Wie die AfD seit 2015 nach rechts gerückt ist

Studie zum Rechtsruck der Alternative für Deutschland (AfD) und ihrer Wähler zwischen 2013 und 2017 auf der Basis von Facebook-Analysen und der Deutschen Wahlstudie

Petra Giegerich Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Während Machtkämpfe in der AfD und Kontroversen um ihre künftige Ausrichtung gerade wieder Schlagzeilen machen, zeigt eine neue Studie, wie sich die Partei in ihren Anfangsjahren von einer gemäßigten zu einer rechtsradikalen politischen Organisation gewandelt hat. Die Studie zeichnet die Entwicklung in den Jahren von 2013 bis 2017 anhand einer Analyse des Facebook-Auftritts der AfD und Daten der Deutschen Wahlstudie nach. Die Politikwissenschaftler Prof. Dr. Kai Arzheimer und Dr. Carl Berning von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zeigen, dass sich die AfD noch vor der sogenannten Flüchtlingskrise im Spätsommer 2015 ein neues Profil gegeben hat und ihre Wählerschaft praktisch gleichzeitig nach rechts wanderte – und seither mit dem Prototyp rechtsradikaler Wähler in anderen westeuropäischen Ländern vergleichbar ist. Diese parallele Entwicklung von Partei und Wählern hat in Verbindung mit der ansteigenden Bedeutung und Wahrnehmung von Immigration den Aufschwung der Partei begründet. Lag die AfD z.B. im ZDF-Politbarometer vom Juni 2015 noch deutlich unter 5 Prozent, konnte sie bereits im Oktober 2015 in derselben Umfrage wieder 6 Prozent erreichen und überschritt zum Jahresende die 10-Prozent-Marke.

Seit den 1980er Jahren sind rechtsradikale Parteien in den meisten westeuropäischen Ländern zu einem festen Bestandteil der politischen Landschaft geworden. Diesem Trend hat sich Deutschland jahrzehntelang entzogen. „Parteien rechts von CDU und FDP konnten ab und zu auf Landesebene punkten, aber extrem rechte Politiker standen in Deutschland vor hohen politischen und sozialen Hürden und hatten auf nationaler Ebene keinen nennenswerten Erfolg“, erklärt Kai Arzheimer, Leiter der Abteilung Innenpolitik und Politische Soziologie an der JGU. Diese deutsche Ausnahmesituation hat sich erst vor Kurzem geändert, als die AfD bei den Bundestagswahlen 2017 mit 12,6 Prozent der Stimmen in den Bundestag einzog.

Wandel von eurokritischer, bürgerlicher Partei zu rechtsradikaler Gruppierung

Dabei war die AfD nicht von Anfang an als rechtsradikale Partei gestartet, sondern als eurokritische, bürgerliche Partei, die ökonomischen Liberalismus und sozialkonservative Elemente vertrat. Ihre Mitglieder und Funktionäre rekrutierte die Partei aus enttäuschten Vertretern der deutschen Elite, darunter viele Professoren, Rechtsanwälte, Ärzte und ehemals Mitte-rechts-orientierte Politiker. Diese erste Garde der AfD vermied jeden Bezug zum Nationalsozialismus und Nachkriegs-Rechtsextremismus, aber auch zu modernen rechtsradikalen Parteien in anderen europäischen Ländern. Erst mit der Abwahl von Parteisprecher Bernd Lucke im Juli 2015 setzten sich die Vertreter eines populistischen Kurses in der AfD durch und stellten Immigration, Flüchtlinge und Islam als ihre neuen Kernthemen in den Mittelpunkt.

