DUH-Anwalt zur Vollstreckung gegen Behörden: „Herr Söder müsste 3,65 Mil­lionen an die Umwelt­hilfe zahlen“

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Was tun, wenn die Landesregierung nicht auf Gerichte hört? Beim EuGH liegt die Frage, ob Zwangshaft für bayerische Regierungsvertreter ein zulässiges Mittel wäre. Und DUH-Anwalt Remo Klinger hat derweil schon eine neue Idee.

Interview von Dr. Markus Sehl | Legal Tribune Online

Herr Klinger, zuletzt wurde viel darüber diskutiert, ob in Einzelfällen die Exekutive in Deutschland bei der Umsetzung von verwaltungs- und sogar verfassungsgerichtlichen Entscheidungen unter Bindungsschwäche leidet. Die Stichworte sind Sami A. oder die berüchtigte Stadthalle in Wetzlar. Sie sind Anwalt in einem Verfahren, das auch zu dieser Reihe gezählt wird. Worin unterscheidet sich Ihr Verfahren zu den Luftreinhalteplänen für München von den genannten Fällen?

Qualitativ bestehen enorme Unterschiede. Im Fall der Abschiebung des Gefährders Sami A. war es mangelnder Respekt der Exekutive gegenüber der Judikative, man versuchte die Gerichte auszutricksen. Im Fall der Stadt Wetzlar, die ihre Halle partout und entgegen einer gerichtlichen Entscheidung selbst des BVerfG nicht an die NPD vermieten wollte, war es schon schlimmer, ein klarer Fall von Ungehorsam der Behörde. Aber auch das mag eher noch ein Einzelfall auf der kommunalen Ebene sein.

Die Entscheidung der bayerischen Regierung zum Luftreinhalteplan in München dagegen hat eine besondere Qualität. Erstmals hat ein deutsches Landeskabinett beschlossen, eine höchstrichterliche Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs nicht zu befolgen, nämlich keinen Luftreinhalteplan nach europäischen Vorgaben aufzustellen – obwohl es dazu durch rechtskräftiges Urteil verpflichtet wurde. Das Landeskabinett hat es beschlossen und Ministerpräsident Markus Söder hat es im Landtag verkündet. Darauf muss das Recht eine Antwort finden.

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Sektenbericht 2018: Mehr Beratungen, viele Staatsverweigerer-Anfragen in Österreich

Die Stelle beschäftigt sich mit Esoterik, Okkultismus und Satanismus.
Foto: Reuters

Die Themen reichen von Esoterik über Satanismus bis zu Verschwörungstheorien und Wunderheilungen

derStandard.at

Die Bundesstelle für Sektenfragen hat der Regierung am Mittwoch ihren Tätigkeitsbericht für 2018 präsentiert. Sie verzeichnete 429 Beratungsfälle, 2017 waren es 402. 95 Prozent der Anfragen betrafen weder gesetzlich anerkannte noch staatlich eingetragene Religions- oder Bekenntnisgemeinschaften. Die meisten Medienanfragen gab es zu Staatsverweigerern.

Im letzten Jahr wandten sich 1.649 Personen an die Bundesstelle. Im Rahmen der psychosozialen Beratung und Begleitung von 429 Beratungsfällen setzten sich 247 Frauen und 182 Männer mit der Einrichtung in Verbindung. Oft bemühten sich nicht die Betroffenen selbst um Hilfe, sondern deren Angehörige. Die meisten Anfragen kamen aus Wien. Insgesamt wurde die Sektenstelle zu 243 Gemeinschaften, Bewegungen, Organisationen, Bereichen und Themen angefragt.

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In 30 Jahren hat Berlin das Klima von Canberra, sagen Klimaforscher

Bild: DIE WELT

London so heiß wie Barcelona, Madrid wie Marrakesch. Laut Klimaforschern der Schweizer Elite-Uni ETH werden 80 Prozent aller Städte 2050 ein deutlich verändertes Klima haben. Mit weitreichenden und potenziell dramatischen Folgen.

Von Philipp Nagels | DIE WELT

Zu sagen, die Zeichen verdichten sich, wäre eine maßlose Untertreibung. Sie prangen in Versalien an den azurblauen Himmeln unserer immer heißer werdenden Sommer. Zu viel Pathos? Vielleicht. Oder nicht annähernd genug.

Die Klimakrise ist die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Schon jetzt laufen wöchentlich Meldungen über neue Temperaturrekorde, Extremwetter oder Katastrophenszenarien ein – und aktuell geht es uns noch sehr gut.

In 30 Jahren wird sich das Leben auf unserer Erde drastisch verändert haben. Wie das aussehen könnte, lässt jetzt eine neue Studie des Crowther Lab von der ETH Zürich erahnen.

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41 Haiarten im Mittelmeer sind vom Aussterben bedroht

Ein von der Umweltschutzorganisation Greenpeace zur Verfügung gestelltes Foto eines Blauhais vor den Azoren. (Bild: Robert Marc Lehmann / Greenpeace via AP)

Die meisten der Haie, die im Mittelmeer gefangen werden, sind nicht für den Verzehr bestimmt, sondern unerwünschter Beifang. Sie werden sterbend zurück ins Meer geworfen.

Neue Zürcher Zeitung

Das Mittelmeer ist ein gefährlicher Ort für Haie: Wie ein WWF-Report zeigt, ist mehr als die Hälfte der im Mittelmeer lebenden 41 Hai-Arten vom Aussterben bedroht, ein Drittel sogar akut. Vor allem Überfischung, illegale Fischerei und Plastikverschmutzung haben Hai- und Rochenpopulationen drastisch dezimiert.

