Warum Rechte sich gegen Sexualpädagogik stellen


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Im Kampf gegen progressive Sexualpädagogik treffen sich Konservative, Rechtsextreme und fundamentalistische ChristInnen – ihr Feindbild ist die sexuelle Vielfalt

Brigitte Theißl | derStandard.de

Geht es nach ÖVP und FPÖ, werden in Österreich externe Vereine künftig vom Sexualkundeunterricht an Schulen ausgeschlossen sein. Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde vergangenen Dienstag mit den Stimmen der ehemaligen Koalitionspartner beschlossen, am Mittwoch wird im Nationalrat abgestimmt. Der Antrag sorgt aktuell nicht nur für breiten Protest, nach den Diskussionen rund um die Causa „Teenstar“ hatte kaum jemand mit einem solchen Vorstoß gerechnet. „Der Antrag hat uns wirklich alle im Feld überrascht“, sagt Barbara Rothmüller. Die Soziologin und Sexualpädagogin ist Mitglied des Vorstands der „Plattform Sexuelle Bildung“, die gemeinsam mit rund hundert anderen Organisationen vor einer „De-Facto-Abschaffung“ der Sexualpädagogik in Schulen warnt. Ex-Minister Heinz Faßmann hatte zuletzt die Einrichtung eines Akkreditierungsverfahren für externe Vereine angekündigt, nun streben ÖVP und FPÖ mit deren Verbannung nach einer „Sicherstellung einer weltanschaulich neutralen Sexualerziehung“.

Dem Argument der Parteien, dass der Sexualkundeunterricht bei LehrerInnen am besten aufgehoben sei, widerspricht Rothmüller klar. Sexualität mit SchülerInnen quer über alle Fächer hinweg zu besprechen – diesem Auftrag könnten LehrerInnen gar nicht nachkommen, ist die Sexualpädagogin überzeugt. All zu oft bleibe das Thema auf den Biologieunterricht beschränkt, ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsangebot würde in Österreich schlichtweg fehlen. „Außerdem gibt es viele Dinge, über die Kinder und Jugendliche nicht mit ihren LehrerInnen reden möchten“, sagt Rothmüller.

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