Unser täglich Netz gib uns heute


Die Transzendenz des Digitalen: Entspannung und Erlösung im Binärcode-Flow. (imago / imagebroker)
Die klassischen Religionen haben ausgedient, für Erlösung ist heute die Digitalisierung zuständig – so lautet Christian Hoffmeisters Kritik. Bloße Verzichtsübungen nach dem Motto „Du sollst nicht googeln“ reichen seiner Ansicht nach nicht aus.

Christian Hoffmeister im Gespräch mit Vera Linß und Martin Böttcher | Deutschlandfunk Kultur

Christian Hoffmeister glaubt, dass wir alle zu zu Gläubigen geworden sind. Unsere Religion: das Digitale. Anfang des Jahres kam sein Buch „Google Unser“ heraus. „Google, Apple, Facebook und Co. sind nicht nur Teil unseres Alltags, viel mehr noch: Es sind globale religiöse Glaubensgemeinschaften und wir ihre Gläubigen“, heißt es auf dem Buchumschlag. Denn die Digitalisierung unseres Lebens habe längst religiöse Ausmaße angenommen. Und die Unternehmen aus dem Silicon Valley bedienen sich geradezu bei den ganz alten Strategien der Religion – sei es bei der Formulierung ihre Unternehmensvisionen und der Entwicklung ihrer Marketingstrategien.

Mit einem „Meedia“-Artikel zu seinen Positionen sorgte Christian Hoffmeister in den vergangenen Tagen zudem für reichlich Gesprächsstoff in den sozialen Medien. Wir sprechen mit ihm darüber, was genau die religiösen Anteile unserer Technikgläubigkeit sind und ob es eine neue Aufklärung geben muss.

Das Jenseits des Digitalen

Deutschlandfunk Kultur: Wie sind Sie darauf gekommen, Digitales und Religion in Zusammenhang zu bringen?       

Christian Hoffmeister: Mit dem Thema Religion und Ökonomie beschäftige ich mich eigentlich schon seit meiner Studienzeit. Damals habe ich meine Abschlussarbeit über das Thema „Religiöse Unternehmenskommunikation“ geschrieben. Mein ehemaliger Professor sagte, dass ich das nicht als Religion bezeichnen könnte, weil Religion keine jenseitige Welt habe. Es muss also immer eine transzendente Sphäre geben, in der ein Gott innewohnt.

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