Der Fall Iberogast

Magengrummeln, Sodbrennen und Übelkeit: Rund 10 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter den Symptomen eines Reizmagens. Bild: Your_Photo_Today

Iberogast ist ein altbewährtes Pflanzenextrakt gegen Magenbeschwerden. Nun steht es im Verdacht, Leberschäden zu verursachen. Nach einem Todesfall ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft.

Von Georg Rüschemeyer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am Ende blieb nur eine Transplantation der kaputten Leber. Doch der 56-jährigen Patientin der Uniklinik Leipzig half auch das nicht mehr: Sie starb an den Komplikationen der aufwendigen Operation. Ihre Ärzte führten an dem geschädigten Organ eine Reihe von Tests durch. Die Ergebnisse veröffentlichten sie Ende Juni im „American Journal of Gastroenterology“. Ihr überraschendes Fazit: Die Schäden an der Leber wurden von dem pflanzlichen Magenmittel Iberogast verursacht.

Die Kräutertinktur ist nun ein Fall für die Kölner Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge im Fall Iberogast wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt. Ob die verstorbene Patientin der Uniklinik Leipzig diese Ermittlungen ausgelöst hat, lässt sich nur vermuten – bisher lehnen die Kölner Juristen jede Stellungnahme ab. Doch dies ist nur einer von vielen Fällen, die das scheinbar harmlose, da rein pflanzliche Iberogast des Herstellers Bayer ins Zwielicht rücken. Ein heikler Verdacht, denn das Magenmittel ist einer der Bestseller unter den apothekenpflichtigen Arzneien mit einem geschätzten Jahresumsatz von 120 Millionen Euro.

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Autismus durch vorgeburtliche Östrogen-Schwemme?

Ein Überschuss an Östrogenen im Mutterleib könnte zur Ausbildung von Autismus beitragen.© Janula/ thinkstock

Hormonflut im Mutterleib: Wenn Jungen im Mutterleib erhöhten Werten des Geschlechtshormons Östrogen ausgesetzt sind, kann dies offenbar ihr Risiko für Autismus fördern, wie eine Studie nahelegt. Demnach gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen hohen Östrogenwerten im Fruchtwasser und dem späteren Autismus der Kinder. Die Forscher vermuten, dass der Hormoneinfluss die Hirnentwicklung beeinflusst und so die Neigung zu dieser Entwicklungsstörung verstärkt.

scinexx

Zwischen einem und drei Prozent der Kinder sind von einer autistischen Entwicklungsstörung betroffen – Jungen deutlich häufiger als Mädchen. Die Ursachen dafür sind bisher jedoch erst in Teilen bekannt. Klar scheint, dass neben einer genetischen Veranlagung auch Umwelteinflüsse für eine Entstehung des Autismus verantwortlich sind. Im Verdacht stehen unter anderem vorgeburtliche Belastungen durch Pestizide, Arzneimittel wie Antidepressiva, aber auch eine Herpesinfektion der Mutter.

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Mehr als jeder Vierte glaubt an Telepathie und Wunderheilungen

15 Prozent glauben daran, dass eine Kontaktaufnahme mit Verstorbenen möglich ist.Foto: APA/Anniev Kosta

Frauen abergläubischer als Männer – Glaube an Hellseherei und Magie nahm laut Spectra-Umfrage leicht zu

DERSTANDARD

Mehr als ein Viertel der Österreicher glaubt an Gedankenübertragung, Wunderheilungen und übersinnliche Wahrnehmungen. Das ergab eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Spectra.

Telepathie halten 28 Prozent der 1.000 in persönlichen Interviews befragten Über-15-Jährigen für plausibel, Wunderheilungen – etwa durch Handauflegen oder Energieübertragung – 27 Prozent und übersinnliche Wahrnehmungen 26 Prozent. Im Mittelfeld rangieren Hellsehen (19 Prozent), Magie (17 Prozent), Wiedergeburt (16 Prozent) und die Kontaktaufnahme mit Verstorbenen (15 Prozent). Am unteren Ende der Skala sind Telekinese (zehn Prozent), Geisterbeschwörung und Hexerei (je sieben Prozent) sowie Exorzismus (sechs Prozent) und UFO-Sichtungen (fünf Prozent) – Zitat spectra – in der Kategorie „Humbug“.