„Der Social-Media-Auftritt der AfD zeigt, wie sich der Fokus ändert und von den Themen Europa und Griechenland auf Islam und Immigration verlagert“, so Arzheimer. „Wir fanden interessant, dass diese Neuausrichtung schon begonnen hatte, noch bevor Flüchtlinge nach Deutschland kamen.“ Mit der zunächst kaum regulierten Aufnahme von mehreren Hunderttausend Asylsuchenden im Spätsommer 2015 stieg automatisch die Bedeutung des Themas in der Öffentlichkeit – womit sich die Neuausrichtung der AfD seit dieser Zeit als erfolgreich erweist. „Die Führungskrise im Jahr 2015 und die politische Neuausrichtung hätten zum Untergang der AfD führen können, aber der Zustrom von Flüchtlingen spielte den Rechtsradikalen in die Hände und ihr Hauptthema stand plötzlich ganz vorn in der öffentlichen Wahrnehmung“, schreiben Arzheimer und Berning in der Studie, die in der Fachzeitschrift Electoral Studies erschienen ist.

Dramatische Veränderung bei den Motiven der AfD-Wähler: Einstellung zu Migration wird entscheidend

Gleichzeitig mit der Neuausrichtung änderte sich auch die Wählerschaft der Partei: von den anfänglich gemäßigten, euroskeptischen Unterstützern aus einem bereiten politischen Spektrum hin zu Wählern am rechten Rand, für die die Zuwanderung alle anderen Themen überlagert. „Insgesamt zeigen uns die Daten der Deutschen Wahlstudie, dass sich die Wähler der AfD verändert haben und nun dem Prototyp des westeuropäischen populistischen, rechtsradikalen Wählers entsprechen“, sagt Arzheimer mit einem Hinweis darauf, dass Deutschland damit eine Entwicklung vollzog, die in den Nachbarländern Österreich, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Dänemark bereits viel früher eingesetzt hat. Heute seien die rechtsorientierten Parteien dieser Länder vergleichbar, wie auch ihre Bemühungen um Kooperation im Europäischen Parlament zeigten.

Der Erfolg der AfD, wie er sich bei der Bundestagswahl 2017 dann einstellt, geht offenbar nicht auf eine Zunahme zuwanderungskritischer Stimmungen per se zurück. Obwohl 2015 und 2016 eine große Zahl von Asylbewerbern nach Deutschland kam, hat sich zwischen 2013 und 2017 die Haltung in Sachen Immigration gegenüber dem langjährigen Durchschnitt nicht wesentlich verändert, so die Analyse der Daten aus der Deutschen Wahlstudie. Was sich allerdings verändert hat, ist die Bedeutung der Haltung zu Immigration, das heißt die Relevanz des Themas für die politische Diskussion und für die Wahl der AfD: Wichtigstes Motiv für die Unterstützung der AfD wird jetzt der Einsatz für eine restriktive Immigrationspolitik.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen nach Darstellung der Autoren Erkenntnisse aus anderen europäischen Ländern, wonach die ablehnende Haltung gegenüber Immigration ausschlaggebend ist. Wie andere rechtsgerichtete Parteien auch konnte die AfD ihre Anhänger mobilisieren, indem sie die Gefahr einer ethnischen Bedrohung skizzierte. Die soziodemografische Analyse deutet darauf hin, dass vor allem Menschen, die sich selbst als benachteiligt empfinden und durch Modernisierungsprozesse verunsichert sind, von der AfD angezogen sind.

In einem Fazit regen Arzheimer und Berning an, bei künftigen Forschungsarbeiten vermehrt Social-Media-Daten zu nutzen. „Die Analyse von Social-Media-Auftritten gibt uns ein besseres Verständnis davon, wie populistische Parteien versuchen, an den traditionellen Medien vorbei mit ihren Anhängern zu kommunizieren. Damit können wir die Selbstdarstellung solcher Akteure besser einordnen“, so die beiden Autoren.

