Polen: IKEA feuert homophoben Katholen

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Der schwedische Möbelkonzern Ikea hat im Juni in Polen einen Mitarbeiter gekündigt, weil sich dieser gegen die „Pro-Gay“-Konzernsbelästigung mit Bibelzitaten gewehrt hat

kath.net

Der schwedische Möbelkonzern Ikea hat im Juni in Polen einen Mitarbeiter gekündigt, weil sich dieser gegen die „Pro-Gay“-Konzernsbelästigung im Juni mit Bibelzitaten gewehrt hat. Der Möbelkonzern hat laut einem Bericht des „Kuriers“ ungefragt alle Mitarbeiter in Polen einen Artikel mit der Überschrift „Die Einbeziehung von LGBT+ ist für jeden von uns Pflicht“ übermittelt, der Mitarbeiter reagiert darauf und zitierte Passagen aus dem Alten und Neuen Testament, in denen homosexuelle Handlungen verurteilt werden. Daraufhin war in der Konzern raus, jetzt folgt allerdings eine Klage gegen IKEA. Die katholische Organisation Ordo Iuris kündigt außerdem eine Informationskampagne unter dem Motto „Der Arbeitgeber ist kein Erzieher“ an.

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Was geschah wirklich in Tunguska?

Die Ursache des Tunguska-Ereignisses im Jahr 1908 ist bis heute umstritten – als am wahrscheinlichsten gilt aber die Explosion eines kosmischen Boliden in der Erdatmosphäre. © Marharyta Marko/ iStock
Bis heute rätselhaft: Astronomen haben neue Erkenntnisse darüber gewonnen, was die rätselhafte Explosion im sibirischen Tunguska am 30. Juni 1908 verursacht hat. Demnach ist der wahrscheinlichste Urheber kein Komet, sondern ein 50 bis 80 Meter großer Gesteins-Asteroid, der in fünf bis 15 Kilometer Höhe explodierte. Simulationen belegen, dass selbst ein massiver Brocken bei einer solchen Explosion nahezu restlos zerrissen würde – was den fehlenden Krater erklärt.

scinexx

Das Tunguska-Ereignis gibt bis heute Rätsel auf, denn seine Ursache ist noch immer nicht eindeutig geklärt. Klar scheint, dass sich am 30. Juni 1908 eine gewaltige Explosion über der sibirischen Taiga ereignete, in deren Folge Bäume auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratkilometer umgerissen und zerstört wurden. Nur im Zentrum des Gebiets blieben Baumstämme, ihrer Äste beraubt, wie Telegrafenmasten senkrecht stehen. Stellenweise wiesen die Stämme Spuren extremer Strahlungshitze auf, zudem wurden winzige verglaste Gesteinstrümmer und veränderte Isotopenwerte im Umfeld der Explosion gefunden.

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Missbrauchs-Forscher kritisiert Benedikt XVI. und Beichte

Für den emeritierten Papst Benedikt XVI. sind die 68er Mitschuld am kirchlichen Missbrauch. Unsinn, sagt Psychiater Harald Dreßing. Nicht nur, dass es bereits in den 40er und 50er Jahren sehr viele Missbrauchsfälle gegeben habe. Auch gebe es „spezielle Risikokonstellationen“ in der Kirche.

katholisch.de

Der Leiter der Forschergruppe, die im Herbst eine wissenschaftliche Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vorgelegt hat, kritisiert Aussagen des früheren Papstes Benedikt XVI. zum Thema und die Kinderbeichte in der katholischen Kirche. Die Äußerungen des emeritierten Papstes, nach denen der Missbrauch vor allem von außen in die katholische Kirche hineingetragen worden sei, seien nicht hilfreich und „jenseits aller wissenschaftlichen Erkenntnis“, sagte der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing am Montag in einem Interview im Deutschlandfunk.