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Potsdam: Wegen einer Kippa attackiert

Bild: bb

Ein Einwohner der deutschen Stadt Potsdam, der eine Kippa mit einem eingenähten Davidstern getragen hatte, ist das Opfer einer antisemitischen Attacke geworden.

tachles.ch

Nach seinen eigenen Angaben ist das Opfer verfolgt, bespuckt und angegriffen worden. Die Polizei reagierte rasch und verhaftete einen 19jährigen syrischen Bürger, sowie einen 17-Jährigen unbekannten Ursprungs. Wie die Polizei zugab, wird der Jüngere nun als Zeuge behandelt und nicht als Verdächtigter. Der Potsdamer Bürgermeister Mike Schubert erwartet «rasche Ergebnisse» der polizeilichen Untersuchung, um die Motive der Tat zu klären sowie die legalen Konsequenten des Angriffs.

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Militäreinsatz in der Straße von Hormus: Schröder warnt vor „nachträglicher Legitimation des Irak-Kriegs“

Gerhard Schröder bei einem SPD-Parteitag.Foto: REUTERS

Altkanzler Gerhard Schröder lehnt die deutsche Beteiligung an einem US-geführten Militäreinsatz ab – allerdings keine europäische Schutzmission.

DER TAGESSPIEGEL

Altkanzler Gerhard Schröder hat eine deutsche Beteiligung an einem US-geführten Militäreinsatz in der Straße von Hormus abgelehnt. Deutschland dürfe sich nicht in den Konflikt zwischen den USA und dem Iran hineinziehen lassen, sagte Schröder der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Das wäre eine nachträgliche Legitimation des Irak-Kriegs.“

Schröder (SPD) hatte 2003 als Kanzler Nein zu einer deutschen Beteiligung an der US-Invasion im Irak gesagt. Die Amerikaner hatten damals eine „Koalition der Willigen“ gebildet, der sich auch einige europäische Bündnispartner anschlossen, darunter Großbritannien und Spanien. Deutschland und Frankreich lehnten die Militärmission ab.

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Von Totenköpfen und Teufelshörnern – Religion auf dem Wacken Open Air

Morgen startet das weltgrößte Heavy-Metal-Festival im norddeutschen Wacken. Neben langen Haaren und schwarzer Kleidung gehören auch anti-religiöse Symbole zu den Erkennungszeichen der Fans. Wie ernst meinen sie es damit wirklich?

Von Michael Althaus | katholisch.de

Party, laute Musik und jede Menge Alkohol: Im schleswig-holsteinischen Dörfchen Wacken (Kreis Steinburg) herrscht am erstem Augustwochenende wieder der Ausnahmezustand. Rund 75.000 Fans reisen zum Wacken Open Air an, dem nach eigenen Angaben weltgrößten Heavy-Metal-Festival. Neben langen Haaren und schwarzer Kleidung gehören auch anti-religiöse Symbole zu den Erkennungszeichen der Metaller: Ihr Gruß mit den zwei abgespreizten Fingern erinnert an die Satanshörner. Mancher Fan schmückt sich gerne mit einem umgedrehten Kreuz oder einer Totenkopfdarstellung. Und die von ihnen umjubelten Bands tragen Namen wie „Megadeth“, „Destroyer“ oder „Die apokalyptischen Reiter“.

Nicht selten wird daher der Generalverdacht gehegt, Heavy Metal stehe mit dem Christentum auf Kriegsfuß. Laut der Religionswissenschaftlerin Anna-Katharina Höpflinger eine unbegründete Vermutung. Die Forscherin an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität untersucht seit 2006 das Verhältnis von Heavy Metal und Religion. „In der Heavy-Metal-Szene sind so unterschiedliche Weltanschauungen vertreten wie in der Gesamtgesellschaft auch“, sagt die Expertin.

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Partei „Die Rechte“: Anzeige wegen Wahlplakat abgewiesen – Zentralrat der Juden empört

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, kann die Begründung der Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehen Quelle: pa/SvenSimon/FrankHoermann/SVEN SIMON

Ein Wahlspruch der Partei „Die Rechte“ erinnert an Nazi-Rhetorik. Doch die Staatsanwaltschaft Dortmund weist eine Anzeige wegen Volksverhetzung ab. Der Präsident des Zentralrats der Juden befürchtet nun, Rechte könnten darin einen „Freibrief“ sehen.

DIE WELT

Auf dem Wahlplakat der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ zur Europawahl stand der Text: „Zionismus stoppen: Israel ist unser Unglück – Schluss damit!“. Daraufhin erfolgte eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat diese einem Medienbericht zufolge nun abgewiesen. Damit zog sie die Kritik der jüdischen Gemeinde auf sich.