Weiterführende Links:
https://innen.politik.uni-mainz.de/ – Innenpolitik und Politische Soziologie
https://www.gesis.org/wahlen/gles/wahlstudie/ – Deutsche Wahlstudie

Lesen Sie mehr:
http://www.uni-mainz.de/presse/74485.php – Pressemitteilung „Neue Studie untersucht Einstellung von Bürgern bei Liberalisierung von Präimplantationsdiagnostik“ (17.02.2016)
http://www.uni-mainz.de/presse/43833.php – Pressemitteilung „Vermittlung der Rente mit 67 in Deutschland misslungen?“ (24.03.2011)


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Kai Arzheimer
Innenpolitik und Politische Soziologie
Institut für Politikwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-23763
Fax + 49 6131 39-23729
E-Mail: arzheimer@politik.uni-mainz.de
https://innen.politik.uni-mainz.de/univ-prof-dr-kai-arzheimer/


Originalpublikation:

Kai Arzheimer, Carl C. Berning
How the Alternative for Germany (AfD) and their voters veered to the radical right, 2013–2017
Electoral Studies, 18. Mai 2019
DOI: 10.1016/j.electstud.2019.04.004
https://doi.org/10.1016/j.electstud.2019.04.004


SPD darf Thilo Sarrazin ausschliessen

Thilo Sarrazin (Bild: Richard Hebstreit, CC-BY)

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin kann aus der SPD ausgeschlossen werden. Das entschied die zuständige Schiedskommission Charlottenburg-Wilmersdorf. Sarrazin kann gegen das Urteil Einspruch einlegen.

Neue Zürcher Zeitung

Heute hat uns die Schiedskommission mitgeteilt, dass unserem Antrag, Thilo Sarrazin aus der SPD auszuschließen, stattgegeben wird. #Sarrazin #SPD pic.twitter.com/EdFhI3Afzr— Lars Klingbeil 🇪🇺 (@larsklingbeil) 11. Juli 2019

Jeder Zweite nimmt Islam als Bedrohung wahr

Muslimische Frauen mit Kopftüchern verfolgen in Berlin den Beginn der Islamkonferenz.(Foto: dpa)
  • Etwa die Hälfte der Bundesbürger nimmt einer Studie zufolge den Islam als Bedrohung wahr; nur ein Drittel der Bevölkerung nimmt ihn als Bereicherung wahr.
  • Unter Menschen, die keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben, ist eine ablehnende Haltung besonders stark verbreitet.
  • Wie aus der Studie außerdem hervorgeht, hält die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung – über alle Religionen hinweg – die Demokratie in Deutschland für eine gute Regierungsform.

Süddeutsche Zeitung

Eine Mehrheit der Deutschen sieht den Islam nicht als Bereicherung. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach sprächen zwar etwa 70 Prozent anderen Religionen einen Wahrheitsgehalt zu und seien somit als religiös tolerant anzusehen. Doch nur knapp jeder Zweite in Deutschland meine, dass religiöse Pluralität die Gesellschaft bereichere. Den Islam betrachte nur ein Drittel der Bevölkerung als Bereicherung, so die Studie. Christentum, Judentum, Hinduismus und Buddhismus würden hingegen von einer Mehrheit als bereichernd empfunden.

weiterlesen

Nemo will nicht gefunden werden

Nicht einmal im Meer ist man vor der Lichtverschmutzung sicher.Foto: APA/AFP/WILLIAM WEST

Lichtverschmutzung wirkt sich sogar unter Wasser aus: Baby-Clownfische schlüpfen nicht, wenn es zu hell ist

derStandard.at

Die Lichtverschmutzung des Himmels durch künstliche Beleuchtung ist ein wachsendes Problem. Einige Folgerscheinungen leuchten unmittelbar ein – etwa dass Sternwarten in Stadtgebieten nur noch eine stark eingeschränkte Sicht haben oder dass Fluginsekten und Zugvögel in ihrer Navigation gestört werden. Andere Folgen klingen auf den ersten Blick überraschend – wie die, von der nun Forscher der Flinders-Universität im australischen Adelaide berichten.

Das Forscherteam stellte nämlich fest, dass die Lichtverschmutzung sogar Meeresbewohner betreffen kann. Demnach könnte die zunehmende Nachthelligkeit in den Meeresriffen die Fortpflanzungsraten stark beeinträchtigen, wie ein Experiment mit Clownfischen – allgemein bekannt geworden durch den Film „Findet Nemo“ – nahelegt.

weiterlesen

Schweizer Studie prognostiziert eine drastische Erwärmung der Metropolen der Welt

Laut der Studie würde das Klima in Paris im Jahr 2050 den im australischen Canberra herrschenden Bedingungen entsprechen. (Bild: Lewis Joly / AP)

Die Metropolen der Welt müssen sich einer Studie der ETH Zürich zufolge auf eine drastische Erwärmung des Stadtklimas einstellen. 77 Prozent der 520 grössten Städte würden bis zum Jahr 2050 einen deutlichen Wandel der klimatischen Bedingungen erleben, heisst es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie von Wissenschaftern der ETH Zürich.