Wörtlich betonte Dreßing: „Und diese Verlautbarungen, mit Verlaub gesagt, entsprechen ja nicht der Realität. Er hat ja auch gemeint, es habe etwas mit den 68ern zu tun. Also, wir haben unsere Studie ja ab 1946 gemacht. Und es gibt auch sehr, sehr viele Fälle, die in den 40er und 50er Jahren sich ereignet haben.“

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Warum Rechte sich gegen Sexualpädagogik stellen

Foto: Reuters / NACHO DOCE
Im Kampf gegen progressive Sexualpädagogik treffen sich Konservative, Rechtsextreme und fundamentalistische ChristInnen – ihr Feindbild ist die sexuelle Vielfalt

Brigitte Theißl | derStandard.de

Geht es nach ÖVP und FPÖ, werden in Österreich externe Vereine künftig vom Sexualkundeunterricht an Schulen ausgeschlossen sein. Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde vergangenen Dienstag mit den Stimmen der ehemaligen Koalitionspartner beschlossen, am Mittwoch wird im Nationalrat abgestimmt. Der Antrag sorgt aktuell nicht nur für breiten Protest, nach den Diskussionen rund um die Causa „Teenstar“ hatte kaum jemand mit einem solchen Vorstoß gerechnet. „Der Antrag hat uns wirklich alle im Feld überrascht“, sagt Barbara Rothmüller. Die Soziologin und Sexualpädagogin ist Mitglied des Vorstands der „Plattform Sexuelle Bildung“, die gemeinsam mit rund hundert anderen Organisationen vor einer „De-Facto-Abschaffung“ der Sexualpädagogik in Schulen warnt. Ex-Minister Heinz Faßmann hatte zuletzt die Einrichtung eines Akkreditierungsverfahren für externe Vereine angekündigt, nun streben ÖVP und FPÖ mit deren Verbannung nach einer „Sicherstellung einer weltanschaulich neutralen Sexualerziehung“.

Dem Argument der Parteien, dass der Sexualkundeunterricht bei LehrerInnen am besten aufgehoben sei, widerspricht Rothmüller klar. Sexualität mit SchülerInnen quer über alle Fächer hinweg zu besprechen – diesem Auftrag könnten LehrerInnen gar nicht nachkommen, ist die Sexualpädagogin überzeugt. All zu oft bleibe das Thema auf den Biologieunterricht beschränkt, ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsangebot würde in Österreich schlichtweg fehlen. „Außerdem gibt es viele Dinge, über die Kinder und Jugendliche nicht mit ihren LehrerInnen reden möchten“, sagt Rothmüller.

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Präzedenzfall WikiLeaks

Screenshot von RT-Video von der Festnahme.
Der UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer hat seine Position zum Fall Assange noch einmal klar gestellt – doch keine Zeitung wollte den Beitrag drucken

Mathias Bröckers | TELEPOLIS

Der Sonderberichterstatter des Hochkommissariats für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen, der Schweizer Nils Melzer, der zusammen mit zwei medizinischen Experten Julian Assange im Gefängnis besuchen konnte, hatte in seinem Gutachten am 31. Mai 2019 von der massiven „psychologischen Folter“ gesprochen, der Assange seit Jahren ausgesetzt werde und ein sofortiges Ende der „kollektiven Verfolgung“ des Wikileaks-Gründers gefordert. „In 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung“, so Nils Melzer, „habe ich noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammenschließt, um ein einzelnes Individuum so lange Zeit und unter so geringer Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu verteufeln und zu missbrauchen“.

Klarer und deutlicher als in dem Statement des UN-Folterexperten kann man kaum benennen, welchem menschenunwürdigen Unrecht Julian Assange seit Jahren ausgesetzt ist, doch abgesehen von einigen alternativen Medien erregten diese Anklagen kein größeres Aufsehen. Sie verschwanden sofort wieder aus den Nachrichten und der britische Außenminister Jeremy Hunt verbat sich die „hetzerischen Anschuldigungen“ des UN-Berichterstatters.

Zur Klarstellung seiner Position und seiner Argumente hatte Nils Melzer dann im Juni einen Artikel verfasst und ihn dem Guardian, der Times, der Financial Times, dem Sydney Morning Herald, dem Australian, der Canberra Times, dem Telegraph, der New York Times, der Washington Post, der Thomson Reuters Foundation und Newsweek zur Veröffentlichung angeboten. Keine dieser Zeitungen wollte ihn veröffentlichen und er erschien dann online auf medium.com (Demasking the Torture of Julian Assange).

