Die Vagina dentata ist keine Männerphantasie mehr, sondern ist Realität geworden

Wo beginnt die modische Ermächtigung der Frau, wo entgleitet der Trend in sexistisches Modediktat: Model im schwarzen Bikini an einer Modeschau im Jahr 1966. (Bild: McKeown / Getty)
Es geht ein neuer Modetrend um, der in der Geschlechterdebatte einen Paradigmenwechsel bedeutet: Denn er ist aggressiv, karnevalesk, ein Statement, ein Affront für den Blick und eine Provokation, die Männer in den Nicht-Blick zwingt: der Camel-Toe – diese neuerdings tolerierte oder beabsichtigte Stofffalte im weiblichen Schritt.

Sarah Pines | Neue Zürcher Zeitung

Ob Leggins, Bikini oder einfach nur der Slip – zu enge Unterleibsbekleidung für die Frau verursacht Gefühle von batzenhaft gallertartiger Körperfülle und unruhige innere Fragen. Wie die Bikinihose tragen? Ist sie zu weit heruntergerollt, hängt der Unterbauch über den Bund, zu sehr hochgezurrt ergibt den aufdringlichen sogenannten Camel-Toe. Bisher zumindest war das so.

Inzwischen ist es, als hätte die #MeToo-Bewegung, auch was die Kleidung betrifft, einen Paradigmenwechsel bewirkt. Bisher war es Männern vorbehalten, den Körper (und die Triebe) nicht im Zaum halten zu müssen und alles raushängen zu lassen, die krausebehaarte Brust am Hemdkragen etwa oder die Wölbung im Schritt. Nun dürfen die Frauen: nämlich den BH-losen Busen zeigen und eben den Kamelzeh, den gut sichtbaren Schnitt im Schritt.

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Konfessionslosigkeit breitet sich weiter aus

Bild: erf.de
Bereits vor 50 Jahren, im März 1969, fand im Vatikan eine 1. Internationale Tagung „Die Kultur des Unglaubens“ statt. Unter der Schirmherrschaft von Peter Berger und in Zusammenarbeit mit kalifornischen Religionssoziologen tauschten sich damals Experten über die Folgen wachsender Konfessionslosigkeit aus und versuchten besser zu verstehen, woran Ungläubige eigentlich glauben (Rokko Caporale, Antonio Grumelli (Hg.), The Culture of Unbelief. Berkley 1971).

Dr. Michael Utsch | EZW

Ende Mai 2019 trafen sich an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom erneut 70 Fachleute für Atheismus und Agnostizismus, um „Kulturen des Unglaubens“ aus aktueller Sicht zu analysieren. Weltweit gelten heute rund 1,2 Milliarden Menschen laut dem Meinungsforschungsinstitut „Pew Forum“ als religionsfern. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos. Auf der Tagung im Vatikan wurde erneut daran erinnert, dass mit „ungläubig“ ganz unterschiedliche Standpunkte gemeint sein können: radikale Atheisten, moderne Agnostiker, Humanisten oder Freidenker lehnen Religionen ab und suchen Sinn und Glück auf anderen Wegen (vgl. Michael Utsch: Studie differenziert Motive für den Unglauben. Materialdienst der EZW 11/2013, 423f).

Das Vorurteil, dass ungläubige Menschen keine Wertvorstellungen hätten, konnte eine britische Soziologin auf der Tagung in Rom durch ihre Studie widerlegen. In einem anderen Vortrag wurde gefragt, warum viele Atheisten an Übernatürliches glauben. Demnach bestreiten nur 35 Prozent US-amerikanischer Atheisten die Existenz übernatürlicher Phänomene, unter chinesischen Atheisten seien es sogar nur 8 Prozent. Es greife zu kurz, so der referierende Anthropologe, den Menschen nur als rationales, kühl abwägendes Wesen zu sehen. Möglicherweise sind Glauben, Lieben und Hoffen universelle menschliche Eigenschaften, die emotionalen Grundbedürfnissen darstellen und konfessionelle Etiketten sprengen.