„Bei der Begründung sträuben sich mir die Haare“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Schuster sagte, die Staatsanwaltschaft sei nicht einmal bereit gewesen, Anklage zu erheben. „Für mich mit einer völlig danebenliegenden Begründung.“

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Gewalt im Kreißsaal: Wie haben Sie die Geburt erlebt?

Auch wenn man am Ende glücklich über ein gesundes Kind ist, Gewalt im Kreißsaal hinterlässt Spuren bei den Frauen.
Foto: https://www.istockphoto.com/at/portfolio/Kangah

Medizinisch unnötige Eingriffe und Behandlungen ohne Absprache erleben viele Frauen während der Geburt. Welche Erfahrungen haben Sie im Kreißsaal gemacht?

DERSTANDARD

Ja, eine Geburt ist meist schmerzhaft. Und darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, wie mit Gebärenden umgegangen wird. Wie über sie und ihren Körper entschieden wird, wie sehr sie ausgeliefert sind und wie wenig sie respektiert werden. Demütigende und herablassende Bemerkungen, medizinisch unnötige Eingriffe und Behandlungen ohne Absprache – all das erleben Frauen im Kreißsaal. In dem Arte-Film „Unter Schmerzen gebierst du Kinder“ werden genau solche Gewalterfahrungen von betroffenen Frauen berichtet. Sie erzählen von einem Gefühl des Vergewaltigtwerdens, weil ihre körperliche Selbstbestimmung durch das medizinische Personal ignoriert wurde. Und es geht darum, das Tabu, dass es zu Gewalt in der Geburtshilfe kommt, zu brechen.

Husband Stitch und brutale vaginale Untersuchungen

Konkrete Zahlen dazu gibt es nicht, aber die Organisation Human Rights in Childbirth schätzt, dass 40 bis 50 Prozent der Frauen physische oder psychische Gewalt vor, während oder nach der Geburt erleben. Wie im Arte-Film Frauen von ihren Erfahrungen berichten, so hat die Soziologin Christina Mundlos in ihrem Buch „Gewalt unter der Geburt“ Erfahrungsberichte von Müttern und Hebammen gesammelt. Genitalverstümmelungen, der sogenannten „Husband Stitch“, bei dem nach einem Dammschnitt oder -riss die Vagina gezielt enger als erforderlich genäht wird, medizinisch unnötige Kaiserschnitte, brutale vaginale Untersuchungen und Vorschreibung der Geburtslage sind nur ein paar Beispiele, die Mundlos dokumentiert. Auf Twitter berichten immer wieder Frauen von ihren gewaltvollen Geburtserlebnissen:

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Nichtdeutsche bei Straftaten überdurchschnittlich vertreten

Straftäter hält ein Butterflymesser in der Hand (Symbolbild).Foto: Ingo Wagner/dpa

11,5 Prozent der hier lebenden Menschen sind nicht deutscher Herkunft. Die Kriminalstatistik zeigt, dass sie mehr Straftaten begehen als Deutsche.

Von Frank Jansen | DER TAGESSPIEGEL

Nach aufsehenerregenden Straftaten von Personen aus anderen Staaten wird oft diskutiert, in welchem Maße die Bundesrepublik durch Kriminalität von Migranten belastet ist. Aufschluss gibt die vom Bundeskriminalamt erstellte Polizeiliche Kriminalstatistik. Demnach registrierte die Polizei 2018 insgesamt 708 380 nicht deutsche Tatverdächtige. Das waren 34,5 Prozent aller Tatverdächtigen, die Gesamtzahl liegt bei rund zwei Millionen.

Die Bilanz zeigt allerdings nicht das komplette Bild der Straftaten, politisch motivierte Delikte und ein Teil der Verkehrsstraftaten fehlen. In der Summe sind jedoch Delikte enthalten, die nur Migranten begehen können, das sind die Verstöße gegen das Ausländerrecht. Ohne sie sinkt der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen auf 30,5 Prozent. Das ist immer noch mehr als der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung.

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Wer glaubt den Parolen der Populisten?

Boris Johnson (l.) und Donald Trump können beide Stimmungen erzeugen – und damit glaubwürdiger werden?Foto: imago images / Xinhua

Je besser sich Menschen fühlen, desto eher sind sie bereit, zu glauben, was ihnen erzählt wird. Trump, Johnson & Co. profitieren davon.

Von Raj Persaud | DER TAGESSPIEGEL

Der amerikanische Präsident hat bereits verkündet, der neue britische Premierminister Boris Johnson sei beliebt, weil er als „Britains Trump“ gelte. Beide Politiker gelten als „Populisten“ – was für Zyniker bedeutet, frech zu lügen, wenn es Wählerstimmen einbringt.

