Katholische Sexualmoral — Gottesliebe mit Leib und Seele


Gottes Liebe kennt keine Geschlechter: Graffito an der Mauer eines Gemeindehauses in Berlin. (Deutschlandradio / Frank Kaspar)

Sexualität ist ein heikles Terrain in der katholischen Kirche: vielfach belegt mit Tabus, Verboten und rigider Moral. Der Franziskaner Andreas Brands dagegen deutet Sex als göttliches Geschenk. Ein Gespräch ohne Feigenblatt.

Andreas Brands im Gespräch mit Christopher Ricke | Deutschlandfunk Kultur

Christopher Ricke: 50 Jahre nach dem Stonewall-Aufstand von Homo- und Transsexuellen in der New Yorker Christopher Street tut die katholische Kirche sich immer noch schwer mit der Sexualität. Doch es gibt auch andere Stimmen. Die Zeitschrift „Franziskaner“ titelt in ihrer Frühjahrsausgabe: „Sexualität – das Natürlichste der Welt“. Das „Magazin für franziskanische Kultur und Lebensart“ widmet der katholischen Kirche und ihrer Sexualmoral einen ausführlichen Schwerpunkt. Erstaunliche Bekenntnisse sind dort zu lesen: „Sexualität ist auch eine religiöse Grundkraft und Quelle von Spiritualität, gerade im jüdisch-christlichen Kontext“, heißt es da. Oder: „Sexualität ist ein Geschenk Gottes, der schönste Punkt der Schöpfung“. Ein wichtiger Autor des Hefts ist der Franziskaner Andreas Brands. Guten Tag, Bruder Andreas!

Andreas Brands: Einen schönen guten Tag!

Das Thema Sex muss auf den Tisch

Ricke: In Ihrem Heft geht es um Selbstbefriedigung, um vorehelichen Geschlechtsverkehr, um schwule Priester, um Sünde und Zölibat, auch um Selbstvergewisserung. Hat das Heft in katholischen Kreisen für ein bisschen Unruhe gesorgt?

Brands: Es hat für viel Resonanz gesorgt. In erster Linie bin ich sehr dankbar für viele positive Reaktionen auf unser Heft, das wir von unserem Redaktionsteam her ganz mutig angegangen sind. Wir hatten auch natürlich Abbestellungen. Es polarisiert ein Stück, das war uns im Vorhinein auch klar. Aber ich denke, ich kann auch sagen: Es hat aufgewühlt, es hat begeistert, es hat Menschen wieder neu angesprochen, weil wir ein Thema berührt haben, worüber sich einfach nicht so leicht sprechen lässt und was aber heute notwendigerweise auf den Tisch muss.

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