Das Rätsel um die Krokodile von Osttimor


Krokodile lauern im Wasser auf Beute. Sie unterscheiden nicht zwischen Mensch oder Tier
Quelle: Getty Images
In Osttimor haben Menschen und Krokodile über Jahrhunderte hinweg einigermaßen friedlich zusammengelebt. In den vergangenen Jahren aber haben sich Attacken der Reptilien gehäuft. Warum?

Von Pia Heinemann | DIE WELT

Einmal hatte Sebastian Brackhane Angst. „Mein Führer forderte mich auf, ihm durch den Fluss folgen. Das Wasser war zwar nicht tief, vielleicht einen Meter – aber überall hätten Krokodile lauern können. Da war es mir etwas mulmig.“ Krokodile warten unter der Wasseroberfläche auf ihre Opfer, schnappen blitzschnell zu, ziehen sie hinab und ertränken sie.

Trotzdem musste Sebastian Brackhane durch den Fluss waten. Der Forscher, der damals an der Universität Freiburg forschte, wollte herausfinden, was mit den Krokodilen in Osttimor los ist. Er hatte davon gehört, dass die Tiere ihr Verhalten geändert haben. Eigentlich leben Mensch und Tier seit Jahrhunderten an den von Mangroven gesäumten Küsten, Lagunen und Flüssen relativ friedlich miteinander. Die Reptilien werden wie Gottheiten verehrt. Doch seit etwa zehn Jahren ist die Zahl der Attacken um das 20-Fache angestiegen. Mittlerweile wird pro Monat ein Mensch zum Opfer, die Hälfte der Attacken endet tödlich. Brackhane und andere Forscher wollen wissen, warum die Krokodile zu Killern werden – und wie sich Angriffe vermeiden lassen.

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