinen im Teutoburger Wald. Immer mit der Leitfrage, warum heute Keltisches, Germanisches, auf jeden Fall aber Vorchristliches wieder in Mode kommt.

Anhören

Illegaler Fleischhandel? Erzbischof unter Geldwäsche-Verdacht

Bild: tilly
Ettore Balestrero ist Erzbischof und Diplomat des Heiligen Stuhls. In der Vergangenheit war er unter anderem an der Prüfung der Vatikanbank beteiligt. Jetzt geraten seine eigenen Finanzen ins Blickfeld von Polizei und Staatsanwaltschaft.

katholisch.de

Die Finanzpolizei in Genua hat einem Zeitungsbericht zufolge mehr als zwei Millionen Euro von Konten des Vatikanbotschafters Ettore Balestrero und mehrerer Familienangehöriger beschlagnahmt. Der 52-jährige Kirchendiplomat und gebürtige Genuese wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, Schwarzgeld aus einem illegalen Fleischhandel seiner Familie über ein Steuerparadies und die Schweiz nach Italien geschleust zu haben, wie die italienische Zeitung „Il Secolo XIX“ (Onlineausgabe Freitag) berichtete. Die Verteidigung spricht von einer Erbschaft.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht dem Bericht zufolge eine Übertragung von rund vier Millionen Euro von Ettore Balestrero an seinen Bruder Guido am 14. September 2015. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft handelt es sich um den Gewinn aus illegalen Fleischimporten aus Argentinien in den 1990er-Jahren.

weiterlesen