Leider zu spät für das kleine Buch, das ich über diesen Fall gerade geschrieben hatte und das eine Woche zuvor in den Druck gegangen war („Don’t Kill The Messenger-Freiheit für Julian Assange!“, Westendverlag), deshalb hier einige Auszüge:

Sie denken vielleicht, dass ich mich getäuscht habe. Wie könnte das Leben in einer Botschaft mit einer Katze und einem Skateboard jemals einer Folter gleichkommen? Das ist genau das, was ich auch dachte, als Assange zum ersten Mal um Schutz an unser Büro appellierte. Wie die meisten Bürger war ich unbewusst durch die unerbittliche Hetze vergiftet, die im Laufe der Jahre verbreitet worden ist. Also brauchte es ein zweites Klopfen an die Tür, um meine widerwillige Aufmerksamkeit zu erregen. Aber als ich mir die Fakten dieses Falles angesehen hatte, erfüllte mich das, was ich fand, mit Ablehnung und Unglauben.

Nils Melzer

Der UN-Folterexperte, der auch als Professor für Völkerrecht an der Universität Glasgow tätig ist, war also keineswegs ein Fan von Julian Assange, sondern negativ vorbelastet und wollte sich der Sache gar nicht annehmen. Erst als Assanges Anwälte und eine Ärztin erneut an das UN-Hochkommissariat appellierten, nahm sich Nils Melzer den Fall vor.

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Carola Rackete: Nur FDP hält ihre Festnahme für gerechtfertigt

Carola Rakete, Kapitänin der Sea-Watch © Sea-Watch
Die 40 Flüchtlinge von der „Sea-Watch 3“ haben endlich trockenen Boden unter den Füßen. Doch der Kapitänin des Rettungschiffs droht jetzt eine Haftstrafe. Sie erhält diplomatischen Beistand und viel Rückendeckung aus Deutschland. Nur FDP hält ihre Festnahme für gerechtfertigt.

MiGAZIN

Die Festnahme der deutschen „Sea-Watch“-Kapitänin Carola Rackete durch italienische Behörden hat in Deutschland vielfach Empörung ausgelöst. Die 31-Jährige war am Samstagmorgen in Lampedusa festgenommen worden, unmittelbar nachdem sie das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ mit 40 Flüchtlingen in den Hafen der italienischen Insel gesteuert hatte. Sie hatte dazu keine Genehmigung erhalten. Die Migranten, die mehr als zwei Wochen auf der „Sea-Watch 3“ waren, gingen in Italien an Land, wie lokale Medien berichteten. Inzwischen steht Rackete unter Hausarrest.

Außenminister Heiko Maas (SPD) appellierte per Twitter an die italienische Justiz, die Vorwürfe schnell zu klären. „Menschenleben zu retten ist eine humanitäre Verpflichtung. Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden“, erklärte der Minister am Samstag. Auch weitere Politiker von SPD, Grünen und Linken setzten sich für Rackete ein. Die evangelische Kirche sprach von einer „Schande für Europa“.

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Wie reden wir miteinander in Zeiten der Polarisierung?

Grafik: TP
Diskursethik in „tief gespaltenen“ Gesellschaften: Ein Kernaspekt für die Zukunft der Demokratie

Roland Benedikter | TELEPOLIS

Ein Kernaspekt der Diskussion um die Zukunft liberaler Demokratie ist, wie wir miteinander reden. Viele beklagen heute, dass das politische Gespräch immer schwieriger wird. Das hat im wesentlichen drei Gründe.

Erstens sind es populistische Rhetoriken, die eine „Wir-gegen-sie“-Logik salonfähiger machen. Sie schließen nicht nur andere Arten der Vernunft durch ihre Argumentation aus, sondern fordern auch ausdrücklich und aktiv zum Auschluss auf.

Zweitens ist es die Verunsicherung durch den Trend zu Meinungsmedien und die „Blaseninformation“ sozialer Medien. Beide blasen gefilterte Teilinformationen mittels grosser Zahl einseitiger Meldungen, Texte und Medien zur einzigen Wahrheit auf, neben der Pluralität verblasst und alles Nicht-Identische Misstrauen erweckt und Abgrenzung erfahren muss. Differenz wird hier zur Andersheit, der das Merkmal des Fremdartigen und Unverständlichen anhaftet.

