Heiliger als die Wissenschaft erlaubt


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Fundamentalistische Freikirchen gewinnen auch in Europa an Bedeutung. Wenn sich ein Parteichef live auf der Bühne segnen lässt, ist das ein Problem.

Florian Aigner | futurezone.at

Verzückt recken tausende Menschen ihre Arme in die Höhe. Die Stimmung ist so mit heiligem Geist aufgeladen, dass man einen Engel fallen hören könnte. Beim spirituellen Massenevent „Awakening Europe“ hat man große Ziele: Europa soll zurückgewonnen werden, für Jesus. Und auf der Bühne steht Parteichef Sebastian Kurz und lässt sich öffentlich segnen.

Was nach harmloser Wahlkampfhilfe aussieht, hat einen problematischen Hintergrund: Eine Allianz evangelikaler Freikirchen versucht eine radikale Frömmigkeit wiederherzustellen, die längst überwunden schien und die mit wissenschaftlich-aufgeklärtem Denken nicht vereinbar ist.

Sag, wie hältst du’s mit der Wissenschaft?

Religion und Wissenschaft sind traditionell nicht die besten Freunde. Aber zumindest in Mitteleuropa hatte sich das Christentum mit dem aufgeklärten Denken einigermaßen arrangiert. Der katholischen Kirche brachte das Zweite Vatikanische Konzil einen Modernisierungsschub, und seither hat sich vieles verändert. Die Abstammung des Menschen von affenähnlichen Tieren wird akzeptiert, mit dem Urknall und der modernen Kosmologie hat man sich angefreundet, und sogar der kirchlich verurteilte Astronom Galileo Galilei wurde 1992 rehabilitiert – ein paar Jahrhunderte zu spät, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein.

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