
Der oder die einzige zu sein – das ist eine häufige Erfahrung für jüdische Studierende. Die Gruppe „Studentim“ wirkt der Vereinzelung entgegen. Die jüdische Studierendenunion will politisch etwas bewegen.
Von Imre Balzer | Deutschlandfunk Kultur
Anastassia Pletoukhina schlägt das dicke Buch auf, das vor ihr auf dem Tisch liegt und blättert zum 2. Buch Mose: „Thematisch sind wir grade dabei, dass Mosche quasi überredet wird, vom Allmächtigen, die Aufgabe des Anführers des Volkes zu übernehmen. Wer mag anfangen zu lesen?“
Die junge Frau blickt fragend in die Runde. Vier Männer und vier Frauen sind an diesem Sonntagnachmittag zum Lesen der Thora nach Berlin-Charlottenburg gekommen. Draußen zwitschern die Vögel, drinnen werden Kaffee und Schokoladenkekse herumgereicht. Es ist der Thora-Lesekreis von Studentim, einer jüdischen Studierendeninitiative aus Berlin, der hier zusammengekommen ist.
Shapiro: „Von Eins nochmal, ne? … ‚Mosche erwiderte und sprach und siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören, denn sie werden sagen, dir ist Gott nicht sichtbar geworden …‘“
Die meisten Teilnehmer haben ihre Bücher mitgebracht, sie kommen häufiger. Für die Neuen gibt es die Thora-Stellen ausgedruckt auf Papier. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat. Heute geht es um Exodus 4.1 und die Bedeutung der Zeichen, die Gott aussendet.