Manche Teilnehmer der Tagung störte die Tatsache, dass die religionsfreundliche John-Templeton-Stiftung die Tagung mit 2,6 Millionen Euro gefördert hat und sie im Vatikan stattfand. Aber auch atheistische Forscherverbände beschäftigen sich mit der Grenze zwischen Glaube und Unglaube. Früher hat sich die Konversionsforschung eher mit der Hinwendung zum Christentum beschäftigt (vgl. Michael Utsch: Konversion. Materialdienst der EZW 10/2016, 391ff). In einer neuen Studie wurden jetzt 111 biografische Erzählungen analysiert, in denen Atheisten darüber berichteten, warum sie zum christlichen Glauben konvertiert sind. Entscheidende Motive sahen die Forscher in krisenhaften Lebensumständen, Begegnungen mit glaubwürdigen Christinnen und Christen und der Überzeugung, keinen Lebenssinn in einer atheistischen Weltsicht zu finden.

Die Tagung und die neue Studie verdeutlichen, wie wichtig Gespräche zwischen religiös und säkular eingestellten Menschen sind, um Vorurteile abzubauen, Andersglaubende besser zu verstehen und viele Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Kosmische Radioblitze: Extragalaktisch, aber anders

Wie die ultrakurzen, aber extrem starken kosmischen Radiopulse entstehen, ist nioch immer ein Rätsel. Jetzt haben Astronomen erstmals den Ursprung eines sich nicht wiederholenden Radiobursts geortet. © CSIRO/ Alex Cherney
Überraschend anders: Astronomen haben erstmals den Ursprung eines nicht wiederholten kosmischen Radioblitzes ermittelt – dem häufigsten Typ dieser mysteriösen ultrakurzen Radiopulse. Demnach stammt dieser Radioburst aus einer 3,6 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie. Das Überraschende jedoch: Die Quelle dieses Einzel-Radiopulses ist ganz anders als eines zuvor lokalisierten Serien-Radiobursts, wie die Forscher im Fachmagazin „Science “ berichten.

scinexx

Fast Radiobursts (FRB) geben Astronomen bislang Rätsel auf. Denn noch ist völlig unbekannt, woher diese wenige Millisekunden kurzen, aber extrem energiereichen Radiopulse kommen und was sie verursacht. Erst 2017 gelang es Forschern, die Quelle des sich wiederholenden Radiobursts FRB 121102 auf eine drei Milliarden Lichtjahre entfernte Zwerggalaxie zurückzuführen – er ist demnach extragalaktischen Ursprungs. Die starke Polarisierung dieser Radiosignale sprach zudem für ein stark magnetisiertes Entstehungsumfeld.

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The Geometry of Thought

Barbara Tversky, Image credit: Edge.org

Slowly, the significance of spatial thinking is being recognized, of reasoning with the body acting in space, of reasoning with the world as given, but even more with the things that we create in the world. Babies and other animals have amazing feats of thought, without explicit language. So do we chatterers. Still, spatial thinking is often marginalized, a special interest, like music or smell, not a central one. Yet change seems to be in the zeitgeist, not just in cognitive science, but in philosophy and neuroscience and biology and computer science and mathematics and history and more, boosted by the 2014 Nobel prize awarded to John O’Keefe and Eduard and Britt-May Moser for the remarkable discoveries of place cells, single cells in the hippocampus that code places in the world, and grid cells next door one synapse away in the entorhinal cortex that map the place cells topographically on a neural grid. If it’s in the brain, it must be real. Even more remarkably, it turns out that place cells code events and ideas and that temporal and social and conceptual relations are mapped onto grid cells. Voila: spatial thinking is the foundation of thought. Not the entire edifice, but the foundation.

