Russischer Wissenschaftler will mit CRISPR Kinder von angeborener Taubheit befreien


Denis Rebrikov beim Erklären seiner Methode. Screenshot

Denis Rebrikov hat bereits 5 Paare für sein Vorhaben des Genome Editing gefunden, als erster hatte der Chinese He Jiankui Ende 2018 die ersten genveränderten Kinder vorgestellt und weltweite Proteste ausgelöst

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Der russische Molekularbiologe Denis Rebrikov, der am Nationalen Medizinforschungsinstitut Kulakov für Geburtshilfe, Gynäkologie und Perinatologie ein Labor für Gene Editing leitet und an der Russischen Nationalen Medizinforschungsuniversität Pirogov in Moskau arbeitet, hatte gegenüber Nature Anfang Juni erklärt, er wolle mit der Genschere CRISPR veränderte Embryos, die gegen AIDS geschützt sind, herstellen und in den Uterus von Frauen einpflanzen. Damit würde er nach dem Chinesen He Jiankui der zweite Wissenschaftler werden, der mit dieser Technik an Menschen experimentiert.

He Jiankui hatte im November des letzten Jahres bekannt gegeben, dass zwei Mädchen geboren wurden, bei denen er mit CRISPR das Gen CCR5 verändert hat, um sie gegen HIV immun zu machen (Erste Kinder angeblich geboren, die mit Gene Editing behandelt wurden). Nach der Bekanntgabe gab es einen großen Aufschrei, unklar blieb, wie weit seine Forschung von Behörden bzw. der Universität gedeckt war (Hat He wirklich eigenmächtig gehandelt?, China auf der Überholspur bei klinischen Versuchen mit neuer Gentherapie?). Man distanzierte sich jedenfalls schnell von ihm, er soll sich seitdem in Hausarrest befinden (Der chinesische Gene-Editing-Tabubrecher ist untergetaucht oder isoliert worden).

Die chinesische Regierung will die Forschung am Menschen gesetzlich regulieren, das wurde zumindest angekündigt, einige Regulierungen sind bereits erlassen worden. Aber seitdem herrscht Schweigen. He hatte erklärt, dass noch eine weitere Frau mit einem genveränderten Kind schwanger sei, der Mediziner William Hurlbut von der Stanford University, der in regelmäßigen Kontakt mit He gestanden haben will, bestätigte dies. Ob es wirklich im November in den Uterus eingepflanzt wurde, ob es bereits geboren wurde oder die Geburt kurz bevorsteht, ist nicht bekannt, die chinesische Regierung schweigt, will vielleicht nicht erneut deswegen Aufsehen und Ablehnung erregen. Spekuliert wird, ob der Eingriff auch die kognitiven Fähigkeiten der Mädchen optimiert haben könnte.

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