Blutsaugende Fliegen vernichten die Brut von Darwins Finken


Der kleine Baumfink gehört zu den am stärksten von den Parasiten betroffenen Arten auf den Galapagosinseln. – (c) Michael Dvorak

Die Vögel, die Charles Darwin 1835 erstmals auf den Galapagosinseln beobachtete, werden von einem aggressiven Parasiten heimgesucht, der sie in kürzester Zeit ausrotten könnte – auch deshalb, weil sich die Blutsauger evolutionär schneller verändern als ihre Opfer.

Von Wolfgang Däuble | Die Presse.com

Die Fliege kommt, sobald die Küken geschlüpft sind: Sie legt ihre Eier in die Nasenlöcher der Neugeborenen, dort schlüpfen die Larven, die sogleich damit beginnen, den Neugeborenen das Blut aus den Schnäbeln zu saugen. Ab dem zweiten Larvenstadium wandern die Parasiten dann in den dicken, weichen Nestboden, aus dem sie nachts wieder hervorkriechen, um sich an der wehrlosen Vogelbrut zu laben – vergeblich steigen die winzigen Küken übereinander, um den schmerzhaften Stichen zu entgehen. Die Maden saugen sich an ihren Bäuchen fest und lassen nicht eher locker, bis sie sich vollgesogen haben.

„Alle Nester der siebzehn Arten von Darwinfinken sind betroffen“, schildert Sabine Tebbich, Evolutionsbiologin der Abteilung für Kognitionsbiologie der Uni Wien, die dramatische Lage auf den Galapagosinseln. „Die Anzahl der Larven ist extrem hoch, 70, 80 Larven haben wir pro Nest gezählt. Diese Parasiten werden bis zu zwei Zentimeter lang, ein Küken wiegt aber nur ein paar Gramm – das hat keine Chance.“

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