Aber wichtiger scheint zu sein, dass der Erfolg von Trump, der Brexit und andere populistische Unterfangen, darauf hinweisen könnten, dass die Wähler immer leichtgläubiger werden. Obwohl es verlockend ist, Fake News und die sozialen Medien verantwortlich zu machen, weist die jüngste psychologische Forschung in eine andere und vielleicht noch überraschendere Richtung.

Die wütenden Parteien und der Wohlstand

Gemeinhin wird angenommen, Menschen stimmten für disruptive Populisten hauptsächlich aus Wut und Ressentiments. Aber Populismus und Unterstützung für Parteien, die dem Status quo feindlich gesinnt sind, nehmen in einer Zeit zu, in der Meinungsumfragen darauf hindeuten, dass die Wähler im Allgemeinen nie glücklicher waren. Neue Forschungen von Joseph Forgas, einem Psychologieprofessor an der University of New South Wales in Australien, geben dafür eine überzeugende Erklärung: Glückliche Menschen sind leichtgläubiger.

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Skurril: „Ohrenkitzeln“ gegen das Altern

Ein leichter Stromreiz am Ohr kann möglicherweise das im Alter verschobene Gleichgewicht zwischen Sympathicus und Parasympathicus wieder normalisieren. © University of Leeds

Verblüffend simpel: Schon ein kleiner Stromreiz am Ohr könnte helfen, einer typischen Alterserscheinung entgegenzuwirken, wie eine Pilotstudie nahelegt. Denn der kitzelnde Strom reizt einen im Ohr verlaufenden Zweig des Vagusnervs und gleicht so eine alterstypische Disbalance im vegetativen Nervensystem aus. Das wiederum trägt dazu bei, den Blutdruck zu senken, das Herz zu stabilisieren und erhöht auch das allgemeine Wohlbefinden.

scinexx

Wenn wir älter werden, verändert sich nicht nur unser Körper – auch die Balance in unserem vegetativen Nervensystem verschiebt sich. Der für Regeneration, aber auch viele Organfunktionen wichtige Parasympathicus-Zweig wird schwächer, dafür erlangt der anregende, für Flucht und Kampfreaktionen zuständige Sympathicus-Zweig die Oberhand. Diese Disbalance macht uns im Alter unter anderem anfälliger für Bluthochdruck, Stressfolgen, Organschäden und Herzprobleme.

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„Das progressive Christentum ist das Wohlstandsevangelium der Linken“

Rod Dreher Foto: Elekes Andor / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)

Mit dem Erscheinen der „Benedict Option“ im Jahr 2017 (deutsche Erstauflage 2018) trat mit Rod Dreher ein christlicher Autor ins internationale Rampenlicht, der bereits zehn Jahre zuvor als „Crunchy Con“ in seinem gleichnamigen Buch für eine konservative Gegenkultur abseits vom republikanischen Mainstream geworben hatte.

Von Gabor Mues | CNA

In einem neuen Interview mit „Réaction. Almanach europäischen Denkens“ spricht der Intellektuelle und Autor unter anderem über die Kirchenkrise und die Frage nach einer christlichen Politik.

CNA Deutsch veröffentlicht einen kurzen Auszug mit freundlicher Genehmigung.

Gerade in jüngster Zeit wurde den Kirchen in Deutschland vorgeworfen, nur ein Sprachrohr der Regierung zu sein, z.B. in Fragen der Flüchtlingspolitik und im Umgang mit populistischen Parteien. Könnte es sein, daß zu viel Nähe zum Staat den Kirchen in Europa eher geschadet als genützt hat?

Ja, ich denke, das trifft zu. In seinem berühmten „Angriff auf die Christenheit“ schreibt Kierkegaard, daß das Christentum aufhört zu existieren, wenn jeder in einer Gesellschaft Christ ist, einfach deshalb, weil er in diese Gesellschaft hineingeboren wurde. Ich habe Kierkegaard zum ersten Mal an der Universität gelesen, als ich mir nicht sicher war, ob ich an Gott glaubte. Ich war in einer protestantischen Familie in einer Kleinstadt aufgewachsen. Wir gingen selten in die Kirche, aber meine Eltern glaubten, daß wir alle gute Christen seien, einfach weil alle in unserer Stadt getauft waren. Christ zu sein, war das Gleiche wie ein guter Bürger zu sein. Es war die weiße Mittelschicht beim Gebet. Dabei ist bemerkenswert, daß wir so gelebt haben, obwohl es keine formale Verbindung zwischen Kirche und Staat gab, wie in weiten Teilen Europas. Es war eine Mentalität.

