Philosophie ganz ohne Bart


Die Ermordung der Philosophin Hypathia (4. Jahrhundert). Viele weibliche Intellektuelle vor und nach ihr blieben gänzlich unbekannt. Dass aber Frauen schon immer eine Rolle in der Philosophie spielten, zeigt ein mehr als 300 Jahre altes Buch. (Imago / Leemage)

Sinnbildlich für die Philosophie steht die antike Männerbüste: bärtig, in Denkerpose. Gilles Ménages „Geschichte der Philosophinnen“ aus dem 17. Jahrhundert zeigt: Philosophie war schon immer auch weiblich. Erstmals ist das Buch nun auf Deutsch erschienen.

Von Catherine Newmark | Deutschlandfunk Kultur

Die Geschichte der Philosophie wird gerne entlang von großen toten Männern erzählt: Platon, Aristoteles, Descartes, Kant, Hegel usw. Dass Frauen kaum auftauchen, fällt den meisten schon längst nicht mehr auf. Und wer drei Philosophinnen nennen soll, denkt meist an solche aus dem 20. Jahrhundert, als sich die Lebensverhältnisse so weit modernisiert und die akademischen Institutionen so weit geöffnet hatten, dass die Philosophie Frauen offen stand: Simone de Beauvoir, Hannah Arendt, Judith Butler.

Versuch, weibliche Intellektuelle sichtbar zu machen

Dass auch frühere Jahrhunderte – und das bis zurück zu den alten Griechen und damit den Ursprüngen der westlichen Philosophie – voller philosophierender Frauen waren, hat die „Frauenforschung“ seit den 1970er- und 1980er-Jahren immer wieder gezeigt. Gerade für die feministischen Philosophinnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es wichtig zu betonen, dass es natürlich auch Vorläuferinnen gegeben hat, und dass diese zu Unrecht vergessen wurden. So wurden in den letzten Jahrzehnten viele weibliche Denkerinnen wiederentdeckt: von der antiken Philosophin Hypathia über die mittelalterliche Feministin Christine de Pizan bis zur Naturphilosophin Margaret Cavendish im 17. Jahrhundert.

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