The mind simplifies and abstracts. We move from place to place along paths just as our thoughts move from idea to idea along relations. We talk about actions on thoughts the way we talk about actions on objects: we place them on the table, turn them upside down, tear them apart, and pull them together. Our gestures convey those actions on thought directly. We build structures to organize ideas in our minds and things in the world, the categories and hierarchies and one-to-one correspondences and symmetries and recursions.

BARBARA TVERSKY is Professor Emerita of Psychology, Stanford University, and Professor of Psychology and Education, Columbia Teachers College. She is the author of Mind in Motion: How Action Shapes Thought. Barbara Tversky’s Edge Bio Page

Edge.org

I do get obsessed. One recent obsession is lines, I see them everywhere. The lines that the eye creates when there are none, connecting the dots so that we perceive whole objects even when they’re occluded. The lines that connect our thoughts in our minds, the neurons in our brains, and our paths in the world. The lines the hand draws. Lines aren’t necessary straight, but they need to connect. Then there are the lines we create when we arrange our stuff in our homes and in the world, walls and shelves and streets. Another obsession, not unrelated, is perspective: yours or mine, and neither yours nor mine but rather from above, a map. Maps are a major feat of the mind: the mind can imagine a map of a large place we’ve explored even if we’ve never seen a map of it or seen it from above. You can find ancient maps carved in stone or painted on walls of caves all over the world. Map-like perspectives, overviews or surveys, capture arrangements of lines or paths, and landmarks or points, not just in real space, but also in imaginary space, a social landscape or a political one. That’s a longer story for another time.

It’s really structure that I keep circling back to (note that word: circle). How do we structure our moving, changing thoughts and how do we structure the world we design and move and act in?

The venerable view of the movement of thought is association; thought is associative. Sure, but a three-year-old would ask, „Where do the associations come from?“ They’re not random, they’re organized, and in many ways, and three-year-olds have long begun to form them. Chair-table, both in the category furniture. Or the theme, dining room. Early on, we form categories: stuff we eat, stuff we wear, stuff we play with. More formally: food, with sub-categories like fruit and cheese and bread; clothing, with sub-categories like shirts and pants and pajamas; toys, with sub-categories like cars and blocks and dolls. There are also themes, stuff that gets used together, like bathtubs and sinks and towels, or pots and pans and dishes, and refrigerators and stoves, or paper and pencil and scissors and glue. Typically, we arrange our homes around both categories and themes. Food is in the kitchen, fruit in one place, cheese in another, together with pots and pans and refrigerators. Toys are in a bedroom (or more realistically for three-year-olds, all over the house) along with books and clothing and beds. Think now of word associations, a standard measure: do we respond „chair“ to „table“ because they’re in the same category or because they’re used together, they’re in the same theme? For years, cognitive and developmental psychologists thought that categorical associations were more sophisticated than thematic ones. That view is being challenged, and surely we need both.

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Die Klimawirkung von Kondensstreifen könnte sich bis 2050 verdreifachen

Aus Kondensstreifen können sich recht komplizierte Muster am Himmel bilden. Die durch Flugzeugabgase hervorgerufenen Wolken beeinflussen ganz schwach das Klima. (Bild: Kranich17 / Pixabay)
Der Beitrag des Flugverkehrs zur Erwärmung der Atmosphäre ist gering, aber er nimmt zu. Technische Fortschritte reichen bis jetzt nicht aus, um diese Entwicklung zu stoppen.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

An manchen Tagen sind es nur einzelne Kreidestriche. An anderen bedeckt ein unordentlicher Teppich aus weissen Bahnen den hiesigen Himmel. Die Kondensstreifen, die von Flugzeugabgasen hervorgerufen werden, sind aus der Atmosphäre nicht mehr wegzudenken. Auch aus der Diskussion über den Klimawandel nicht.

Der Flugverkehr trägt gegenwärtig fünf Prozent zur vom Menschen verursachten globalen Erwärmung bei. Oft ist von den CO2-Emissionen der Antriebe die Rede, dabei geht von ihnen gar nicht der stärkste klimatische Effekt aus. Es sind vor allem die Kondensstreifen, die bewirken, dass Flugzeuge die Temperatur auf der Erde steigen lassen.

