Opfer von Missbrauch müssen ihren Tätern nicht vergeben!


Die Diskussion um die umstrittene Missbrauchspredigt eines Münsteraner Pfarrers hat die Frage aufgeworfen, wie weit Vergebung reichen muss. Für Pater Klaus Mertes ist jedoch klar, dass es für Opfer keine Pflicht zur Vergebung gibt.

Von Klaus Mertes |katholisch.de

Die Auseinandersetzung um die Predigt des Münsteraner Pfarrers Zurkuhlen berührt einen der tiefsten, verletzlichsten und zugleich zentralsten Punkte des Evangeliums. Deswegen ist es gut, dass darüber jetzt gesprochen wird. Dass es dazu kommt, ist eine Frucht der Aufarbeitungsprozesse der letzten Jahre. Die Auseinandersetzung zeigt, wie tief dieser Prozess reicht – reichen darf und reichen muss. Dazu gehört eben auch, neu darüber nachzudenken, wie wir in der Kirche über Vergebung sprechen.

Meine Kurzformel dazu lautet: Es gibt kein 11. Gebot „Du (Opfer) sollst (deinem Peiniger/deiner Peinigerin) vergeben.“ Die Vaterunser-Bitte „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ ist vor dem Hintergrund des Gleichnisses vom unbarmherzigen Gläubiger (Mt 18,25-35) zu verstehen, richtet sich also gerade nicht an Opfer. Gleichfalls ist die alte, antijudaistische These schon längst wiederlegt, dass im Alten Testament Gott nicht so barmherzig sei wie im Neuen Testament. Ein Blick in das Magnifikat (Lk 1,46-56) genügt zur Illustration des Gegenteils.

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