Als ich etwa 15 Jahre alt war, entschied ich, daß dies bürgerlicher, konformistischer Unsinn war. Ich hatte mit dem Christentum abgeschlossen. Glücklicherweise begegnete ich einige Jahre später, als ich im College war, Kierkegaard – und erfuhr, daß ich mit einer verfälschten Version des christlichen Glaubens aufgewachsen war. Ich habe einen Freund, der Pastor der Southern Baptists ist und sagt, daß der Tod des kulturellen Christentums – womit er die Art bürgerlicher Selbstgefälligkeit meint, mit der wir beide im Süden aufgewachsen sind – eine gute Sache ist, weil er die Forderungen des Evangeliums deutlicher macht. Viele Menschen werden Christus zum ersten Mal begegnen.

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Erdoğan droht USA mit Boeing-Boykott

Auf diesem Parkplatz in Seattle lagern nach dem Auslieferstopp im April Boeing 737 Max. Foto: SounderBruce. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat den USA seinen eigenen Angaben nach wegen des Ausschlusses der Türkei aus dem Programm zur Produktion und Nutzung des amerikanischen Kampfflugzeugs F-35 mit einem türkischen Boykott des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing gedroht.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

„Ich“, so Erdoğan auf einer Versammlung seiner Regierungspartei AKP, „habe Herrn Trump [auf dem G20-Gipfel] in Osaka gesagt: ‚Auch wenn die Türkei [das amerikanische] Patriot[-Luftabwehrsystem] nicht kauft, so kauft sie doch Boeing[-Flugzeuge]'“: „Wir sind gute Kunden – aber wenn es so weitergeht, müssen wir diese Sache noch einmal überdenken“.

Würde dieses Überdenken in einer Stornierung bereits getätigter Bestellungen durch das zu 49 Prozent staatliche Unternehmen Turkish Airlines münden, wären davon Geschäfte im Wert von 10 Milliarden-US-Dollar betroffen. Außer 25 Boeing 787-9, die für 2023 bestellt sind, auch 70 noch nicht gelieferte Boeing 737 Max. Die türkische Staatsführung könnte damit insofern einen wunden Punkt der US-Wirtschaft treffen, als der Flugzeughersteller nach zwei wahrscheinlich aus technischen Gründen erfolgten 737-Max-Abstürzen ohnehin gerade strauchelt (vgl. „Kampf zwischen Pilot und Computer“ und Absturz ET 302: Minuten des Schreckens).

Volkswirtschaftlich nachteilige Folgen

Sein aus dem deshalb erfolgten Auslieferstopp resultierender Milliardenverlust im letzten Quartal kostete die amerikanische Wirtschaft der Rechnungen von Capital Economics nach 0,25 ihres potenziellen Wachstums.

Allerdings könnten sich aus einer Stornierung durch Vertragsverletzungsverfahren und eventuelle Gegenmaßnahmen der US-Administration auch negative Auswirkungen für die türkische Wirtschaft ergeben, der es sehr viel schlechter geht als der amerikanischen (vgl. Erdoğan setzt Notenbankchef ab). Ob Erdoğan seine Drohung ernst meint, oder damit eher das Selbstbewusstsein seiner Parteifreunde stärken will, ist deshalb offen.

Chinesen preisen Tarnkappenjet Chengdu J-20 als „höher entwickelt“ als die F-35 an

Eine andere Möglichkeit, auf den amerikanischen F-35-Lieferstopp zu reagieren, wäre, sich nach anderen Anbietern für Kampfflugzeuge umzusehen. Die Russen, die bereits ihre Bereitschaft dazu erklärt haben (vgl. Nach F-35-Lieferstopp-Strafe: Russen bieten Türkei Kampfflugzeuge an), verkündeten gestern den Beginn der Serienfertigung ihres Tarnkappenjets Suchoi Su-57 dessen Triebwerk dem Konstrukteur Jewgeni Martschukow zufolge „allen weltweit bekannten Analoga überlegen“ ist.

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Kauder fordert Abschiebestopp für iranische Christen

Flüchtlingen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern, die zum Christentum konvertieren, droht in ihren Heimatländern oft Verfolgung. Im Iran kann die Konversion mit dem Tod bestraft werden. Dennoch werden iranische Christen dorthin abgeschoben.

evangelisch.de

Der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat seine Forderung nach einem Abschiebestopp für iranische Christen bekräftigt. Der Abfall vom Glauben sei nach der islamischen Scharia strafbar und damit drohe Menschen, die vom Islam zum Christentum konvertierten, die Todesstrafe, betonte er am Dienstag in Berlin. In ein Land, das die Religionsfreiheit nicht garantiere, könne man sie nicht zurückschicken.

