Lieber Suizid als Abschiebung


»18. April 2018: Justizvollzugsanstalt Bremervörde im niedersächsischen Landkreis Rotenburg an der Wümme. An der Tür des Nassbereichs seiner Zelle erhängt sich ein irakischer Flüchtling mit seinen Schnürsenkeln. Er wird erst gefunden, nachdem die Leichenstarre bereits eingesetzt hat.

Peter Nowak

Der psychologische Dienst hatte zuvor eine Suizidabsicht verneint. Der Mann hinterlässt sieben Kinder im Alter von elf bis 15 Jahren.« Zahlreiche solcher Meldungen über Selbstmorde oder Selbstmordversuche von Flüchtlingen finden sich in der 26. Ausgabe der Dokumentation.…

»Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen«, die kürzlich von der Antirassistischen Initiative (ARI) in Berlin herausgegeben wurde, herunterladbar unter www.ari-dok.org.

Die regelmäßigen Abschiebungen nach Afghanistan sorgen in der Öffentlichkeit kaum noch für Aufmerksamkeit. Für die Geflüchteten sind sie eine Quelle der Angst.

Elke Schmidt begann das Projekt 1993 mit einer Mitstreiterin. Damals hatte sich der Onkel eines verschwundenen tamilischen Flüchtlings an die ARI gewandt. Die Organisation forschte nach und fand heraus, dass er mit acht anderen Tamilen beim Grenzübertritt in der Neiße ertrunken war. Seither sammelt das kleine Team Nachrichten über Todesfälle, Misshandlungen und Gewalt, die in direktem Zusammenhang mit der deutschen Flüchtlingspolitik stehen. Alle veröffentlichten Meldungen werden von mindestens zwei Quellen gestützt. Die Recherche ist für das Team häufig schwierig, weil die Polizei und andere Behörden oft nicht besonders auskunftsfreudig sind. Nach Schmidts Angaben hat sich die Zahl der Suizide von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren auf durchschnittlich etwa 30 im Jahr erhöht, Suizidversuche und Selbstverletzungen gibt es jährlich etwa 400. Von 1993 bis 2018 wurden 288 Selbsttötungen von Flüchtlingen registriert.

weiterlesen