Die EU hat keine gemeinsamen Ziele und Interessen

Grafik: TP

Die Kämpfe um Posten in den letzten Tagen zeigen, wie wenig die EU verbindet. Die Personality-Show ist ein besonders probates Mittel zur Entpolitisierung

Peter Nowak | TELEPOLIS

Ziemlich geräuschlos dürfte im Stadtstaat Bremen die erste Koalition aus SPD, Grünen und Linkspartei in Westdeutschland über die Bühne gehen. Die Parteitage bei SPD und Grünen dürften ebenso zustimmen wie die Mitglieder der Linken. In der Diskussion wurde nirgends kritisch erwähnt, dass mit Andreas Bovenschulte ein Mann zum Regierenden Bürgermeister gewählt werden soll, der sich für diese Funktion nicht zur Wahl gestellt hat.

Der SPD-Spitzenkandidat Carsten Sieling hat eine Wahlniederlage erlitten und sich daher nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. Nun könnte man in diesem Fall tatsächlich kritisch anmerken, dass in einem Stadtstaat nach der Wahl ein Kandidat auftaucht, den vor der Wahl niemand auf den Schirm hatte. Doch während eben weder für SPD noch für die Grünen oder die Linken problematisch scheint, dass ein Kandidat aus dem Hut gezaubert werden soll, wird genau die Frage des Spitzenkandidatur bei der Wahl der Präsidentschaft der EU-Kommission von SPD und Grünen zum Knackpunkt erklärt.

Beide Parteien und die ihnen nahestehende Presse klassifizieren es als besonders undemokratisch, dass mit der CDU-Politikerin Ursula von der Leyen eine Frau für den Posten nominiert werden soll, die keine Spitzenkandidatin war. Der Taz-Kommentator Klaus Hillenbrand rät der SPD sogar dazu, an der Personalie von der Leyen die Koalition mit der Union in Berlin platzen zu lassen.

Es geht hier nicht um einen irren Verfassungsschutzpräsidenten, nicht um Etat-Streitigkeiten oder eine gescheiterte Pkw-Maut. Es geht um die Grundregeln der Demokratie. Die SPD, der so gerne ein staatstragender Habitus vorgeworfen wird, ist gefordert, sich ein Verdienst daran zu erwerben.

Klaus Hillenbrand, Taz

Personality-Show statt politische Debatte

Nun ist es schon absurd, wenn in einer grünennahen Zeitung das Prinzip der Spitzenkandidatur so sehr hochgehalten wird. Schließlich haben sich die Grünen in den Anfangsjahren geweigert, die Wahlentscheidungen derart zu personifizieren und ganz auf Spitzenkandidaturen verzichtet. Schließlich ist das ganze Prinzip der Spitzenkandidatur genau damit verbunden, dass kaum noch über Inhalte, dafür aber über bestimmte Personen, ihren Lebens- und Bekleidungssteil, ihre Frisuren und Ernährungsvorlieben geredet wird.

Das Spitzenkandidatenprinzip sorgt mit dafür, dass Wahlen immer mehr entpolitisiert werden. Seinen Ursprung hat dieses Prinzip in den USA in den frühen 1960er mit der Personality-Show des Kennedy-Clans. Für eine solche Show ist die Kandidatin von der Leyen gut geeignet, die bereits ihren verschiedenen politischen Funktionen damit warb, dass sie ihre Rolle als berufstätige Mutter gut in Einklang bringen kann. Für welche politische Inhalte die Konservative sonst steht, bleibt hingegen offen.

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Mehr als 30 Grad Celsius: Hitzerekord im Süden Alaskas

Bild: tagesschau.de

Im Süden des US-Bundesstaats Alaska hat es die heißesten Temperaturen seit der Wetteraufzeichnung im Jahr 1952 gegeben. Auch in den arktischen Zonen wurden ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Klimaexperten sind alarmiert.

tagesschau.de

Im nördlichsten US-Bundesstaat Alaska hat die Wetterbehörde einen neuen Hitzerekord vermeldet: Am Flughafen in Anchorage kletterten die Temperaturen auf der Thermometeranzeige auf 32,2 Grad. Der Wert liegt deutlich über der bisherigen Höchsttemperatur von 29,4 Grad, die im Jahr 1969 in der größten Stadt Alaskas seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1952 gemessen wurde. Anchorage liegt im Süden des US-Bundesstaates.