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„Revolution Chemnitz“: Bundesanwaltschaft erhebt Anklage

Die Bundesanwaltschaft hat gegen acht mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Gruppe „Revolution Chemnitz“ Anklage erhoben. Den Männern im Alter von 21 bis 31 Jahren werde vorgeworfen, eine terroristische Vereinigung gebildet zu haben, teilte der Generalbundesanwalt am Freitag in Karlsruhe mit.

evangelisch.de

Den Ermittlern zufolge habe die Gruppierung den gewaltsamen Sturz der Regierung angestrebt. Dabei sei der 31-jährige Christian K. Rädelsführer gewesen.

Er habe die zentrale Führungsposition eingenommen, die Ausrichtung der Gruppe bestimmt und Planungen koordiniert, hieß es. Die Anklage wurde den Angaben zufolge am 18. Juni vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Dresden erhoben. Bereits am Dienstag hatten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

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Lampedusa: „Sea Watch 3“ legt an – Kapitänin verhaftet

Bild: tagesschau.de
Das Flüchtlingsschiff „Sea Watch 3“ hat im Hafen von Lampedusa angelegt. Die deutsche Kapitänin wurde daraufhin umgehend festgenommen. Die Flüchtlinge sollen weiterhin an Bord sein.

tagesschau.de

Das Flüchtlings-Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ ist in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa eingelaufen. Die Hilfsorganisation Sea Watch teilte mit, das Schiff mit 40 Flüchtlingen an Bord habe ohne Erlaubnis im Hafen festgemacht. Die Flüchtlinge seien weiterhin an Bord.

Die Flüchtlinge waren Mitte Juni aus einem Schlauchboot vor der Küste Libyens gerettet worden. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete sei von der italienischen Polizei verhaftet worden, so ein Sprecher. „Wir sind nicht erleichtert, wir sind wütend“, sagte Rackete einer Mitteilung zufolge. „Diese Landung hätte vor mehr als zwei Wochen stattfinden sollen, und sie hätte von den Behörden koordiniert statt behindert werden sollen“.

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Der Juni war viel zu warm und zu trocken

Im Freibad lässt sich die Hitze ertragen, aber der Rasen ist vertrocknet Bild: dpa
Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 140 Jahren war es im Juni so warm wie in den vergangenen Wochen. Und Abkühlung ist nicht in Sicht. Noch schlimmer sucht die Hitze die Menschen in Frankreich und Spanien heim.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die brütende Hitze bleibt Deutschland auch auf der Zielgeraden eines extremen Juni erhalten: Bis zu 39 Grad kann es am Wochenende in Ostdeutschland heiß werden – damit sind nach Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) abermals rekordverdächtige Werte möglich. Derweil ist in Frankreich der Allzeit-Temperaturrekord schon am Freitag gekippt – mit 45,1 Grad in der südfranzösischen Gemeinde Villevieille.

Im brandenburgischen Coschen und im sächsischen Bad Muskau war mit 38,6 Grad bereits am Mittwoch der bisherige deutsche Hitzerekord für Juni geknackt worden. Der Monat war laut vorläufiger DWD-Bilanz vom Freitag der wärmste und sonnigste seit Messbeginn.

Mit einem Temperaturschnitt von 19,8 Grad war es 4,4 Grad wärmer als es der Vergleich mit der Referenzperiode von 1961 bis 1990 vorsieht, wie der DWD in Offenbach mitteilte. Es handelt sich um den höchsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 in Deutschland gemessenen Wert. Die Sonne schien im Schnitt 300 Stunden lang und übertraf ihr Soll um 50 Prozent. Damit ließ sie den bisherigen Monatsrekord von 1976 hinter sich.

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Wem gehört das Jüdische Museum in Berlin?

Das grösste jüdische Museum Europas verliert seinen Direktor nach einer gezielten orchestrierten Kampagne, die ihm antijüdische und antiisraelische Tendenzen vorwirft.