Der dritte Grund ist der steigende Einfluss politischer Korrektheit in der öffentlichen Rationalität sowie in Medien, Bildung und Eliten. Politische Korrektheit ist im Gegensatz zu den direkten, ja brachialen populistischen Rhetoriken, aber ähnlich wie die Blaseninformation sozialer Medien ein „Verdünnungselement“ indirekter und unterschwelliger Art, das subtiler, aber deshalb nicht weniger effizient wirkt.

Politische Korrektheit führt zu Ausschlussmechanismen aus dem gemeinsamen öffentlichen Gespräch, die unterschwellig funktionieren, indem sie Moral und Humanität einseitig als „menschliche“ Überlegenheit für sich vereinnahmen. Dieser Überlegenheit ist durch gegenteilige Argumentation in Sachfragen nicht beizukommen, da sie – meist unbewusst, manchmal auch bewusst – ein Metaelement darstellt, das implizit absolut funktioniert und daher durch andere unhintergehbar ist.

Diese drei Gründe wirken seit einigen Jahren immer stärker zusammen und verstärken sich gegenseitig.

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Wissenschaftsleugner: Nicht den Falschen das Feld überlassen

Zähne zeigen, auch den Evolutionsleugnern: Szene aus „Jurassic Park 3“. Bild: obs
Wie umgehen mit radikalen Impfgegnern, Klimaleugnern und sonstigen Faktenverdrehern? Die Experimente dazu zeigen: Im öffentlichen Raum gibt es nur eins: Ausschwärmen und die Stirn bieten.

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was macht man nur mit diesen Leuten? Die einerseits munter Handys nutzen, in Flugzeuge steigen und Navigationssysteme nutzen, die aber andererseits so tun, als wären die Wissenschaftler, ohne die es all diese Technologien letztlich gar nicht gäbe, ein korrupter Haufen gewissenloser Betrüger. Und damit sind keineswegs die „Skeptiker“ gemeint, Skepsis ist die Grundlage aller Forschung, zusammen mit der Bereitschaft, die eigenen Überzeugungen im Lichte widersprechender Evidenz jederzeit zu revidieren.

Überall gibt es krude Thesen

Es sind die „Wissenschaftsleugner“, deren Weltbild so festgefahren ist, dass es gegen jeden Widerspruch immun geworden ist, und die sich vorzugsweise daran erfreuen, die vermeintliche Gefährlichkeit von Impfungen, die menschliche Unschuld am Klimawandel oder auch die Falschheit evolutionärer Erklärungen zu verbreiten. In unserer heutigen Zeit allgemeiner Vernetzung gibt es kaum ein Entrinnen – ihre kruden Thesen finden sich überall und immer wieder.

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Here’s What It’s Like To See Yourself In A Deepfake Porn Video

There’s almost nothing you can do to get a fake sex tape of yourself taken offline.

By Jesselyn Cook | HUFFPOST

On a busy workday in March, 28-year-old Kate felt an urgent tap on her shoulder. Her colleague wanted to show her a video, so she glanced at his computer and was shocked to see her own face staring back, wincing and moaning. She appeared on-screen to be lying naked on a couch with her legs in the air while a man repeatedly penetrated her.

Kate felt sick. Her co-workers, who’d gathered around to see what was going on, instantly fell silent when they saw the video. It looked real and even identified Kate by name, but she knew it couldn’t be. Beyond the obvious — she’d never done porn — she could tell it wasn’t her body; only the face was hers. It had to be some kind of hoax… but would other people believe it?

“It was horrifying,” Kate, who lives in Texas, told HuffPost. “I’d never seen anything like it.”

The video, which is still online and has tens of thousands of views, is a deepfake — a doctored video created with artificial-intelligence software that can make someone appear to do or say anything. Deepfake algorithms use a dataset of videos and images of an individual to create a virtual model of their face that can be superimposed and manipulated. In Kate’s case, her face was swapped onto a porn actress’ head.

