Konfessionslosigkeit breitet sich weiter aus


Bild: erf.de
Bereits vor 50 Jahren, im März 1969, fand im Vatikan eine 1. Internationale Tagung „Die Kultur des Unglaubens“ statt. Unter der Schirmherrschaft von Peter Berger und in Zusammenarbeit mit kalifornischen Religionssoziologen tauschten sich damals Experten über die Folgen wachsender Konfessionslosigkeit aus und versuchten besser zu verstehen, woran Ungläubige eigentlich glauben (Rokko Caporale, Antonio Grumelli (Hg.), The Culture of Unbelief. Berkley 1971).

Dr. Michael Utsch | EZW

Ende Mai 2019 trafen sich an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom erneut 70 Fachleute für Atheismus und Agnostizismus, um „Kulturen des Unglaubens“ aus aktueller Sicht zu analysieren. Weltweit gelten heute rund 1,2 Milliarden Menschen laut dem Meinungsforschungsinstitut „Pew Forum“ als religionsfern. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos. Auf der Tagung im Vatikan wurde erneut daran erinnert, dass mit „ungläubig“ ganz unterschiedliche Standpunkte gemeint sein können: radikale Atheisten, moderne Agnostiker, Humanisten oder Freidenker lehnen Religionen ab und suchen Sinn und Glück auf anderen Wegen (vgl. Michael Utsch: Studie differenziert Motive für den Unglauben. Materialdienst der EZW 11/2013, 423f).

Das Vorurteil, dass ungläubige Menschen keine Wertvorstellungen hätten, konnte eine britische Soziologin auf der Tagung in Rom durch ihre Studie widerlegen. In einem anderen Vortrag wurde gefragt, warum viele Atheisten an Übernatürliches glauben. Demnach bestreiten nur 35 Prozent US-amerikanischer Atheisten die Existenz übernatürlicher Phänomene, unter chinesischen Atheisten seien es sogar nur 8 Prozent. Es greife zu kurz, so der referierende Anthropologe, den Menschen nur als rationales, kühl abwägendes Wesen zu sehen. Möglicherweise sind Glauben, Lieben und Hoffen universelle menschliche Eigenschaften, die emotionalen Grundbedürfnissen darstellen und konfessionelle Etiketten sprengen.

Manche Teilnehmer der Tagung störte die Tatsache, dass die religionsfreundliche John-Templeton-Stiftung die Tagung mit 2,6 Millionen Euro gefördert hat und sie im Vatikan stattfand. Aber auch atheistische Forscherverbände beschäftigen sich mit der Grenze zwischen Glaube und Unglaube. Früher hat sich die Konversionsforschung eher mit der Hinwendung zum Christentum beschäftigt (vgl. Michael Utsch: Konversion. Materialdienst der EZW 10/2016, 391ff). In einer neuen Studie wurden jetzt 111 biografische Erzählungen analysiert, in denen Atheisten darüber berichteten, warum sie zum christlichen Glauben konvertiert sind. Entscheidende Motive sahen die Forscher in krisenhaften Lebensumständen, Begegnungen mit glaubwürdigen Christinnen und Christen und der Überzeugung, keinen Lebenssinn in einer atheistischen Weltsicht zu finden.

Die Tagung und die neue Studie verdeutlichen, wie wichtig Gespräche zwischen religiös und säkular eingestellten Menschen sind, um Vorurteile abzubauen, Andersglaubende besser zu verstehen und viele Gemeinsamkeiten zu entdecken.

3 Comments

  1. Achsooo, ich dachte das Christentum gab es schon vor 5000 Jahren… Aber ernsthaft, ich habe den Gottesglauben und den Atheismus bzw. die Religionslosigkeit kontrastiert, nicht den Monotheismus und Polytheismus bzw. Animismus…

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  2. Es mag sich die Konfessionslosigkeit ausbreiten, jedoch nicht der Atheismus bzw. die Irreligiosität, der Glaube an Gott ist derselbe wie vor 5000 Jahren.

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