Die Gefahr heftiger Erdbeben in Istanbul ist gross – unterseeische Messungen bestätigen das jetzt


Aufgrund der Nordanatolischen Verwerfung ist die Megastadt Istanbul von schweren Erdbeben bedroht. (Bild: Konevi/Pixabay)

Direkte Messdaten zur tektonischen Verschiebung im Meer vor Istanbul fehlten bis anhin. Sie helfen jetzt, die Bedrohung durch Erdstösse realistisch einzuschätzen.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Dass die Metropole am Bosporus von Erdbeben bedroht ist, wissen die Einwohner schon lange. Die Gefahr geht von der Nordanatolischen Verwerfung aus, Wissenschafter warnen immer wieder davor. Es gibt auch schon Schätzungen, wie gross das nächste schwere Erdbeben werden könnte: Man rechnet mit einer Magnitude von mehr als 7,0 und Tausenden Todesopfern. Die Schätzungen hatten bis anhin aber ein Manko: Sie beruhten auf Messungen an Land und mit Satelliten. Doch die Verwerfung zieht sich südlich der Stadt unter dem Marmarameer hindurch, was die direkte Überwachung erschwert.

Jetzt hat ein Team um Dietrich Lange und Heidrun Kopp vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zusätzlich Daten vom Meeresgrund ausgewertet. Demnach hat sich dort seit dem letzten schweren Beben im Jahr 1766 viel Spannung aufgebaut. Sie ist gross genug, um künftig Erschütterungen der Magnitude 7,1 bis 7,4 hervorzurufen, wie die Forscher im Wissenschaftsmagazin «Nature Communications» berichten.

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