Gabriel Heim | tachles.ch

Geht ein Patient wegen einer Beschwerde zu seinem Arzt, so fragt er ihn in der Regel: «Herr Doktor, ist es schlimm?» Ein jüdischer Patient hingegen erkundigt sich nach seinem Zustand mit den Worten: «Herr Doktor, wie schlimm ist es?» Fragt der eine nach der Diagnose, so drängt den anderen die daraus resultierende Prognose.

Dieser altbekannte jüdische Witz lässt sich trefflich auf einen akuten Fall anwenden, an dem seit Monaten in aller Öffentlichkeit diagnostiziert, laboriert und operiert wird. Gemeint ist das Jüdische Museum Berlin (JMB), das für die Wochenzeitung «Die Zeit» als eines der wichtigsten Museen der Bundesrepublik gilt. Während in den Feuilletons erbittert um die Diagnose gerungen wird, steht für die willigen Operateure die Prognose einer Radikaloperation am von «antijüdischen und antizionistischen» Kräften infizierten JMB längst fest. Worum geht es?

«Wer nicht für uns ist, ist gegen uns»
Anlässlich der israelisch-deutschen Konsultationen im Herbst 2018 übergab Binyamin Netanyahu der Bundeskanzlerin ein Dokument, in dem die Bundesrepublik aufgefordert wurde, Nichtregierungsorganisationen, die «antiisraelische Aktivitäten befördern», nicht weiter zu unterstützen. Auf der Liste der von Israel inkriminierten Organisationen figuriert auch das JMB mit der Begründung: Das Jüdische Museum, das nicht mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden sei, halte häufig Veranstaltungen mit prominenten Sympathisanten der israelkritischen Bewegung «Boykott, Desinvestition und Sanktionen» (BDS) ab. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Museum eine Ausstellung im Programm habe, «die hauptsächlich ein muslimisch-palästinensisches Narrativ zur Schau stellt». Gemeint ist die vielbesuchte und umfassend gestaltete Ausstellung «Welcome to Jerusalem», deren facettenreiche und somit auch palästinensische Sicht auf die «heilige Stadt» von Netanyahu und den Verfechtern seiner Doktrin des ungeteilten Jerusalem als einseitig und israelfeindlich qualifiziert wird. Um das JMB als Hort der Aufklärung und der offenen Begegnung endlich zum Schweigen zu bringen, wird die Bundesregierung aufgefordert, ihre finanzielle Beteili-gung am Jüdischen Museum einzustellen oder zumindest zu verringern, was nicht weniger als die Schliessung des JMB zur Folge hätte, wird dieses doch seit bald zwanzig Jahren zu 75 Prozent durch öffentliche Mittel finanziert. Der unverhohlene Angriff auf ein Museum mit internationalem Renommee, das seit 1999 im Libeskind-Bau zwar als jüdisches Museum firmiert, doch programm-inhaltlich immer mehr zu einer Institution wurde, in der ein offener Dialog zwischen den Kulturen, Religionen und Weltanschauungen einen unverrückbaren Wert darstellt, ist Teil einer Kampagne geworden, die nur einen Massstab kennt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!

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Deutscher Lehrerverband kritisiert Gender-Ideologie

Präsident des Deutschen Lehrerverbandes hält nichts von Gendertoiletten an Grundschulen und bejaht das päpstliche Dokument „Als Mann und Frau schuf er sie“.