Neue Zürcher Zeitung

Auf der Nordhalbkugel würden in Grossstädten künftig Klimabedingungen herrschen, wie sie heute mehr als tausend Kilometer weiter südlich vorherrschen, heisst es in der im US-Wissenschaftsmagazin «Plos One» abgedruckten Studie.

22 Prozent der Städte müssen sich demnach sogar auf völlig neue Klimaverhältnisse einstellen. In europäischen Metropolen werden die Sommer um 3,5 Grad wärmer, die Temperaturen im Winter steigen um 4,7 Grad. London wird demnach Verhältnisse bekommen wie heute Madrid, das Klima in Paris wird den heute im australischen Canberra herrschenden Bedingungen entsprechen.

weiterlesen

Bullshistic: Sein Gott schickt ihn ins Wachkoma, jetzt soll er helfen

Vincent Lambert wird seit einigen Tagen nicht mehr künstlich ernährt. Sein Tod sei jetzt unvermeidlich, schreiben Lamberts Eltern. Deshalb ruft der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, zum Gebet für den Wachkomapatienten auf.

katholisch.de

Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit ruft zum Gebet für den Koma-Patienten Vincent Lambert auf. „Jetzt ist die Zeit für Erinnerung, Mitgefühl und Gebet für Vincent Lambert“, twitterte Aupetit am Mittwoch. Daher sollten in diesen Tagen Gottesdienste für den 42-Jährigen gefeiert werden.

Papst Franziskus forderte über Twitter zum Gebet auf „für die Kranken, die im Stich gelassen und dem Tod ausgeliefert werden“. Eine Gesellschaft sei menschlich, „wenn sie jedes Leben schützt, ohne bestimmen zu wollen, wer würdig ist zu leben und wer nicht“, schrieb der Papst, ohne konkret auf den Fall des Franzosen einzugehen, und weiter: „Ärzte sollen dem Leben dienen und es nicht nehmen.“

weiterlesen

Virengene als Auslöser von Multiple Sklerose und Co?

Acht Prozent unseres Genoms besteht aus Virengenen. © Svisio/ thinkstock

Heimliche Krankmacher: Urzeitliche Virengene in unserem Erbgut könnten bei der Entstehung neurologischer Erkrankungen mitmischen. Wie Forscher berichten, scheint es einen Zusammenhang zwischen endogenen Retroviren und Krankheiten wie Multiple Sklerose, ALS und Schizophrenie zu geben. Demnach könnte eine Reaktivierung dieser „schlafenden“ Erreger in unserem Genom schädliche Mechanismen in Gang setzen.

scinexx

Das menschliche Erbgut enthält eine Reihe von Sequenzen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben: Gene und Genfragmente von Viren. Sie sind unserem Genom enthalten, weil unsere Vorfahren irgendwann einmal von sogenannten Retroviren infiziert wurden – Erregern, die ihr Erbgut in das Genom ihres Wirts einfügen.

weiterlesen

Türkischer Bericht über Medien: Deutsche Welle legt Beschwerde ein

Bild: Magazin „The Economist“

Die Deutsche Welle hat sich bei der türkischen Regierung scharf über den Bericht einer regierungsnahen Denkfabrik zu internationalen Medien im Land beschwert.

derStandard.at

In der 202 Seiten langen Studie des Thinktanks Seta wird deutschen, türkischen und internationalen Journalisten vorgeworfen, „regierungsfeindlich“ und einseitig zu berichten. Der Bericht liest sich teilweise wie eine Anklageschrift.

