Weltklima auf der Kippe


Von der Schmelze bedroht: „Saatgut-Tresor“ Svalbard Global Seed Vault. Foto (von 2013): Miksu/CC BY-SA 3.0

Während die europäische Politik den Klimawandel in die Fußnoten verbannt, scheinen die Kipppunkte des globalen Klimasystems in der Arktis überschritten zu werden

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Der Sommer 2019 könnte als die große Umbruchszeit in die Menschheitsgeschichte eingehen, in der das Überschreiten der Kipppunkte des globalen Klimasystems evident wurde – falls in den kommenden Dekaden überhaupt noch so etwas wie Geschichtswissenschaft betrieben werden sollte.

Eine monströse wissenschaftliche Fehleinschätzung wurde etwa Mitte Juni aus der kanadischen Arktis gemeldet. Das Auftauen des Permafrostbodens in vielen arktischen Regionen Kanadas schreitet viel schneller voran, als ursprünglich von der Klimawissenschaft prognostiziert.

Der ökologisch verheerende Auftauprozess der seit Jahrmillionen gefrorenen Böden schreitet demnach viel schneller voran, als selbst die pessimistischsten wissenschaftlichen Studien annahmen. Demnach soll das Auftauen des Permafrosts inzwischen so weit vorangeschritten sein, wie es in den aktuellen Szenarien des Weltklimarates (IPCC) für das Jahr 2090 prognostiziert wurde. Die Klimawissenschaft hat sich somit um rund 70 Jahre in dieser entscheidensten aller wissenschaftlichen Fragen verkalkuliert.

Die an den Untersuchungen in der kanadischen Arktis beteiligen Wissenschaftler erklärten laut der Tageszeitung rundweg: „An allen untersuchten Stellen traf oder übertraf die maximale Auftautiefe seit 2003 die in einem Szenario des UN-Weltklimarats IPCC für 2090 prognostizierten Werte.“

Das Auftauen der Permafrostböden schreite demnach seit 2003 doppelt bis nahezu dreimal so schnell voran wie in den Dekaden zuvor, da das arktische Ökosystem besonders sensibel auf klimatische Veränderungen reagiere. Eine Reihe sehr heißer arktischer Sommer und die fehlende nennenswerte Vegetationsschicht sorgten dafür, dass die Böden in der Arktis besonders schnell auftauten.

Grönland: Neue Rekordwerte

Ähnlich dramatisch entwickelt sich die Lage in Grönland, wo die Eisschmelze neue Rekordwerte erreicht. Bei Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius im Süden und deutlichen Plusgraden im Norden bilden sich in weiten Regionen regelrechte Schmelzwasserseen auf dem Eispanzer Grönlands, der dadurch immer schneller abtaut, da das Wasser die Sonneneinstrahlung nicht so stark reflektiert wie Eis.

Der Eispanzer im nördlichen Eismeer der arktischen Region verzeichnete im Juni ebenfalls einen Negativrekord. Derzeit sind nur noch 10,8 Millionen Quadratmeter von Meereis bedeckt, während es im langfristigen Mittelwert rund 12 Millionen Quadratmeter waren.

Die arktische Eisdecke, die einen Großteil der Sonneneinstrahlung im hohen Norden reflektiert, ist in vielen Regionen in einem „sprunghaften“ Schmelzprozess. Das Seeeis in der Beringsee scheint bereits weitgehend verschwunden zu sein. Schon im März – zu einer Jahreszeit, in der die Eisdecke in der Region noch wachsen müsste – wurde die Beringsee als „nahezu Eisfrei“ gemeldet.

Gegenüber den langjährigen Trends fehlte in der Region eine Eisdecke, die der Fläche der US-Bundesstaaten Kalifornien und Montana entspricht. Ähnlich verhält es sich in vielen weiteren Regionen der Arktis, wo das Schrumpfen der sommerlichen Eisdecke die langjährigen Durchschnittswerte in extremer Weise übersteigt.

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1 Comment

  1. Die Eisschmelze in Grönland betrifft einen Bereich, wo oberflächlich auf 1,2 m dickem Meereis etwas Schnee geschmolzen ist. Die Schlittenhunde laufen im Wasser auf dem Eis. Typische Klimahysterie. Wir brauchen richtige Wissenschaft, nicht ständig den Hinweis auf Klimawissenschaftler, die es in solch großer Zahl nicht gibt.

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