Die Vagina dentata ist keine Männerphantasie mehr, sondern ist Realität geworden


Wo beginnt die modische Ermächtigung der Frau, wo entgleitet der Trend in sexistisches Modediktat: Model im schwarzen Bikini an einer Modeschau im Jahr 1966. (Bild: McKeown / Getty)
Es geht ein neuer Modetrend um, der in der Geschlechterdebatte einen Paradigmenwechsel bedeutet: Denn er ist aggressiv, karnevalesk, ein Statement, ein Affront für den Blick und eine Provokation, die Männer in den Nicht-Blick zwingt: der Camel-Toe – diese neuerdings tolerierte oder beabsichtigte Stofffalte im weiblichen Schritt.

Sarah Pines | Neue Zürcher Zeitung

Ob Leggins, Bikini oder einfach nur der Slip – zu enge Unterleibsbekleidung für die Frau verursacht Gefühle von batzenhaft gallertartiger Körperfülle und unruhige innere Fragen. Wie die Bikinihose tragen? Ist sie zu weit heruntergerollt, hängt der Unterbauch über den Bund, zu sehr hochgezurrt ergibt den aufdringlichen sogenannten Camel-Toe. Bisher zumindest war das so.

Inzwischen ist es, als hätte die #MeToo-Bewegung, auch was die Kleidung betrifft, einen Paradigmenwechsel bewirkt. Bisher war es Männern vorbehalten, den Körper (und die Triebe) nicht im Zaum halten zu müssen und alles raushängen zu lassen, die krausebehaarte Brust am Hemdkragen etwa oder die Wölbung im Schritt. Nun dürfen die Frauen: nämlich den BH-losen Busen zeigen und eben den Kamelzeh, den gut sichtbaren Schnitt im Schritt.

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