«Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich»


Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Der Nobelpreisträger Adam Riess gehört zu den Wegbereitern des Standardmodells der Kosmologie. Im Interview mit Christian Speicher erklärt er, warum er heute nicht mehr restlos von diesem Modell überzeugt ist.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Herr Riess, es ist nicht vielen Kosmologen vergönnt, einem neuen Weltbild zum Durchbruch zu verhelfen. Sie hatten daran Ende der 1990er Jahre grossen Anteil. Was ist damals geschehen?

Damals war man davon überzeugt, dass das Universum im Wesentlichen aus Materie besteht, die durch ihre Anziehungskraft die Ausdehnung bremst – möglicherweise sogar so stark, dass das Universum eines Tages wieder kollabiert. Zu unserer Verwunderung stellten wird damals jedoch fest, dass sich die Expansion nicht verlangsamt, sondern im Gegenteil sogar beschleunigt. Daraus folgte unmittelbar, dass die Materie nicht die wichtigste Zutat des Universums ist. Es muss vielmehr etwas geben, was der Anziehungskraft der Materie entgegenwirkt und die Expansion beschleunigt. Dieses Etwas, was immer es ist, nennen wir dunkle Energie.

Was war Ihr erster Eindruck, als Sie die Daten sahen?

Ich dachte, dass sie falsch seien und wir bei der Messung einen Fehler gemacht hätten. Was wir sahen, war verrückt. Aber als Wissenschafter hat man die Pflicht, seine Ergebnisse zu veröffentlichen, wenn man sein Bestes gegeben und alle Fehlerquellen ausgeschlossen hat. Nur so können andere Kosmologen versuchen, diese Ergebnisse zu bestätigen oder zu widerlegen.

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