Rastlos sind wir unterwegs. Wir glauben, zum Vergnügen zu reisen, aber tun es unter Zwang


Von aussen ist den Zelten nichts Besonderes anzusehen. Umso schärfer aber unterscheiden sich ihre Bewohner von campierenden Touristen. (Bild: Carlos Jasso / Reuters)

Die Ruhelosigkeit der Gegenwart ist ohne jedes Mass. Nie wurde mehr geflogen, nie mehr gereist. Und nie flohen mehr Menschen. Ist daraus etwas zu lernen?

Roman Bucheli | Neue Zürcher Zeitung

Neuerdings sieht man auf den Rasenstreifen an den Pariser Ausfallstrassen Zelte. Es sind Flüchtlinge, die hier campieren, unterwegs von irgendwoher, unterwegs irgendwohin; vielleicht sind sie gestrandet, vielleicht warten sie auf Arbeit oder auf eine Reisegelegenheit. Wer weiss, ob sie morgen schon nach irgendwo zurückgeschafft werden. Um in Wochen- oder Monatsfrist wieder an derselben Stelle anzulangen.

Immer schon gab es im Bois de Boulogne einen Campingplatz, und wer Glück hat und an der Wasserfront einen Platz ergattert, sieht auf die träge fliessende und still stinkende Seine hinunter. Ein kurzes Stück flussaufwärts donnert es von der sechsspurig befahrenen Brücke hinüber nach Suresnes, am gegenüberliegenden Ufer dröhnt der Verkehr über den Quai Gallieni. Viel billiger übernachtet man nirgends in Paris.

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