Und auch an zahlreichen weiteren Stellen im Süden des US-Bundesstaates wurden Höchstwerte verzeichnet, wie die nationale Wetterbehörde auf Twitter mitteilte. So wurden in den Kleinstädten Kenai und King Salmon 31,6 Grad gemessen.

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«Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich»

Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Der Nobelpreisträger Adam Riess gehört zu den Wegbereitern des Standardmodells der Kosmologie. Im Interview mit Christian Speicher erklärt er, warum er heute nicht mehr restlos von diesem Modell überzeugt ist.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Herr Riess, es ist nicht vielen Kosmologen vergönnt, einem neuen Weltbild zum Durchbruch zu verhelfen. Sie hatten daran Ende der 1990er Jahre grossen Anteil. Was ist damals geschehen?

Damals war man davon überzeugt, dass das Universum im Wesentlichen aus Materie besteht, die durch ihre Anziehungskraft die Ausdehnung bremst – möglicherweise sogar so stark, dass das Universum eines Tages wieder kollabiert. Zu unserer Verwunderung stellten wird damals jedoch fest, dass sich die Expansion nicht verlangsamt, sondern im Gegenteil sogar beschleunigt. Daraus folgte unmittelbar, dass die Materie nicht die wichtigste Zutat des Universums ist. Es muss vielmehr etwas geben, was der Anziehungskraft der Materie entgegenwirkt und die Expansion beschleunigt. Dieses Etwas, was immer es ist, nennen wir dunkle Energie.

Was war Ihr erster Eindruck, als Sie die Daten sahen?

Ich dachte, dass sie falsch seien und wir bei der Messung einen Fehler gemacht hätten. Was wir sahen, war verrückt. Aber als Wissenschafter hat man die Pflicht, seine Ergebnisse zu veröffentlichen, wenn man sein Bestes gegeben und alle Fehlerquellen ausgeschlossen hat. Nur so können andere Kosmologen versuchen, diese Ergebnisse zu bestätigen oder zu widerlegen.

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Die UN fordert Freilassung von weiteren vier katalanischen Gefangenen

Martin Sonneborn schreibt zu seinem Foto: „Meine Sitznachbarn Carles Puigdemont und Antonio Comin sind gar nicht zur Eröffnungssitzung des EU-Parlaments gekommen. Hab zwei Fahnen aufgestellt, damit ihre Plätze freigehalten werden… Smiley!“

Die Vereinten Nationen gehen nun schon von sieben „willkürlich“ inhaftierten katalanischen Politikern und Aktivisten aus

Ralf Streck | TELEPOLIS

Die Nachricht aus den Vereinten Nationen (UN) kam zur Unzeit für die spanische Regierung und ihren Versuch, Außenminister Josep Borrell auf den Posten des Außenbeauftragten der EU zu heben. Denn der vermutlich „undiplomatische Diplomat“ gehört zu denen, die die Inhaftierung der katalanischen Aktivisten und Politiker verteidigen und sie in Interviews auch gerne vorverurteilten.

Just mit seiner Kandidatur, die so umstritten ist, wie die von Ursula von der Leyen und Christine Lagarde, kam eine neue kalte Dusche an dem Tag, als die vier Betroffen am Donnerstag genau 500 Tage inhaftiert waren. Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen (UN) für willkürliche Verhaftungen fordert von Spanien die sofortige Freilassung von weiteren vier Katalanen. In diesem Fall handelt es sich um vier ehemalige Minister der katalanischen Regierung.

Die UN-Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, dass Joaquim Forn, Raül Romeva, Josep Rull und Dolors Bassa „willkürlich“ inhaftiert wurden. Die sofortige Freilassung und eine Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft werden gefordert. Zudem fordert die UN, dass Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen werden sollen, die für die Verletzung der Grundrechte wie der „Meinungs- und Versammlungsfreiheit“ der Inhaftierten verantwortlich sind.

Schon Ende Mai hatte die Arbeitsgruppe die Freilassung der Aktivisten Jordi Cuixart, Jordi Sànchez und den Chef der Republikanischen Linken (ERC) Oriol Junqueras verlangt, die schon 20 Monate ohne Urteil im Gefängnis sitzen. Während andere Länder solche Entscheidungen normalerweise respektieren, hat Spanien nicht nur die Forderungen ignoriert, sondern die Lage sogar weiter zugespitzt und natürlich die Verantwortlichen nicht zur Verantwortung gezogen.