“When it’s Photoshop, it’s a static picture and can be very obvious that it’s not real,” said Kate, who’s been the target of previous misogynistic attacks. “But when it’s your own face reacting and moving, there’s this panic that you have no control over how people use your image.”

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Nasa öffnet bislang vakuumverpackte oder eingefrorene Mondgesteine

Am 24. Juli 1969 feierte das Team im Kontrollzentrum in Houston die erste Mondlandung
Quelle: AP
Insgesamt handelt es sich um 382 Kilogramm gesammelte Stücke: Die US-Weltraumbehörde zeigt erstmals Boden- und Gesteinsproben vom Mond – allerdings nur Forschern. Die Gesteine waren bisher versiegelt und noch nie der Erdatmosphäre ausgesetzt.

DIE WELT

Seit fast einem halben Jahrhundert liegen Schätze aus dem All unberührt und gut gesichert im Johnson-Weltraumzentrum in Houston (Texas). Kaum ein Mensch hat sie je zu Gesicht bekommen: Gesteine vom Mond, mehrere Hundert Kilo davon. Passend zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung macht die Nasa einen Teil der wertvollen Fundstücke nun für die Wissenschaft zugänglich.

„Es ist eher Zufall, dass wir den Zugang im Jubiläumsjahr schaffen“, sagt Sammlungsverwalter Zeigler, von Kopf bis Fuß in weiße Schutzkleidung gehüllt, um die außergewöhnlichen Mitbringsel nicht zu gefährden. „Aber natürlich hat der Jahrestag die Aufmerksamkeit geschärft.“

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Kretschmann gibt Internetfirmen Mitverantwortung am Mordfall Lübcke

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat großen Internetkonzernen eine Mitschuld an der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gegeben.

evangelisch.de

„Internetkonzerne, auf deren Plattformen die Hassparolen gegen Walter Lübcke verbreitet wurden, tragen eine Mitverantwortung für so eine Entwicklung“, sagte Kretschmann den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Online). Kretschmann forderte die Unternehmen auf, sich selbst Regeln zu geben, und drohte ansonsten mit staatlicher Regulierung.

Bei Hasskommentaren dürften Internetkonzerne nicht einfach zuschauen, „ohne den Hass einzudämmen“, sagte Kretschmann. Es gebe einen Grenzbereich zwischen Meinungsfreiheit und ihrer Überschreitung. „Aber man kann nicht alles laufenlassen, bis der Staat einschreitet.“ Die Internetkonzerne müssten selbst eine andere Haltung entwickeln, forderte der Stuttgarter Regierungschef.

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Sea Watch 3: Das Schiff, das die Asylkrise wieder sichtbar macht – und Europa den Spiegel vors Gesicht hält

foto: reuters / guglielmo mangiapane
Die Sea-Watch 3 verlässt in Begleitung den Hafen von Lampedusa, nachdem sie die geretteten Flüchtlinge und Migranten dort an Land gebracht hat. Die Kapitänin des Schiffes ist nicht mehr an Bord.
Kapitänin Carola Rackete sorgt mit ihrer Sea-Watch 3 dafür, dass sich Europa wieder mit der Flüchtlingskrise im Mittelmeer beschäftigt

Von Dominik Straub | derStandard.at

Als die Beamten der italienischen Finanzpolizei kamen, um Carola Rackete abzuführen, waren ihre ersten Worte: „Es tut mir leid, ich entschuldige mich bei euch.“ Kurz zuvor hatte die 650 Tonnen schwere Sea-Watch 3 unter dem Kommando der 31-jährigen deutschen Kapitänin beim Anlaufen der Mole im Hafen von Lampedusa ein kleines Schnellboot der „Guardia di Finanza“ touchiert und gegen die Hafenmauer gedrückt.

Die Polizisten hatten versucht, die Sea-Watch 3 am Anlegen zu hindern, indem sie zwischen das Schiff und die Mole fuhren. Nie und nimmer habe sie das Boot der Finanzpolizei rammen wollen, versicherte Carola Rackete über ihre Anwälte. Sie habe schlicht die Position des Boots falsch eingeschätzt.

