Humanistische Seelsorge hilft mit „Gesprächen auf Augenhöhe“


Krisensituationen und Lebensfragen – wie kann man diese bewältigen, wenn göttliche Vorhersehung nicht als universelle Antwort dient? Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Der humanistische Verband Dresden bietet mit der humanistischen Seelsorge eine Alternative zur kirchlichen Seelsorge an. Michael Brade, Präsident des HVD, über allgemeine und humanistische Seelsorge.

Von Daniel Cohen | Badische Zeitung

BZ: Was verstehen Sie persönlich unter Seelsorge?

Brade: Seelsorge ist ein offenes Gesprächsformat ohne ein angestrebtes Ergebnis. Hier findet man ein offenes Ohr und kann sich aussprechen. Besonders in Krisen hilft diese Begleitung beim Verstehen und Deuten. Damit wird auch der Unterschied zur Beratung deutlich, wo es eine Hierarchie und keine Augenhöhe gibt. Zusammengefasst ist humanistische Seelsorge Pflege der Persönlichkeit und Anleitung beim Finden eigener Antworten.

BZ: Auf welcher Basis gründet die humanistische Seelsorge?

Brade: Die Basis sind die Weltanschauung und der konstruktivistische Ansatz, die Menschen so zu nehmen wie sie sind. Gefühle sind weder richtig noch falsch, sondern schlicht vorhanden, subjektive Tatsachen. Im Gegensatz zu vielen Atheisten reden Humanisten jenen Menschen mit religiösen Überzeugungen ihren Glauben nicht aus oder betreiben Gegenmission. Humanismus nimmt zur Kenntnis, dass religiöse Überzeugungen tief verwurzelt und sogar identitätsstiftend sein können. Auch ich spreche Menschen das nicht ab. Allerdings geschieht unserer Meinung nach alles im Leben ohne Fremdeingriffe, es ist nichts Übernatürliches im Spiel, und es gibt keinen übergeordneten Sinn. Menschen können ihrem Leben und Ereignissen jedoch selbst Sinn verleihen. Derlei Gespräche führen wir immer auf Augenhöhe und erlauben uns keinerlei Wertungen; auch Tabuthemen gibt es bei uns nicht. Humanistische Seelsorge beschränkt sich auf Impulse, Ideen, Denkanstöße.

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