Statt Junqueras und die beiden Aktivisten Sànchez und Cuixart freizulassen, wurde sogar verhindert, dass Junqueras, Sànchez, Rull und Romeva ihre Ämter als gewählte Parlamentarier im spanischen Parlament antreten konnten. Dazu wurde durch Tricks ihre Immunität ausgehebelt, weshalb hochrangige spanische Juristen und Verfassungsrechtler die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Sie sprechen von Rechtsbeugung und fordern, Spanien am Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu verklagen.

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Die vielleicht erste deutsch-türkische Gay-Bar Berlins

Den Menschen zugewandt. Vor ein paar Wochen hat Mehmet Balikci die Bar namens Capture eröffnet.Foto: Sven Darmer

Eine deutsch-türkische Gay-Bar? „Selbst für Berlin nicht alltäglich“, sagt Mehmet Balikci. Seine Kneipe soll auch ein Zeichen setzen.

Von Carina Kaiser | DER TAGESSPIEGEL

Wer auf ein Getränk in der Bar von Mehmet Balikci vorbeikommt, dem sollte schnell auffallen, dass er nicht in irgendeiner Bar in Friedrichshain gelandet ist. Vor ein paar Wochen hat der gebürtige Baden-Württemberger mit türkischen Wurzeln in der Wühlischstraße 32 eine Schwulen-Bar eröffnet. „Ich glaube, das ist selbst für Berlin nicht alltäglich“, sagt der 39-Jährige und zupft an seinem Muskelshirt herum. Hinter ihm prangt das Schild „Zutritt erst ab 18 Jahren“ an der Glastür.

Seine Bar hat Balikci passenderweise im „Pride Month“ aufgemacht. Im Juni fanden sich weltweit zahlreiche Organisationen und Menschen zusammen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Diskriminierung und für mehr Toleranz zu setzen. Für mehr Vielfalt sorgt Balikci auch – nicht nur im Kiez, sondern auch berlinweit. „Soweit ich weiß, bin ich der erste deutschtürkische Gay-Barbetreiber Berlins“, sagt Balikci und zündet sich eine Zigarette an.

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Predigteklat im Münsteraner Gottesdienst hat Folgen Pfarrer soll nicht mehr predigen

Die Kanzel: Häufig der Ort der Predigt © Patrick Post (KNA)

Machtwort von Bischof Felix Genn: Nach der Empörung von Gottesdienstbesuchern wegen einer Äußerung über Vergebung auch für Priester, die Missbrauch begangen haben, soll der umstrittene Pfarrer in Münster nicht mehr predigen.

DOMRADIO.DE

Bischof Felix Genn habe das dem 79-jährigen emeritierten Pfarrer mitgeteilt und gehe davon aus, dass dieser sich daran halten werde, sagte ein Bistumssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Es handele sich aber nicht um ein formales Predigtverbot. Denn die Äußerung in der Predigt sei dem Bistum selbst nicht wörtlich bekannt, es gebe keinen Text. Ulrich Zurkuhlen habe frei gesprochen.

Ein Teil des Chores und rund 70 Gottesdienstteilnehmer hatten die Kirche Heilig Geist am Münster während der Predigt des 79-Jährigen über das Thema Missbrauch und Vergebung am vergangenen Sonntag unter lautem Protest verlassen, wie „Kirche-und-Leben.de“ berichtet hatte. Er sei mit seiner Stimme nicht gegen „den schreienden Mob“ angekommen und habe seine Predigt abgebrochen, zitierte das Internetportal den Pfarrer.

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Evidenzbasierter Rassismus – Algorithmen sind immer nur so schlau wie die Daten, auf denen sie beruhen

Überwachungskameras sehen immer mehr immer genauer mehr. Doch ziehen sie daraus immer die richtigen Schlüsse? (Bild: Jochen Tack / Imago)

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als logisch, unemotional und unparteiisch – aber handelt und entscheidet sie wirklich objektiv? Tatsache ist, dass Algorithmen Vorurteile aufnehmen und verstärken können, etwa in Bezug auf Rasse und Geschlecht. KI basiert oft auf Daten, die von weissen Männern geschürft werden.

