California Nightmare


AKW Diablo Canyon. Bild: Doc Searles/ CC BY-SA-2.0

Die AKW Diablo Canyon und San Onofre befinden sich in den erdbebengefährdeten Gebieten und gehörden zu den gefährdetsten der Welt

Detlef zum Winkel | TELEPOLIS

Vor einem „apokalyptischen Horror“ warnt Harvey Wasserman, Solar- und Greenpeaceaktivist aus Columbus (Ohio), nach den beiden Erdbeben vom 5. und 6. Juli, die sich mit einer Stärke von 6,4 bzw 7,1 in Ridgecrest, etwa 200 km nördlich von Los Angeles, ereigneten.

Es geht um das Atomkraftwerk Diablo Canyon bei San Luis Obispo mit seinen beiden über 30 Jahre alten Druckwasserreaktoren. Genauso lange dauert auch der heftige Streit um das Erdbebenrisiko, dem das AKW in 50 km Entfernung vom berüchtigten San Andreas Graben ausgesetzt ist. Im Jahr 2016 sicherte die Pacific Gas and Electric (PG&E) als Betreiber zu, keine Verlängerung der bis 2024 bzw. 2025 laufenden Betriebsgenehmigungen zu beantragen. Die Umweltorganisation Friends of the Earth zeigte sich zufrieden. Das aktuelle Geschehen stellt diesen Kompromiss allerdings massiv in Frage.

Das zweite kalifornische AKW, San Onofre, ist den gleichen Gefahren ausgesetzt. Es wurde 2013 stillgelegt, weil es sich insgesamt in einem schlechten Zustand befand. Dort lagern allerdings immer noch an die 60 Stahlbehälter zu je 54 Tonnen mit Atommüll, idyllisch in Strandnähe platziert. Diablo Canyon und San Onofre gehören sicherlich zu den Top Ten der am meisten gefährdeten (zivilen) Nuklearanlagen der Welt.

Hätten sich die Beben von Ridgecrest 250 km weiter im Westen ereignet, schreibt Wasserman, wären zehn Millionen Menschen in Los Angeles möglicherweise von einer Strahlenwolke bedroht worden. Denn die beiden rissigen, versprödeten, nicht gewarteten, nicht versicherten und durch die Atomaufsicht nicht inspizierten Reaktoren von Diablo Canyon hätten ihnen kaum widerstehen können. Wasserman erinnert daran, dass Wartungsdefizite an Gas- und Elektrizitätsleitungen von PG&E bereits zu Bränden und Explosionen in Nordkalifornien geführt haben.

PG & E befindet sich in der Insolvenz und ist schon deshalb ungeeignet, zwei alternde Atomreaktoren abzuwickeln, die auf einer seismischen Gefahrenzone errichtet sind. Im näheren Umkreis um das Kraftwerk wurden mindestens ein Dutzend geologische Verwerfungslinien festgestellt, eine davon nur 5 km entfernt.

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