Kauder sagte, in einem ersten Schritt habe er im Gespräch mit dem Bundesinnenministerium erreicht, dass für die Qualifizierung als Christ das Taufzeugnis ausreiche und sie nicht in Gesprächen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) überprüft werde.

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Zeigen Originalquellen von Behörden gezielte Wettermanipulation?

Themenbild. Bild von Hermann Traub auf Pixabay

Wenn man sich durch die Blogs und Seiten von Verschwörungstheoretikern klickt, trifft man zumeist auf dubiose oder gar keine Quellen.

Von Ralf Nowotny | MIMIKAMA

Umso erstaunlicher, dass der Blog von Dagmar Neubronner zum Thema „Wettermanipulation“ auch tatsächlich offizielle, seriöse Quellen nennt.
Doch passen die Quellen auch zu den Behauptungen?

Wahre Ursachen der Klimaprobleme Ich habe Quellen rausgesucht – UNO, EU, US-Verteidigungsministerium und US-Militär -…

Gepostet von Dagmar Neubronner am Sonntag, 28. Juli 2019

Frau Neubronner ist in der Esoterik-Szene nicht unbekannt, 2007 und 2008 hatte sie auch mehrere TV-Auftritte, in denen sich sich für „Homeschooling“ (also Schulunterricht zu Hause) einsetzte, da sie ihre Kinder nicht auf eine Bremer Schule gehen lassen, sie stattdessen daheim nach ihren eigenen esoterisch-spirituellen Methoden unterrichten wolle.

Im Folgenden werden wir uns die einzelnen Aussagen ihres Beitrages „Gezielte Wettermanipulation“ betrachten und ihre Quellen auswerten.

Dokument 1

Hier wird auf das „Übereinkommen über das Verbot des militärischen oder feindlichen Einsatzes von Techniken zur Veränderung der Umwelt“ vom 10. Dezember 1976 verwiesen. Insbesondere wird dieser Absatz des Übereinkommens herausgestellt:

„Folgende Beispiele zeigen Möglichkeiten auf, welche durch die Benutzung von Umweltmanipulations-Techniken verursacht werden könnten: Erdbeben, Tsunamis, die Unterbrechung der ökologischen Balance einer Region, Änderung der Wettermuster (Wolken, Niederschlagsmenge, Zyklone und Tornados), Änderungen in Klima-Mustern und in Meeresströmungen, Änderungen des Zustandes der Ozonschicht und der Ionosphäre.“

Jenes Übereinkommen, welches auch ENMOD-Konvention genannt wird, ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der 1976 von der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen ausgearbeitet wurde. Darin verpflichten sich die Länder, in einem militärischen Konflikt keinerlei Waffen zu benutzen, welche die natürlichen Abläufe der Umwelt manipulieren und stören könnten, aber auch die Nutzung der natürlichen Umwelt als Waffe.

Hintergrund dieser Vereinbarung, welche von mittlerweile 77 Nationen unterzeichnet wurde, ist  der Vietnamkrieg mit seinen Umweltfolgen, in dem auch unter strenger Geheimhaltung US-Piloten im Auftrag der CIA und der Air Force die Wolken über Laos und Nordvietnam künstlich mittels Chemikalien abregnen ließen.

Der auf dem Blog herausgestellte Absatz bezieht sich auf mögliche zukünftige Methoden, welche technisch irgendwann möglich sein könnten. Diese werden als Beispiele genannt, um klarer herauszustellen, welche Art der Wettermanipulationen ebenfalls durch dieses Übereinkommen verboten sind.

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Europarat warnt Polen vor weiteren Abtreibungseinschränkungen

Menschenrechtskommissarin des Europarates besuchte heuer im Rahmen ihres Mandats Polen und erstattete einen Bericht zur Menschenrechtslage in dem Land. Unter anderem ortet sie Verstöße gegen sexuelle und reproduktive Rechte von Frauen.

kath.net

Die Menschenrechtskommissarin des Europarates besuchte heuer im Rahmen ihres Mandats Polen und erstattete einen Bericht zur Menschenrechtslage in dem Land. Unter anderem ortet sie Verstöße gegen sexuelle und reproduktive Rechte von Frauen.