Eduard Kaeser | Neue Zürcher Zeitung

Wer hat nicht Mühe mit seinem eigenen Rassismus? Uns unterläuft wiederkehrend das, was ich den Fehlschluss der rassistischen Induktion bezeichne: Wir schliessen von der «Evidenz» der Hautfarbe – oder allgemeiner: der äusseren Erscheinung – eines Menschen auf seine gesellschaftliche Stellung, seinen Beruf, sein Inneres. John Hope Franklin, Geschichtsprofessor an der Duke University in North Carolina, gab 1995 ein Abendessen in einem Privatklub in Washington. Seiner schwarzen Hautfarbe wegen hielt ihn eine Angestellte für ein Mitglied des Personals (Franklin wurde übrigens 1962 das erste schwarze Mitglied des Klubs).

Man schiebe solche Vorfälle nicht leichthändig ab auf eine «typisch» amerikanische Mentalität. Ich erinnere mich noch an die fünfziger Jahre, als man nicht selten hörte: Aha, Italiener, arbeitest du auf dem Bau? Die ETH-Professorin für Umweltwissenschaft, Nina Buchmann, erzählte jüngst in einem Interview ein aktuelles Müsterchen dieses Fehlschlusses. Sie habe oft darauf hinweisen müssen: «Nein, ich bin nicht die Sekretärin von Professor Buchmann. Ich bin Professor Buchmann.» Auch hier der Fehlschluss: Aha, eine Frau, also eher Sekretärin als Professorin.

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Auf dem rechten Weg zum Beamten

Drei Polizeischüler, die wegen rechter Äußerungen bei einem Basketballspiel in erster Instanz zu Geldstrafen verurteilt wurden, sind noch vor Ende des Verfahrens in das Beamtenverhältnis auf Probe übernommen worden. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Niklas Schrader hervor.

Peter Nowak

Der innenpolitische Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte einen Artikel der taz zum Anlass für seine Anfrage an die Innenverwaltung genommen. In der der taz vorliegenden Antwort bestätigte Innenstaatssekretär Torsten Akmann, dass.…

.…zwei Anwärter für den Mittleren Dienst der Schutzpolizei am 27. April 2018 in der Mercedes-Benz-Arena anlässlich einer Basketballbegegnung durch eine Zeugin beim Skandieren extrem rechter Äußerungen beobachtet worden seien. Die Frau habe bekundet, „dass einer der Anwärter mehrfach das Wort ‚Sieg‘ und ein weiterer anschließend das Wort ‚Heil‘ gerufen haben soll“. Ein dritter Beteiligter, eben falls Polizist, sei durch die von der Zeugin alarmierte Polizei ermittelt worden.

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Urteil des OLG Stuttgart: Haftstrafe für IS-Rückkehrerin

Bild: tagesschau.de

Erstmals ist eine deutsche IS-Rückkehrerin verurteilt worden: Sabine S. muss fünf Jahre in Haft. Der Richterspruch könnte richtungsweisend für künftige Prozesse sein.

Von Claudia Kornmeier, Lea Schulze | tagesschau.de

Es ist das erste Urteil gegen eine IS-Rückkehrerin: Das Oberlandesgericht Stuttgart hat Sabine S. wegen der Mitgliedschaft bei der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Angeklagte war vor einem guten Jahr nach Deutschland zurückgekehrt und kam kurz darauf in Untersuchungshaft.

Das Urteil stützt sich darauf, dass die Deutsche einen IS-Propaganda-Blog betrieben hat. Dort veröffentlichte sie zum Beispiel einen Text mit der Überschrift „Köpfchen ab“ sowie Fotos von Hinrichtungen und Waffen. Außerdem hat sie dem IS geholfen, gewaltverherrlichende Propaganda-Videos im Internet zu verbreiten.

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Deutsche Reichsbürger erhalten Asyl in Russland

Flüchtlingsfamilie Griebach in Moskau. Bild: Facebook-Gruppe

Die 8-köpfige Familie ist Ende 2015 aus der „BRD-Diktatur“ nach Russland „geflüchtet“ und hat seitdem in einem Bus in Moskau gehaust

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Silvester 2015 ist die 8-köpfige Familie Griesbach in Moskau in einem VW-Bus mit einem Touristenvisum angekommen, in dem sie seitdem lebt. Flüchtlinge aus einem Wohlstandsland, aus Mecklenburg-Vorpommern. Es sind vier Erwachsene Carola und André Griesbach mit ihren erwachsenen Töchtern Dominique und Julia, die jeweils zwei kleine Kinder haben.

