Der längste Aufschwung in Amerikas Geschichte hat einige Schönheitsfehler


In den USA werden weiterhin viele Jobs geschaffen. Die Aufnahme zeigt ein Produktionswerk von Ford in Chicago. (Bild: Amr Alfiky / AP)

Amerikas Wirtschaft wächst seit 121 Monaten ohne Unterbruch. Das ist ein Rekord. Doch der Aufschwung ist teuer erkauft.

Thomas Fuster | Neue Zürcher Zeitung

Die USA sind in Festlaune. Das hat nicht nur mit dem Unabhängigkeitstag zu tun, der diese Woche mit besonders viel patriotischem Pomp über die Bühne ging. Zu feiern gibt es auch den längsten Wirtschaftsaufschwung in der Geschichte des Landes. So expandiert die weltgrösste Volkswirtschaft seit nunmehr 121 Monaten in Folge. Der Aufschwung, der im Juni 2009 eingesetzt hat, be­weist damit mehr Ausdauer als der zwischen 1991 und 2001 beobachtete Boom, der bisher den Rekord bezüglich Langlebigkeit hielt. Dass sich Donald Trump den Erfolg ans eigene Revers heftet, überrascht kaum. Nur Kleinkrämer und Spielverderber erinnern den Präsidenten daran, dass er erst seit zweieinhalb Jahren im Weissen Haus sitzt.

Kraftlose Expansion

Die Leistung der USA soll nicht geschmälert werden. Dennoch gibt es einige Wermutstropfen. So war der Aufschwung der vergangenen Jahre deutlich kraftloser als die Expansion der 1990er Jahre, die grösstenteils mit der Amtszeit von Bill Clinton zusammenfiel. Während Amerikas Wirtschaft im «Clinton-Boom» um 43 Prozent zulegte, beträgt das Plus im derzeitigen Zyklus nur 25 Prozent. Nach Massgabe des Wachstums pro Jahr befinden sich die USA im schwächsten Aufschwung der Nachkriegszeit. Diese Trägheit dürfte nicht zuletzt mit den – bis heute anhaltenden – Aufräumarbeiten im Zuge der Finanzkrise zu tun haben.

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