Bericht der Menschenrechtskommissarin über ihren Besuch in Polen im März 2019

Wie das deutsche Ärzteblatt berichtet, kritisiert die Menschenrechtskommissarin, Dunja Mijatović, in ihrem Bericht unter anderem die restriktive Abtreibungsgesetzgebung, die für zahlreiche Frauen, die gezwungen wären auf illegale Abtreibungen zurückzugreifen, eine Gesundheitsgefährdung darstellen würde. Mijatović bezieht sich dabei im Besonderen auf einen im Jahre 2017 eingebrachten und zurzeit im polnischen Parlament diskutierten Gesetzesentwurf, der die Abschaffung der eugenischen Abtreibung vorsieht. Der unter dem Namen „Stoppt Abtreibung“ bekannte Gesetzesentwurf geht auf eine Initiative des von Juristen geführten Instituts „Ordo Iuris“ zurück.

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Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof: Der Tatverdächtige war in der Schweiz seit Donnerstag zur Verhaftung ausgeschrieben

Am Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs wurde ein Junge auf die Schienen gestossen. (Bild: Ralph Orlowski / Reuters)

Der mutmassliche Täter stammt aus Eritrea, hat seinen Wohnsitz im Kanton Zürich und war in psychiatrischer Behandlung. Vergangene Woche war die Polizei wegen häuslicher Gewalt an seinen Wohnort ausgerückt.

Jonas Hermann, Benedict Neff, Marcel Gyr, Linda Koponen | Neue Zürcher Zeitung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Montag hat ein 40-jähriger Mann eine Mutter und ihren Sohn ohne erkennbares Motiv vor einen einfahrenden ICE am Frankfurter Hauptbahnhof gestossen.
  • Die Mutter konnte sich retten, der achtjährige Junge verstarb noch vor Ort.
  • Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 40-Jährigen Mann mit eritreischer Staatsbürgerschaft. Er hat seinen Wohnsitz im Kanton Zürich und eine Niederlassungsbewilligung. Offenbar wurde er seit Donnerstag von der Schweizer Polizei gesucht, weil er seine Nachbarin mit einem Messer bedroht und sie dann eingesperrt haben soll.
  • Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat einen Haftbefehl wegen Mordes und zweifachen Mordversuches beantragt.

Pressekonferenz der Zürcher Kantonspolizei:

Der mutmassliche Täter lebt seit 2006 in der Schweiz und ist in Wädenswil wohnhaft. Er besitzt seit 2011 eine Niederlassungbewilligung C und ist Mitglied der christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaft. Laut der Kantonspolizei führte er mit seiner Familie ein unauffälliges Leben. Die polizeilichen Ermittlungen und eine Hausdurchsuchung ergaben denn auch keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder ein ideologisches Motiv.

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Amerika: Atheisten wissen mehr über Religion als Christen

Die Christen in den USA sind nicht diejenigen, die sich mit dem Thema Religion am besten auskennen. Bei ihrer eigenen schneiden sie zwar gut ab, wenn es jedoch um das Thema im Allgemeinen geht, liegen Atheisten und Agnostiker auf den Plätzen vor ihnen. Dies zeigt eine Studie des Pew-Research-Centers.

jesus.ch

Juden, Atheisten und Agnostiker wissen in den USA am besten über Religion Bescheid. Das fand eine Studie des Pew-Research-Centers heraus. 11’000 erwachsene Amerikaner mussten 32 Multiple-Choice-Fragen rund um das Thema Religion beantworten. Es ging zum Beispiel um die Bibel, das Christentum, die Weltreligionen und Religion im öffentlichen Leben. Amerikaner jüdischen Glaubens konnten durchschnittlich 18,7 Fragen richtig beantworten, Atheisten 17,9 und Agnostiker 17. Protestanten und Katholiken wussten über 14 Fragen von 32 Bescheid. Unter den Protestanten ordnete die Studie auch die Evangelikalen ein. Diese wussten durchschnittlich 15,5 Fragen richtig zu beantworten.