Die Familie lebt, wie Reichsbürger immer, in einer paranoiden Blase. Sie hat, wie sie schrieb, Angst, dass ihre Kinder von den Behörden „geklaut“ werden, was in Deutschland gang und gäbe und ein Geschäftsmodell sei. Der Vater André sagte 2016 gegenüber RT, sie hätten Hals über Kopf fliehen müssen, weil das Jugendamt hinter ihnen her war. Die Rede ist von Menschenrechtsverletzungen. Deutschland gehe den Bach runter, sagte eine Tochter, alles ist Sodom Gomorrha. Man habe aber keinen Asylantrag gestellt, sondern wolle eine permanente Aufenthaltsgenehmigung erreichen, um in Russland leben und arbeiten zu können. Die Kinder sollen in Russland in Frieden aufwachsen können. Zurück wolle man auf keinen Fall.

Mutter Carola meint, es würden viele Menschen Angst haben. Sie hätten Angst, die Regierung lasse ihr Volk im Stich. 2015 war das Jahr der Flüchtlinge. Vor diesen sind die Griesbachs auch geflohen, Vergewaltigung und Gewalt seien alltäglich geworden, gibt sie als Begründung an. Medien würden zensiert und betrieben Propaganda. Überdies hätten sie sich mit „dem System“ angelegt. Dann geht es auch noch um den angeblichen Impfzwang, Frühsexualisierung der Kinder in Kindergärten und Schulen, zwangsweise Einpflanzung von Mikrochips oder eine „massive Enteignung“.

Russland habe man als „humanes Beutegut“ gewählt, da das Land Hauptbesetzungsmacht gewesen und wegen ausstehender Friedensverträge weiterhin für den Schutz zuständig sei. Deutschland sei immer noch ein besetztes Land, die Bundesregierung wird des „organisierten Verbrechens“ beschuldigt. Antisemitismus vermischt sich mit Antiislamismus und weißem Rassismus. Es gebe einen Genozid der Weißen.

Tochter Stephanie Griesbach ist mit ihrer Familie nicht mit der übrigen Familie mitgefahren. Sie zieht den Kampf in Deutschland vor, geht demonstrieren, steht in Kontakt mit Jürgen Elsässer und versucht, Spenden für die Russlandflüchtlinge zu sammeln.

Russland war aber lange Zeit abweisend, lehnte das Asylgesuch ab, weil Deutschland sicheres Herkunftsland ist, und forderte die Griesbachs auf, das Land wieder zu verlassen. Gestern entschied jedoch das russische Innenministerium der Familie ein temporäres Asyl zu gewähren. Die von der Familie vorgetragenen Gründe, Opfer einer Verfolgung in Deutschland zu sein, habe man nicht bestätigen können. So weit verhält man sich diplomatisch. Aber man gewähre nun temporäres Asyl, um den rechtlichen Status zu klären, aber auch wegen der Lebensverhältnisse, also wohl, dass vier Erwachsene mit vier Kindern in einem Bus leben müssen. Eine Abschiebung wollte man offenbar vermeiden.

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Neuer Rekord für flexible Solarzellen

Diese flexible Dünnschicht-Solarzelle erreicht erstmals einen Wirkungsgrad von 20,8 Prozent – ein neuer Rekordwert. © Empa

Biegsam, dünn wie ein Film und trotzdem leistungsfähig: Forscher haben erstmals flexible Solarzellen entwickelt, die einen Wirkungsgrad von 20,8 Prozent erreichen – ein neuer Rekordwert. Damit rücken solche ultradünne Photovoltaikmodule nun weiter in den Leistungsbereich herkömmlicher Silizium-Solarzellen vor. Weil ihre Basis aber aus flexiblem Polymerfilm statt aus Glas besteht, sind sie deutlich vielseitiger einsetzbar.

scinexx

Noch liefern Photovoltaikmodule auf Siliziumbasis den Löwenanteil des Solarstroms weltweit. Die Zukunft aber könnte anderen Modulen gehören: flexiblen, ultradünnen Solarzellen auf Polymerbasis. Diese organischen Solarzellen sind so leicht und biegsam, dass sie sich an alle Formen anpassen können. Sogar in Kleidung lassen sich die dehnbaren Sonnensammler integrieren – und sogar mitwaschen.