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Nach dem Crash ist vor dem Crash

Bild: pixabay.com
Von Kryptowährungen, Blockchains und Facebooks neuer Währung Libra

Lars Jaeger | TELEPOLIS

Ein Gespenst geht um in der Finanzwelt, und diesmal ist es nicht der Kommunismus, der das Geld-Establishment in Angst und Schrecken versetzt. Das Gespenst heute heißt „Kryptowährungen“ und es droht die etablierten Machtstrukturen in der weltweiten Finanzindustrie umzukrempeln. Ähnlichkeiten mit dem kommunistischen Manifest beschränken sich auf die Heilsversprechen, die wir von den Befürwortern der neuen digitalen Währungen hören: Umsturz des traditionell intransparenten, korruptionsanfälligen und völlig überteuerten Geschäftsmodells der Banken, mehr Demokratie in Unternehmen und im Staat, Fairness im globalen Handel, die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit, bis hin zu einem Wohlstands-Turbo-Booster für die Ärmsten der Welt.

Natürlich ist es nicht politischer Idealismus mit dem Ziel, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, der den momentanen Hype um Bitcoin und andere Kryptowährungen antreibt. Vielmehr ist es der gleiche Ausruf, der in genau dem Jahr, in dem Marx und Engels das Kommen des Kommunismus ankündigten, aus San Francisco erscholl: „Gold! Gold! Gold from the American River!“

Ruf des schnellen Geldes

Es ist der Ruf des schnellen Geldes, der auch 170 Jahre nach dem kalifornischen Goldrausch nichts von seiner Wirkung verloren hat. Wer kann schon ignorieren, dass hier schnell mal Millionen gescheffelt werden können? Nur dass man heute nicht mehr beschwerliche Tausende von Kilometern reisen muss, um das neue Gold zu „schürfen“, sondern nur ins Internet zu gehen braucht.

„Schürfen“, so heißt es tatsächlich, wenn man mit der Rechenkraft seines eigenen Computers neue Bitcoins zu erwerben anstrebt (was insgesamt eine Unmenge an Elektrizität verbraucht und die globale CO2-Bilanz belastet – dies ein wenig beachteter und unschöner Nebenaspekt von Bitcoin).

Und schon bahnt sich nach dem fulminanten Krypto-Crash von 2018, der gerade die Ahnungslosen, die an die völlig unregulierten und oft alles andere als transparent agierenden Bitcoin-Börsen getrieben wurden, 80% ihres Einsatzes verlieren ließ, ein neuer Hype an. Tatsächlich kann jeder, der will, seine eigene digitale Währung erschaffen. Unterdessen gibt es mehr als 2000 davon, mit Namen wie Ripple, Stellar, Golem, FunFair, HalloweenCoin oder SnakeEyes klingen manche wie Ecstasy-Sorten vor 20 Jahren.

Hier werden Erinnerungen an das adlige Münzprägerecht im Mittelalter wach, mit dem jeder Adlige, der dieses besaß, seine eigene Münzwährung prägen durfte. Was dazu kommt: Kryptowährungen eignen sich hervorragend für kriminelle Machenschaften: Geldwäscherei, Lösegelderpressung durch Hacker, Veruntreuung, Waffenhandel im Darknet, usw. – für all dies eignen sich Kryptowährungen bestens. Sie sind das monetäre Äquivalent des Darknets. Eines von vielen Beispielen ist die Kryptobörse QuadrigaCX, deren Gründer die Einlagen seiner Kunden im Umfang von mehreren hundert Millionen Dollar für seine privaten Zwecke veruntreute.

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Papst bezieht Position in Reformdebatte – aber nicht zum Missbrauchsskandal

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
  • Mit einem persönlichen Brief „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ hat sich Papst Franziskus in die Reformdebatte eingeschaltet.
  • Darin signalisiert das Kirchenoberhaupt ein Ja zum synodalen Reformprozess, macht aber auch deutlich, dass es ihm um mehr als strukturelle Anpassungen geht.
  • Der Skandal um sexuelle Gewalt durch Kirchenvertreter, die die Vertrauenskrise der Kirche erst ausgelöst hatte, bleibt unerwähnt.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche Zeitung

Die katholische Kirche in Deutschland steckt in der Vertrauenskrise, spätestens seit im Herbst eine Studie das Ausmaß der sexualisierten Gewalt durch Priester und Ordensleute gegen Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene ahnen ließ. Die Bischofskonferenz will gemeinsam mit den Laienverbänden einen „Synodalen Weg“ gehen, um aus der Krise wieder herauszukommen – und Papst Franziskus schreibt nun allen Katholiken im Land einen aufmunternden Brief – das klingt zuerst einmal rundum positiv.