kath.net

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, glaubt nicht, dass es mehr Geschlechtergerechtigkeit und Akzeptanz sexueller Vielfalt geben wird, wenn an einigen Grundschulen Gendertoiletten eingeführt würden. Vielmehr werde hier Überforderung von außen herangetragen, diese fördere eher Diskriminierung und Hänseleien. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Auch eine Änderung der Rechtschreibung halte er für nicht sinnvoll. Zum päpstlichen Dokument „Als Mann und Frau schuf er sie“ äußerte er völlige Zustimmung. Unabhängig davon, wie man zur kirchlichen Morallehre stehe, deklariere sich das Schreiben ausdrücklich als „Dialogangebot“ und damit als eine „legitime Meinungsäußerung der Kirche“. Er könne darin weder eine Diskriminierung von Homosexualität und Transgender noch einen Rückfall der Amtskirche ins Mittelalter erkennen, so Meidinger. Denn es gehe in dem Papier „um die Ablehnung einer Position in der Genderdebatte, die jeden Unterschied zwischen den Geschlechtern leugnet und diese Unterschiede als bloße soziale Konstruktion“ darstelle.

Zu Unrecht in Haft: Türkisches Verfassungsgericht gibt einer Klage des Journalisten Deniz Yücel recht

Deniz Yücel, hier in der ZDF-Show Maybrit Illner am 21. Juli 2016 in Berlin. (Bild: Imago)
Mehr als ein Jahr lang sass der deutsch-türkische Reporter Deniz Yücel ohne Anklageschrift in türkischer Untersuchungshaft. Jetzt kommt das Verfassungsgericht zum Schluss, dass die Haft rechtswidrig war. Ein generelles Abrücken vom repressiven Kurs zeichnet sich in der Türkei jedoch nicht ab.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Das türkische Verfassungsgericht hat überraschend die Verhaftung von Deniz Yücel, dem früheren Korrespondenten der «Welt», für rechtswidrig erklärt. Nach Ansicht der Richter habe die Untersuchungshaft das Recht auf persönliche Freiheit und Sicherheit sowie das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit verletzt, hiess es am Freitag aus der Türkei. Damit hat eine Verfassungsbeschwerde, die die Anwälte des deutsch-türkischen Journalisten vor zwei Jahren gegen dessen Inhaftierung eingelegt hatten, überraschend doch noch Erfolg.

Prozess wegen «Terrorpropaganda» geht weiter

Mehr als ein Jahr lang, von Februar 2017 bis Februar 2018, sass Yücel ohne Anklageschrift in dem berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Silivri nahe Istanbul ein – davon neun Monate in Einzelhaft. Dabei soll der Journalist nach eigener Aussage auch wiederholt gefoltert worden sein. Weil er sich der «Propaganda für eine Terrororganisation» und der «Volksverhetzung» schuldig gemacht haben soll, forderte die Staatsanwaltschaft 17 Jahre Haft. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich persönlich in den Fall eingeschaltet und Yücel immer wieder öffentlich als «PKK-Terroristen» und «deutschen Agenten» angeprangert.

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Moraltheologe zum Peta-Barbecue mit Hundeattrappe Warum Christen ihren Fleischkonsum reduzieren sollten

Peta schockiert mit Hundeattrappe auf Standgrill
© NN (Peta Australia)
Eine täuschend echte Hundeattrappe auf einem Grill mitten in der Fußgängerzone – mit dieser Aktion macht die Organisation Peta mobil gegen Fleischkonsum. Eine christliche Einordnung von Moraltheologe Michael Rosenberger.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: In diesen Tagen werden beim Hundefleisch-Festival in der chinesischen Stadt Yulin mehr als 10.000 Hunde geschlachtet und gegessen. Anlass für die Tierschutzorganisation Peta, mit einer Aktionsreihe in deutschen und österreichischem Fußgängerzonen für Aufsehen zu sorgen: Eine täuschend echte Hundeattrappe liegt auf einem Standgrill, umgeben von Plastikgemüse. Dazu stellen die Tierschützer die Frage: „Wenn Sie keinen Hund essen würden, warum dann ein Schwein?“. Herr Rosenberger, was halten Sie von dieser Aktion?