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Ermittlungen wegen Äußerungen zum Fall Lübcke bei „Pegida“

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen wegen Aussagen einiger „Pegida“-Demonstranten zum Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) veranlasst. Es sei ein Verfahren gegen Unbekannt wegen Billigung von Straftaten eingeleitet worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag und bestätigte damit einen Bericht des Berliner „Tagesspiegel“ (Online).

evangelisch.de

Außerdem werde geprüft, ob noch weitere Straftatbestände in Frage kämen, sagte der Oberstaatsanwalt weiter. Dazu könnten demnach unter anderem Volksverhetzung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zählen. Die Staatsanwaltschaft habe selbst die Initiative zu den Ermittlungen ergriffen, erklärte Haase. Ob auch Anzeigen gestellt worden seien, könne er nicht sagen.

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Klagen gegen Pariser Papstbotschafter vor Vatikan-Gericht: Mehrmals unsittlich berührt?

Schatten eines Kreuzes © Harald Oppitz (KNA)

Zwei mutmaßliche Missbrauchsopfer in Frankreich haben den Nuntius in Paris, Erzbischof Luigi Ventura, im Vatikan verklagt. Sie wollten erreichen, dass es einen vatikanischen Prozess gegen den 74-jährigen Diplomaten und Geistlichen gibt.

DOMRADIO.DE

„Wir ziehen eine Gerichtsverhandlung im Vatikan aber nicht einer Gerichtsverhandlung in Frankreich vor“, wird der Kläger, Mathieu de la Souchere, zitiert. Die mutmaßlichen Opfer hatten auch bereits Klage in Paris eingereicht, berichtet die Zeitung „La Croix“ (Freitag). Dort ruht der Prozess laut der Zeitung, weil der Nuntius unter diplomatischer Immunität stehe.

Mehrere Vorwürfe gegen Nuntius Ventura

De la Souchere wirft dem Nuntius vor, ihn beim Neujahrsempfang der Pariser Bürgermeisterin im Januar mehrmals unsittlich berührt zu haben. Er wurde dem Bericht zufolge am Mittwoch gemeinsam mit einem anderen mutmaßlichen Opfer im Vatikan vom Leiter des Kinderschutzzentrums an der Gregoriana-Universität in Rom, Hans Zollner, empfangen. Er habe sehr aufmerksam zugehört und nicht versucht, den Vorfall kleinzureden, sagte de la Souchere „La Croix“.

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Die Schützengräben in Mittelerde und die Moral der Bilder

„They shall not grow old“. Bild: © 2018 Imperial War Museum / Courtesy of Warner Bros. Pictures

Der Dokumentarfilm „They shall not grow old“ von „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson ist ein spannender, sehenswerter Film für Interessierte – und trotzdem ganz falsch

Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Sie schauen uns an. Sie kämpfen, sie wollen die „Germans töten“, sie wollen ihrem Land „dienen“. Oder dem König. Oder dem Empire. Britische Soldaten im Ersten Weltkrieg. Mal wird gekämpft, mal wieder herumgealbert, ausgeruht, gegessen, viel marschiert. Man erzählt eigene Erfahrungen. Innenansichten des Krieges.

„They shall not grow old“ („Sie werden nicht alt werden) ist ein Dokumentarfilm, der komplett aus historischem Archivmaterial stammt. Montiert und inszeniert hat ihn der „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson.

Auf der Höhe neuester Effekte

Der Film bringt uns alles nahe, aber paradoxerweise wirkt es gerade dadurch fern. Wie der Blick auf Aliens. Die Nähe der Darstellung funktioniert wie ein Verfremdungseffekt. Wir sehen Menschen, mit denen wir nichts gemeinsam haben.

Nichts ist falsch an diesem Film, nichts ist wirklich neu, alles ist interessant, weil diese Bilder, zumindest historisch Interessierte immer wieder fesseln. Sehr vieles kann man seit Jahren jederzeit sehen: Wer sich die kleine Mühe macht, die öffentlich einsehbaren, als „open content“ rechtefrei zugänglichen Internet-Archive in den USA zu konsultieren oder sich einfach auf YouTube bewegt und dort zum Beispiel die 26-teilige BBC-Serie „The Great War“, zum 50. Jubiläum aus dem Jahr 1964 ansieht, der wird vieles wiedererkennen.