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„Unsere Alliierten und Gegner militarisieren den Weltraum … Wir müssen handeln“

Themenbild. Bild von Javier Rodriguez auf Pixabay

Die französische Verteidigungsministerin Parly will mit dem neuen Weltraumkommando auch zur „aktiven Verteidigung“ Nanosatelliten zum Patrouillieren und Laserwaffen zum Blenden gegnerischer Satelliten

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Frankreich will nicht zurückstehen, wenn es um die Militarisierung des Weltraums geht. Nachdem Donald Trump mit der Einrichtung eines Weltraumkommandos das Final gesetzt hat, braucht sich jetzt kein anderes Land mehr zurückhalten, Weltraumprogramme zu betrieben, die darauf abzielen, im Wettrüsten mitzuhalten und nicht ausgespielt zu werden. Dabei sind neben den Großmächten USA, China und Russland auch Israel, Indien und der Iran. Die Nato findet die Aufrüstung im Weltall auch wichtig. Jetzt hat sich auch Frankreich angeschlossen, die stärkste Militärmacht der EU, wenn Großbritannien mit dem Brexit ausschert.

Am 14. Juli verkündete Staatspräsident Macron bereits, dass Frankreich mit den USA mitziehen und ein Weltraumkommando bis September einrichten will (Iron Sky und die Militarisierung des Weltalls. Das blieb ziemlich nebulös, bis sich die französische Verteidigungsministerin Florence Parly meldete und ankündigte, dass Frankreich auch seine Satelliten mit Weltraumwaffen schützen werde. „Unsere Alliierten und Gegner militarisieren den Weltraum … Wir müssen handeln.“ Handeln heißt, im Wettrüsten mitziehen, aber Parly meint wenig überzeugend, das habe mit offensiven Kapazitäten nichts zu tun.

Parly spricht davon, dass in den 1960er Jahren der Weltraum eine neue „Frontier“ gewesen sei, heute sei sie die letzte. Das ist eine verwegene Behauptung, weil der Weltraum auch vom Digitalen abhängt, weswegen die ultimative Grenze eigentlich der Cyberspace wäre. Man kann vermuten, dass dies den Militärstrategen zu wenig konkret und anschaulich ist, weswegen der Weltraum mit physischen Objekten wie Satelliten in den Vordergrund gestellt wird.

Wer die Rede von Parly geschrieben hat, wird vorerst nicht bekannt werden und ist auch egal. Dass sie diese Art der Propaganda betreibt, ist schon erhellend. Die militärtechnische Innovation wird gefeiert, als ob es keine anderen Möglichkeiten gäbe, Kriege zu verhindern:

Der Mensch hat Flugzeuge gebaut, wir haben die Luftwaffe kreiert. Der Mensch hat den Cyberspace geschaffen, wir haben ein den Cyberbedrohungen gewidmetes Kommando kreiert. Der Mensch träumt von Künstlicher Intelligenz, wir haben unseren Armeen eine KI-Strategie gegeben. Heute militarisieren unsere Alliierten und unsere Gegner den Weltraum. Und da die Zeit der Resilienz immer kürzer wird, müssen wir handeln. Wir sind bereit. Denn morgen, ist bereits gestern.

Florence Parly

„Der Weltraum darf kein neuer Wilder Westen werden“

Parly verweist zur Begründung der Bedrohung wie schon vor einem Jahr, als es um das Weltraumkommando ging, auf den russischen Satelliten „Luch-Olymp“.

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Knapp 9000 Visa für Angehörige von Schutzbedürftigen

Flüchtlinge kommen ein Grenzdurchgangslager in Niedersachsen (Foto: dpa)
  • Vor einem Jahr wurde der Familiennachzug für „subsidiär Schutzbedürftige“ neu geregelt – nachdem er zuvor zwei Jahre lang ganz ausgesetzt war.
  • Seitdem haben knapp 9000 Angehörige von Schutzbedürftigen Visa für Deutschland erhalten. Möglich gewesen wären nach Koalitionsentscheidung 1000 pro Monat.
  • Sogenannten subsidiären Schutz erhalten Asylbewerber, die zwar nicht persönlich verfolgt werden, denen aber bei einer Rückkehr in ihr Herkunftsland Gefahr droht, etwa weil dort Krieg herrscht.

Süddeutsche Zeitung

Seit der Neuregelung des Familiennachzugs vor einem Jahr haben etwa 9000 Angehörige von Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus Visa für Deutschland bekommen. Von August 2018 bis Ende Juni wurden insgesamt 8758 Einreiseerlaubnisse erteilt, wie das Auswärtige Amt der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte.

Vor einem Jahr trat die Regelung in Kraft, wonach auch „subsidiär Schutzberechtigte“ – in der Regel Bürgerkriegsflüchtlinge – wieder Angehörige zu sich nach Deutschland holen dürfen. CDU, CSU und SPD hatten sich nach mühsamen Verhandlungen auf die Öffnung geeinigt. Allerdings gibt es eine monatliche Obergrenze von 1000 positiven Entscheidungen beim Bundesverwaltungsamt.

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