Die Autoren nennen einzelne Journalisten namentlich, analysieren ihren Werdegang und zeigen Screenshots von Tweets. Der Deutschen Welle allein sind rund 30 Seiten gewidmet.

In einem Brief an den türkischen Botschafter in Berlin, der der Deutschen Presseagentur vorliegt, schrieb Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg am Mittwoch, die „pseudowissenschaftliche“ Studie sei „ein grober Angriff“ auf die Pressefreiheit: „Dass Redakteure der DW in der Studie namentlich genannt werden, kann (…) nur als Versuch gewertet werden, sie persönlich zu diskreditieren, einzuschüchtern und damit in ihrer journalistischen Arbeit zu behindern.“

weiterlesen

Klimaschutz: CDU-Chefin laviert herum

Symbolbild: Pixabay License

Die Energie- und Klimawochenschau: AKK will die Klimaproteste aussitzen, in Sibirien und Alaska brennen die Wälder und Alaskas Gouverneur findet Forschung unwichtig

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer äußert sich im ZDF-Sommerinterview (ab Minute 6:30) zum Klimaschutz, schafft es allerdings dabei, weder die Pariser Klimaschutzübereinkunft und die darin festgehaltenen Ziele zu erwähnen noch die seit über einem halben Jahr anhaltenden weltweiten Proteste der Schüler.

In der französischen Hauptstadt hatten sich 2015 die Staaten nach Jahre langem zähen Ringen darauf verständigt, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, sie unter 1,5 Grad Celsius zu halten.

Auch die deutschen Klimaschutzziele für 2020 (Reduktion der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990) lässt die CDU-Chefin unerwähnt. Die aktuelle Bundesregierung hatte bereits vor eineinhalb Jahren in ihrem Koalitionsvertrag zu erkennen gegeben, dass sie keinen Finger für sie zu rühren gedenkt. Lediglich vom Klima-Ziel für 2030 (55 Prozent Reduktion gemessen an 1990) spricht Kramp- Karrenbauer.

Dieses Ziel solle „mit Marktwirtschaft, mit Technologie“ erreicht werden. Die Bundesregierung werde im September eine „Klimaschutzgesetzgebung“ vorlegen. Allerdings sind sowohl das 2030er Ziel als auch die ebenfalls unerwähnt bleibenden langfristigeren Ziele für 2040 und 2050 weit davon entfernt, Deutschlands aus der Pariser Übereinkunft und der UN-Klimaschutzrahmenkonvention erwachsende Verpflichtungen zu erfüllen.

Oder mit anderen Worten: Von den CO2-Emissionen, die sich die Welt noch erlauben kann, um das Ziel der Pariser Übereinkunft einzuhalten, stehen Deutschland 6,9 Milliarden Tonnen zu. Emittiert werden hier jährlich rund 800 Millionen Tonnen. (Im Einzelnen hat das Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung hier vorgerechnet.)

weiterlesen

Schuster: Deutsche haben kein Problembewusstsein für Antisemitismus

Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)

Nach Ansicht des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, gibt es „definitiv kein Problembewusstsein zum Antisemitismus“ in der deutschen Gesellschaft.

evangelisch.de

Es herrsche vielmehr die Haltung vor: „Ich nehme zur Kenntnis, was da passiert ist. Darum soll sich die Politik kümmern“, sagte Schuster am Dienstagabend während einer Veranstaltung der Universität Würzburg.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, war auch der Ansicht, dass man ein Problembewusstsein wecken müsse.

weiterlesen

Gravitation: Alternative zu Einstein?