Tatsächlich rechtfertigt das eben gerade veröffentlichte Schreiben „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ weder die Sorgen der Reformer noch die Hoffnung der Konservativen, die es im Vorfeld dieser Veröffentlichung gegeben hat: der Papst könnte der Debatte über die Zukunft der katholischen Kirche klare Grenzen setzen und zum Beispiel die Diskussion über eine mögliche Weihe von Frauen zu Diakoninnen, gar Priesterinnen so harsch für beendet erklären, wie das sein Vor-Vorgänger Johannes Paul II. getan hatte.

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LKA Sachsen ermittelt nach Angriff auf Linke in Leipzig

Nach einem Angriff auf drei Mitglieder der Partei „Die Linke“ in Leipzig ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein rechtsextremer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Polizeisprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Sonntag in Leipzig.

evangelisch.de

Die Ermittlungen habe das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum beim Landeskriminalamt Sachsen übernommen.

Bei dem Vorfall in der Nacht zu Samstag seien die Mitglieder der Linken im Stadtteil Mockau-Nord von einer größeren Gruppe junger Erwachsener bedroht, zur Herausgabe ihrer Mobiltelefone aufgefordert und angegriffen worden, teilte der Leipziger Linken-Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann mit. Ein mutmaßlicher Täter habe von der Polizei festgestellt werden können.

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Unser täglich Netz gib uns heute

Die Transzendenz des Digitalen: Entspannung und Erlösung im Binärcode-Flow. (imago / imagebroker)
Die klassischen Religionen haben ausgedient, für Erlösung ist heute die Digitalisierung zuständig – so lautet Christian Hoffmeisters Kritik. Bloße Verzichtsübungen nach dem Motto „Du sollst nicht googeln“ reichen seiner Ansicht nach nicht aus.

Christian Hoffmeister im Gespräch mit Vera Linß und Martin Böttcher | Deutschlandfunk Kultur

Christian Hoffmeister glaubt, dass wir alle zu zu Gläubigen geworden sind. Unsere Religion: das Digitale. Anfang des Jahres kam sein Buch „Google Unser“ heraus. „Google, Apple, Facebook und Co. sind nicht nur Teil unseres Alltags, viel mehr noch: Es sind globale religiöse Glaubensgemeinschaften und wir ihre Gläubigen“, heißt es auf dem Buchumschlag. Denn die Digitalisierung unseres Lebens habe längst religiöse Ausmaße angenommen. Und die Unternehmen aus dem Silicon Valley bedienen sich geradezu bei den ganz alten Strategien der Religion – sei es bei der Formulierung ihre Unternehmensvisionen und der Entwicklung ihrer Marketingstrategien.

Mit einem „Meedia“-Artikel zu seinen Positionen sorgte Christian Hoffmeister in den vergangenen Tagen zudem für reichlich Gesprächsstoff in den sozialen Medien. Wir sprechen mit ihm darüber, was genau die religiösen Anteile unserer Technikgläubigkeit sind und ob es eine neue Aufklärung geben muss.

Das Jenseits des Digitalen

Deutschlandfunk Kultur: Wie sind Sie darauf gekommen, Digitales und Religion in Zusammenhang zu bringen?       

Christian Hoffmeister: Mit dem Thema Religion und Ökonomie beschäftige ich mich eigentlich schon seit meiner Studienzeit. Damals habe ich meine Abschlussarbeit über das Thema „Religiöse Unternehmenskommunikation“ geschrieben. Mein ehemaliger Professor sagte, dass ich das nicht als Religion bezeichnen könnte, weil Religion keine jenseitige Welt habe. Es muss also immer eine transzendente Sphäre geben, in der ein Gott innewohnt.

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