Ausschnitt einer islamfeindlichen Realität


Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf, Bezirk Pankow. Bild: Ceddyfresse/gemeinfrei
Nach Zahlen der Bundesregierung sinkt die Zahl der Übergriffe auf Moscheen. Doch die Angriffe auf muslimisches Gemeindeleben gehen über die offiziellen Angaben hinaus

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Deutlicher kann man Verachtung kaum zum Ausdruck bringen. 50 Koran-Ausgaben fanden die Betreiber einer Bremer Moschee zerstört auf dem Boden ihrer Moschee. Das Heilige Buch der Muslime – zerrissen, in eine Toilette gestopft und darauf defäkiert. Die Bilder aus der al-Rahma-Moschee sorgten vor Kurzem für viel Empörung. Bundesweit berichteten Medien.

Die Bremer CDU verurteilte die Tat als „niederträchtig“. Der Sprecher der Bundesregierung zeigte sich empört. Und der Vorsitzende des „Zentralrats der Muslime“, Aiman Mazyek, sprach von einer „neuen Dimension der Perversion“.

Doch neu war vor allem das große öffentliche Interesse. Als am Tag darauf die Fenster einer Kasseler Moschee eingeworfen wurden, fand dies nur noch in der Lokalpresse statt. Auch als eine Woche zuvor vor einer Moschee in Mönchengladbach Schweinekopf und Tierblut landeten, blieb die Empörung aus. Ebenso wie nach dem Brandanschlag auf eine Moschee im nordrhein-westfälischen Hagen drei Tage zuvor.

Angriffe auf muslimisches Gemeindeleben sind in Deutschland Alltag. Die Vorfälle reichen von verbalen Einschüchterungen und schriftlichen Morddrohungen über rassistische Graffiti und abgetrennte Schweineköpfe bis hin zu eingeworfenen Scheiben und Brandanschlägen: „Praktisch täglich“ seien Muslime Angriffe ausgesetzt, erklärte der Bremer Islamverband „Schura“ nach dem Angriff auf die „Rahma Moschee“. Doch von den meisten Angriffen auf muslimisches Gemeindeleben bekommt die Öffentlichkeit nichts mit.

Offizielle Zahlen: Nur ein Ausschnitt

Das Desinteresse beginnt schon bei der offiziellen Erfassung der Straftaten. Lange hat sich das Bundesinnenministerium geweigert, islamfeindliche Straftaten in der polizeilichen Kriminalstatistik gesondert zu erfassen, wie es beispielsweise bei antisemitisch motivierten Taten schon lange der Fall ist. Erst nach Jahren der Kritik durch Opferschutzorganisationen und islamische Verbände wurde im Jahr 2017 der Kategorie „politisch motivierte Kriminalität“ die Unterkategorie „islamfeindlich“ hinzugefügt.

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