Diese Galaxie entstand in einer Simulation unter den Bedingungen einer modifizierten Relativitätstheorie, bei der sich die Gravitation mit der Materiedichte verändert (links Aufsicht, rechts Seitenansicht). © Christian Arnold, Baojiu Li/ Durham University

Veränderliche Gravitation? Physiker haben erstmals die Gültigkeit einer alternativen Version der Allgemeinen Relativitätstheorie für die Galaxienbildung getestet. Demnach wäre die Gravitation im Gegensatz zu Einsteins Modell nicht konstant, sondern würde sich je nach Materiedichte verändern. Die neue Simulation belegt, dass selbst unter diesen Umständen die bekannten Galaxienformen und -eigenschaften zustande kommen können, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Astronomy“ berichten.

scinexx

Die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein bildet bis heute die Grundlage unseres physikalischen Weltbilds. In ihr beschrieb er die Gravitation und ihre Wirkungsweise auf völlig neue Art – als eine direkte Folge der Raumzeit-Geometrie. Seither hat Einsteins Theorie ihre Gültigkeit in unzähligen Tests bewiesen, sei es in der Gravitations-Rotverschiebung, beim Äquivalenzprinzip und auch in extragalaktischen Skalen.

weiterlesen

Französische Stadt setzt flächendeckend auf Tempo 30

In Zürich sind bereits eine Vielzahl von Zonen mit Beschränkung auf 30 km/h festgelegt. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

In immer mehr Städten suchen die Verantwortlichen nach Lösungen, um den Autoverkehr zu reduzieren. Im südlich von Bordeaux gelegenen Bègles entschied sich der Bürgermeister für einen radikal anmutenden Schritt.

Martin Jungfer | Neue Zürcher Zeitung

Es ist so einfach wie konsequent: Seit Montag gilt auf allen Strassen der 27 000-Einwohner-Stadt Bègles eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde. Initiiert und umgesetzt hat die Massnahme der grüne Bürgermeister Clément Rossigno Puech. Bègles ist die erste Stadt dieser Grösse in Frankreich, die auf ein solches Tempolimit setzt. Der Bürgermeister will laut Nachrichtenagentur AFP erreichen, dass die «Bewohner den öffentlichen Raum zurückgewinnen».

Ein wenig Gnadenfrist räumt der Bürgermeister den Autofahrern noch ein. Erst ab September soll es Kontrollen geben. Bis dahin haben die Verkehrsteilnehmer noch Zeit, um zu entschleunigen. Die reduzierte Höchstgeschwindigkeit gilt zunächst für ein Jahr, wie es auf der Homepage der Stadt heisst. Dort wird zudem argumentiert, dass sich die Zeit, um einen Kilometer zurückzulegen, nur um 10 bis 15 Sekunden erhöht. Der Treibstoffverbrauch soll dagegen um bis zu 65 Prozent sinken, wird vorgerechnet.

weiterlesen

Opfer von Missbrauch müssen ihren Tätern nicht vergeben!

Die Diskussion um die umstrittene Missbrauchspredigt eines Münsteraner Pfarrers hat die Frage aufgeworfen, wie weit Vergebung reichen muss. Für Pater Klaus Mertes ist jedoch klar, dass es für Opfer keine Pflicht zur Vergebung gibt.

Von Klaus Mertes |katholisch.de

Die Auseinandersetzung um die Predigt des Münsteraner Pfarrers Zurkuhlen berührt einen der tiefsten, verletzlichsten und zugleich zentralsten Punkte des Evangeliums. Deswegen ist es gut, dass darüber jetzt gesprochen wird. Dass es dazu kommt, ist eine Frucht der Aufarbeitungsprozesse der letzten Jahre. Die Auseinandersetzung zeigt, wie tief dieser Prozess reicht – reichen darf und reichen muss. Dazu gehört eben auch, neu darüber nachzudenken, wie wir in der Kirche über Vergebung sprechen.

Meine Kurzformel dazu lautet: Es gibt kein 11. Gebot „Du (Opfer) sollst (deinem Peiniger/deiner Peinigerin) vergeben.“ Die Vaterunser-Bitte „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ ist vor dem Hintergrund des Gleichnisses vom unbarmherzigen Gläubiger (Mt 18,25-35) zu verstehen, richtet sich also gerade nicht an Opfer. Gleichfalls ist die alte, antijudaistische These schon längst wiederlegt, dass im Alten Testament Gott nicht so barmherzig sei wie im Neuen Testament. Ein Blick in das Magnifikat (Lk 1,46-56) genügt zur Illustration des Gegenteils.