Was neu ist: Das Arrangement dieser Bilder. Ihre Einfärbung: Aus Schwarzweiß wird Farbe, mit Pastellfarben zugleich auf gelbgrüne Patina und „historisch“ getrimmt. Ihre Reinigung per moderner Computertechnik. Und digitale Umrechnung in 3-D. Vor allem aber: Der Ton. Jackson vertont den Ersten Weltkrieg auf der Höhe neuester Effekte.

Für seinen Film hat Jackson mit dem „Imperial War Museum“ in London gearbeitet. Er hat unglaubliches Archivmaterial mit Tonaufnahmen aus dem Fundus der BBC kombiniert. Die Hauptfrage, die dieser Film aufwirft, ist die nach der Moral der Bilder.

Der Krieg als Massenerfahrung und der Pointillismus der Bilder

Die Moral der Bilder. Für Normalzuschauer mag die Frage danach im ersten Moment reichlich akademisch erscheinen.

Aber genauso wichtig wie die Frage danach, was gezeigt werden darf, ist auch die danach, wie man es zeigt: Wann sind Eingriffe gerechtfertigt, weil sie die Bilder „verbessern“, das Erlebnis „steigern“, ab wann beginnen Manipulation und Propaganda? Und: geht es überhaupt um das Erlebnis? Sind Gefühl und Emotion beim Publikum wichtig? Warum?

Es sind solche prinzipiellen Fragen des Filmemachens, die Peter Jacksons Film berührt und für sich in bestimmter Weise beantwortet.

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Abtreibung: Verfahren gegen Kasseler Frauenärztinnen eingestellt

Das Amtsgericht Kassel hat das Strafverfahren gegen die beiden Kasseler Frauenärztinnen Nora Szasz und Natascha Nicklaus eingestellt. Sie waren wegen des Vorwurfs der verbotenen Werbung für Schwangerschaftsabbrüche nach Paragraf 219a angeklagt. Die Ärztinnen hatten auf der Internetseite ihrer Praxis über Abtreibungen informiert.

evangelisch.de

Die ihnen in der Anklageschrift zur Last gelegte Tat sei nach bisherigem Recht strafbar gewesen, teilte das Amtsgericht am Freitag mit. Der Strafrechtsparagraf sei jedoch am 29. März geändert worden. Nach neuem Recht sei „keine Strafbarkeit mehr gegeben“. (AZ: 284 Ds *2660 Js 28990/17)

Vor der Entscheidung hat es laut Gericht eine Anhörung der Beteiligten gegeben. Die Staatsanwaltschaft habe mitgeteilt, dass sie nach Änderung des Gesetzes keine Strafbarkeit mehr sehe. Der Beschluss ist nach Angaben des Gerichts anfechtbar, die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig.

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Nach Atheistenprotest entfernt US-Schule eine Zehn-Gebote-Tafel

Themenbild. The American Mirror

Atheistenprotest Zehn-Gebote-Tafel
US-Prediger Franklin Graham: „Ich schlage vor: ‚Hängt sie wieder auf!‘“

kath.net

„Ich schlage vor: ‚Hängt sie wieder auf!‘“ So kommentierte der bekannte evangelische US-Prediger Franklin Graham, Sohn von Billy Graham, die Nachricht, dass die Joseph Welty Middle School in New Philadelphia (US-Bundesstaat Ohio) eine Tafel mit den Zehn Geboten nach über 90 Jahren entfernt hat. Die Tafel war von der Abschlussklasse des Jahres 1926 aufgehängt worden. „Sie ist ein Teil der Geschichte und des Erbes der Schule, und ich hoffe, man entscheidet sich dafür, sie wieder sichtbar zu machen. Kinder müssen auch sehen und verstehen, wo die Standards für richtig und falsch kommen, nämlich von Gottes Heiligem Wort“, schrieb Graham auf seinem Facebookauftritt.


Über die Gebotstafel hatte sich die in Wisconsin ansässige Gruppe „Freedom From Religion Foundation“ beschwert, berichtete „Fox News“. Die Atheisten behaupteten, die Tafel würde die gesetzlich vorgeschriebene Religionsfreiheit beeinträchtigen.

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