Einsatzleiter der „Alan Kurdi“: „Italien konterkariert internationales Recht“


An Bord der „Alan Kurdi“: „Italien konterkariert internationales Recht“ Video: FAZ.NET

Im F.A.Z.-Interview kritisiert der Einsatzleiter auf dem Rettungsschiff „Alan Kurdi“ vor Lampedusa die Regierungen in Rom und Valletta scharf. Es sei schwierig, jemanden zu finden, der „Verantwortung für Menschen in Not“ übernehmen wolle.

Von Julia Anton | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gorden Isler ist Vorsitzender der Hilfsorganisation Sea-Eye und Einsatzleiter auf der „Alan Kurdi“, die am Freitag vor Libyen 65 Flüchtlinge aufgenommen hat. Das Schiff liegt derzeit ungefähr 13 Meilen vor der italienischen Insel Lampedusa, die Einfahrt in die 12-Meilen-Zone wurde dem Schiff von der italienischen Regierung ausdrücklich verboten. Derzeit sei das Wetter auf See gut und die Situation an Bord „stabil“, sagt Isler im Interview mit unserer Reporterin Julia Anton, die als einzige deutsche Journalistin auf der „Alan Kurdi“ ist. „Akut gibt es keine Notsituation und keine großen medizinischen Probleme.“ Aber es gebe 39 minderjährige Flüchtlinge an Bord, die besonders schutzbedürftig seien. Deshalb sei es wichtig, dass es „möglichst schnell zu einer einvernehmlichen europäischen Lösung“ komme.

Isler macht der Rettungsleitstelle in der libyschen Hauptstadt Tripolis schwere Vorwürfe. Sie sei nicht in der Lage, ihre Verantwortung wahrzunehmen. So sei die Rettungsleitstelle nach der Aufnahme der Flüchtlinge am Freitag fünf Stunden nicht für die „Alan Kurdi“ ansprechbar gewesen, so Isler. Auch die Regierungen in Rom und in Valletta kritisiert er im F.A.Z.-Interview scharf. So habe die „Alan Kurdi“ nicht nur in Rom um Unterstützung gebeten, sondern auch in der maltesischen Hauptstadt, die ebenfalls nicht weit entfernt liegt. „Wir sind jetzt also in einem Dreieck, wo es schwierig ist, jemanden zu finden, der sich für Menschen in Not verantwortlich fühlt“, sagt Isler.

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