weiterlesen

Alte Fichten sind wahre Mutanten

Sitka-Fichten auf Vancouver Island: Bei den Bäumen treten gehäuft sogenannte somatische Mutationen auf. © TJ Watt

Grüne Mutationsmaschinen: In vielen langlebigen Bäumen treten gehäuft sogenannte somatische Mutationen auf. Wie stark diese bei Wachstumsprozessen entstehenden Veränderungen die Genetik der Pflanzen beeinflussen, zeigt nun das Beispiel der Sitka-Fichten. Demnach unterscheidet sich die DNA in der Stammbasis bei alten Bäumen in bis zu 100.000 Stellen von der in der Baumkrone. Diese unglaubliche Mutationsrate könnte eine entscheidende Überlebensstrategie der Bäume sein, wie Forscher berichten.

scinexx

Die in Nordamerika heimische Sitka-Fichte (Picea sitchensis) ist die größte Art ihrer Gattung und kann mehrere hundert Jahre alt werden. Wie alle langlebigen Bäume stehen diese Fichten vor einer evolutionären Herausforderung: Sie müssen auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren – trotz Generationszeiten von Jahrzehnten bis Jahrhunderten. Lebewesen, bei denen zwischen zwei Generationen nur eine kurze Zeitspanne liegt, haben es da einfacher. Sie können sich schneller an neue Bedingungen anpassen.

weiterlesen

Ägypten: Sisi baut neue Pyramiden

Der Bau der Regierungsgebäude in der neuen Hauptstadt Ägyptens ist weit fortgeschritten. Im Bild der künftige Hauptsitz des Umweltministeriums. (Bild: Amr Abdallah Dalsh / Reuters)

Die neue Hauptstadt in der Wüste ist nur eines von vielen Megaprojekten, mit denen das Sisi-Regime sein Land und Volk erneuern will. Der eigentliche Profiteur der Bauwut scheint indes vor allem das Militär zu sein

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Autoritäre Regime versprechen ihren Untertanen gerne eine lichte Zukunft. Ägypten ist dabei keine Ausnahme. Das zentrale Beweisstück für den Anbruch einer goldenen Ära soll dabei die neue «administrative Hauptstadt» östlich von Kairo werden: «Sie ist ein Meilenstein, die erste Smart City in Ägypten», erklärt Khaled al-Husseiny Soliman, der Pressesprecher des Megaprojekts. Die Stadt werde ihren Bewohnern sehr viel grünen Erholungsraum und Freizeitmöglichkeiten bieten, gerät der ehemalige Militär-Attaché ins Schwärmen. «Wir reformieren das ägyptische Volk und geben ihm eine neue Lebensweise.»

Totale Überwachung

Aber was macht die neue Hauptstadt denn so smart? Auf die Frage fällt Soliman zunächst nur dies ein: «Sie ist voll von Kameras und Sensoren. Man wird alles verfolgen und sehen können.» Unfreiwillig bestätigt er damit die Befürchtungen ausländischer Diplomaten. Denn die ägyptische Regierung möchte nicht nur alle Ministerien und staatlichen Institutionen, sondern auch sämtliche Botschaften aus dem alten Kairo in die neue Hauptstadt verlegen. Regelmässig schreibt die Regierung deshalb die ausländischen Vertretungen an, um sie an die steigenden Grundstückspreise in der künftigen Kapitale zu erinnern und zum schnellen Landkauf zu ermuntern. Doch die Diplomaten sind nicht begeistert. Konzentriert auf kleinem Raum, wird dem Regime von Präsident Abdelfatah al-Sisi sowohl die Überwachung seiner Politiker und Beamten als auch der ausländischen Gesandten leichterfallen. Gleichzeitig kapselt sich die politische Elite des Landes weiter vom eigenen Volk ab.

weiterlesen

Missbrauchsverdacht in evangelischer Kindertagesstätte

Die Staatsanwaltschaft geht einem Vorwurf des Missbrauchs in einer Kindertagesstätte in Ludwigshafen nach. Ein Mitarbeiter steht in Verdacht.

evangelisch.de

In einer evangelischen Kindertagesstätte in Ludwigshafen wird ein Mitarbeiter des Kindesmissbrauchs verdächtigt. Eine entsprechende Anzeige sei am Dienstag bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal eingegangen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Speyer. Nach Angaben der pfälzischen Landeskirche ist der verdächtige Erzieher vom Dienst suspendiert worden.