Prof. Dr. Michael Rosenberger (Priester und Moraltheologe, Prorektor an der  an der Katholischen Privatuniversität Linz): Zunächst einmal ist die Überlegung von Peta, dass es um ein Tier geht, was bei uns extrem beliebt ist und was wir in Europa nie essen oder umbringen würden. Und über dieses Tier will Peta zum Nachdenken über den Verzehr von Fleisch insgesamt anregen und etwas anstoßen. Das finde ich zunächst einmal nicht ganz verkehrt. Es ist für uns etwas ungewohnt, das Thema so anzuschauen. Aber ungewohnte Perspektiven bieten ja oft auch die Chance, dass man noch einmal auf neue Gedanken kommt, die man vorher so nicht gesehen hat.

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Schulstreiks: Menschenkette um den Bundestag

Fridays for Future in Innsbruck/ Österreich. Bild (vom 7.Juni): Naturpuur/ CC BY-SA 4.0
Schüler streiken auch in den Ferien weiter. Aktionen inzwischen auf allen Kontinenten. Bundestag stimmt nach neuem Temperaturrekord über Klimanotstand ab

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Die Schüler lassen nicht locker. Auch am heutigen Freitag finden wieder rund um den Globus Schulstreiks und andere Aktionen für mehr Klimaschutz statt. In einer vermutlich unvollständigen Liste werden 785 Städte angeführt, in denen sich Jugendliche versammeln wollen.

Unter anderem gibt es 53 Meldungen aus Kanada, 13 aus Brasilien, 14 aus Chile, 16 aus der Tschechischen Republik, 29 aus Frankreich, 99 aus den USA, 4 von Taiwan, zehn aus Indonesien und 59 aus Indien, wo noch immer diverse Landesteile unter einer schweren Dürre leiden, während Mumbai unter sintflutartigen Niederschlägen stöhnt.

In Deutschland soll es, so eine Aufzählung der hiesigen Fridays-for-Future-Bewegung, in 56 Städten Kundgebungen, Menschenketten, Demonstrationen und Fahrradkorsos geben. Darunter auf Fehmarn, in Neubrandenburg, Kassel, Jena, Kiel, Leipzig, München, Fulda und Worms. In Berlin, wo bereits Schulferien sind, gibt es zur Stunde eine Menschenkette um den Bundestag.

Da der Klimawandel auch keine Pause mache, heißt es im Aufruf, sollten die Parlamentarier bei ihrer letzten Sitzung vor ihren Sommerferien nicht so einfach entlassen werden.

Vorher haben diese am heutigen Nachmittag das Thema Klimaschutz auf der Tagesordnung stehen. Unter anderem steht ein Antrag der Linkspartei zur Debatte, in dem die Ausrufung des Klimanotstandes gefordert wird.

Dabei gehe es nicht etwa um die Ausrufung einer Öko-Diktatur, heißt es bei der Linkspartei. Vielmehr solle „Klimaschutz bei politischen Entscheidungen prioritär“ behandelt werden. Klimaschutz müsse ganz oben auf die Agenda.

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Russisch-orthodoxe Kirche will keine Atomwaffen mehr segnen

Ob Kampfjets, Atom-U-Boote oder Massenvernichtungswaffen: Der Segen der orthodoxen Kirche war russischen Waffen bisher sicher. Doch eine kirchliche Kommission verlangt nun Einschränkungen.

katholisch.de

Die russisch-orthodoxe Kirche will in Zukunft keine Massenvernichtungswaffen wie etwa Nuklearvorrichtungen mehr segnen. Wie unter anderem der britische „Telegraph“ am Dienstag berichtet, rät der Bericht einer kirchlichen Kommission von den Segnungen ab. Der Vizekanzler des Moskauer Patriarchats, Savva Tutunov, sagte, die Kirche müsse sich mit „neuen Realitäten“ auseinandersetzen.

Tutunov fasste die Kommissionseinschätzung zusammen: Von der Tradition her bekämen den Segen in erster Linie die Soldaten. Die von ihnen getragenen Waffen würden dabei mitgesegnet, als Teil des Segens für die Person. Waffen allein und Massenvernichtungswaffen sollten deshalb nicht mehr gesegnet werden.  

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