Aus ermittlungstaktischen Gründen und aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes gebe die Staatsanwaltschaft keine weiteren Auskünfte, sagte Ströber. Ein Staatsanwalt prüfe derzeit, wie stichhaltig die Vorwürfe seien. Danach werde über weitere Schritte entschieden.

weiterlesen

Korallen suchen neue Lebensräume – weg vom Äquator, hin zu den Subtropen

Im Palmyra Atoll National Wildlife Refuge südlich von Hawaii wird abgezählt, wie viele Babykorallen sich auf künstlichen Platten ansiedeln. (Bild: Nichole Price / Bigelow Laboratory for Ocean Sciences)

Durch die Wärme wird es für die farbenfrohen Meeresorganismen in den Tropen eher ungemütlich. Beobachtungen seit 1974 zeigen eine Tendenz zur Verlagerung der Habitate.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Korallen mögen es nicht heiss. Gemäss einer Studie haben sie bei ihrer Siedlungsaktivität bereits auf die Erwärmung der Ozeane reagiert. Darauf deuten Beobachtungen der Jahre 1974 bis 2012 hin, bei denen erfasst wurde, wie oft sich in verschiedenen Riffen Korallenlarven niederliessen. Diese Aktivität ist in einem äquatornahen Streifen bis 20 Grad nördlicher und südlicher Breite um 85 Prozent zurückgegangen. Ausserhalb des tropischen Streifens – also in subtropischen Gewässern – wurde ein Zuwachs um 78 Prozent beobachtet. Das schreibt eine internationale Gruppe um Nichole Price vom Bigelow Laboratory for Ocean Sciences in East Boothbay im US-Gliedstaat Maine in der Fachzeitschrift «Marine Ecology Progress Series».

Die Forscher haben aus bereits vorliegenden Beobachtungen von Korallen an 28 Orten im Pazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean eine neue Datenbank erstellt. Seit dem Jahr 1974 wird die Ansiedlungsaktivität von Korallen regelmässig aufgezeichnet. Man verwendet dazu spezielle Platten, die aus Keramik, Plastik oder Kalkgestein bestehen und meistens die Grösse von Kacheln haben. Die Wissenschafter zählen jeweils, wie viele junge Korallen sich auf den Platten niederlassen.

weiterlesen

Nach Predigt-Eklat: Apostel Genn entzieht Zurkuhlen alle Befugnisse

Der wegen seiner Predigt über Missbrauch und Vergebung in die Kritik geratene Pfarrer Ulrich Zurkuhlen darf keinerlei seelsorgliche Tätigkeiten mehr wahrnehmen: Das hat Bischof Felix Genn heute verkündet. Der Münsteraner Oberhirte zeigte sich fassungslos über die Aussagen des Geistlichen.

katholisch.de

Nach dem Eklat um eine Predigt über Missbrauch und Vergebung hat Münsters Bischof Felix Genn dem emeritierten Pfarrer Ulrich Zurkuhlen alle priesterlichen Befugnisse entzogen. „Wenn einer meiner Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen solche Thesen vertritt, kann er nicht weiterhin im Dienst bleiben“, teilte Genn am Mittwoch in Münster mit. Er sei in den Ruhestand versetzt, die Bezüge seien gekürzt worden.

Zurkuhlen sei es zudem verboten, sich weiterhin in dieser Sache zu äußern, sei es schriftlich oder mündlich. „Ich möchte dadurch verhindern, dass er weiterhin die Betroffenen mit seinen unsäglichen Thesen belästigt“, so Genn. Er habe ihm mit dem heutigen Tage jeglichen Dienst als Seelsorger untersagt sowie die öffentliche Zelebration und Predigt. Außerdem sei ihm die Beichtvollmacht entzogen worden.

weiterlesen