Hauptgrund für den besorgniserregenden Rückgang ist die Überfischung von Haipopulationen, vor allem durch zwei Mittelmeerstaaten: Libyen (4260 Tonnen) und Tunesien (4161 Tonnen) dokumentieren pro Jahr etwa drei Mal so viele Fänge wie Italien (1347 Tonnen) und Ägypten (1141 Tonnen). Einige Arten werden direkt für den Verkauf gefangen. Beim Grossteil der restlichen Arten handelt es sich um unerwünschten Beifang, der sterbend zurück ins Meer geworfen wird.

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Polen: „Wir müssen unsere Nationalkultur vor der Antikultur und Antizivilisation schützen“

Bild: Kampania Przeciw Homofobii

In Polen haben sich 31 Städte, Kreise und Wojewodschaften als „frei von der LGBT-Ideologie“ erklärt

Jens Mattern | TELEPOLIS

„Wir müssen unsere Nationalkultur vor der Antikultur und Antizivilisation schützen“, sagte ein Gemeinderat der Stadt Pulaw und Mitglied der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) den polnischen Medien. Eine entsprechende EU-Erklärung zum Schutz sexueller Minderheiten wurde von Polen im Dezember 2018 nicht unterschrieben.

Das Land gilt innerhalb der EU nach Lettland als homophobster Mitgliedsstaat, so die Einschätzung des Interessenverbandes „ILGA Europe“. Und das mit steigender Tendenz: „Es gibt derzeit so viele Aggressionen, wir kommen nicht dazu, dies zu überschauen“, erklärte Miroslawa Makuchowska von der Kampagne gegen Homophobie in Warschau auf Anfrage von Telepolis.

Die Aktivistin beklagt eine politische Kampagne von Seiten des Regierungslagers auf sexuelle Minderheiten in Polen. Sexuelle Minderheiten hätten das Feindbild „Flüchtlinge“ abgelöst. Vor allem auf dem Land hätten diese Menschen kaum jemand, der sich für ihre Belange und Nöte einsetzt.

Die Wut der Konservativen und Rechten in Polen wurde vor allem durch eine Aktion des liberalen Stadtpräsidenten Warschaus Rafal Trzaskowskis angefacht. Dieser stellte im Februar ein Aufklärungs- und Hilfsprogramm zugunsten von LGBT-Personen vor. Geboten wird ein psychologisches Hilfstelefon, ein Haus der Zuflucht bei Gewalt sowie Aufklärung in Schulen. Letzteres wurde von Politikern der PiS und regierungsnahen Medien als Sexualisierung von Kindern interpretiert und geriet so zum Wahlkampfthema bei der Europawahl, bei der die PiS mit über 45 Prozent ein Rekordergebnis einfuhr.

Katholische Kirche beförderte die Homophobie

Die Schwierigkeiten der Homosexuellen in Polen haben ihre Ursache bei der Katholischen Kirche und ihrem unnachgiebigen Standpunkt. Johannes Paul II. aber auch sein Nachfolger Benedikt XVI sahen das sehr katholische Polen als Land, das den Westen mit seinen Werteverlusten rechristianisieren sollte.

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Ein Dino mit Eidechse im Magen

Auf dem Speiseplan des Microraptors standen offenbar auch Eidechsen. © Doyle Trankina

Am Stück verschluckt: Der gefiederte Raubsaurier Microraptor machte nicht nur Jagd auf Vögel, Säugetiere und Fische. Auch kleine Reptilien standen auf seinem Speiseplan, wie nun ein Fossilfund aus China zeigt. Im Bauchraum des 120 Millionen Jahre alten Fossils haben Forscher eine fast vollständig erhaltene Eidechse entdeckt. Bei dem Opfer handelt es sich sogar um eine bisher unbekannte Art.

scinexx

In der frühen Kreidezeit lebten auf unserem Planeten eine Reihe vogelähnlicher Dinosaurier, darunter der Microraptor. Dieser kleine Raubsaurier war in etwa so groß wie ein Falke und besaß ein schillerndes Gefieder. Dank langer Schwungfedern an seinen vier Extremitäten und am Schwanz konnte dieser Fleischfresser wahrscheinlich problemlos längere Strecken gleiten – womöglich ging er sogar aus der Luft auf Beutejagd.

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Koalitionsexperten wollen Zuzahlungen für Homöopathie abschaffen

Globuli sind hoch umstritten.Foto: imago images / STPP

Es ist eine Glaubensfrage: Viele Patienten vertrauen auf Homöopathie. Doch die Stimmen in der Politik mehren sich, die Mittel nicht mehr zu bezuschussen.

DER TAGESSPIEGEL

Nach den Kassenärzten haben sich auch Fachpolitiker der großen Koalition dafür ausgesprochen, die Zuzahlungen der Krankenkassen für homöopathische Mittel abzuschaffen. „Es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss“, sagte der Vorsitzende des Bundestag-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, sagte, die Wirksamkeit homöopathischer Mittel sei nicht nachgewiesen. „Ich sehe es deshalb kritisch, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler diese Mittel finanzieren.“ Zuvor hatte sich der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Tagesspiegel explizit dafür ausgesprochen, die freiwillige Kostenerstattung durch die Krankenkassen für Homöopathie zu verbieten.

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Türkei bohrt vor Zypern – EU plant Strafen

Washington warnt Ankara vor „provokativen Schritten“, die „die Spannungen in der Region erhöhen“

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Die Yavuz ist ein türkisches Bohrschiff, das diese Woche vor der Ostküste der Insel Zypern ankam. Es soll im Golf von Famagusta nach Erdgas suchen. Auf der Griechenland zugewandten Seite Zyperns macht das die ebenfalls türkische Fatih bereits seit dem Frühjahr. Und vor der Südküste Zyperns prospektiert die Barbaros Hayreddin mit seismischen Instrumenten.

Die Regierung von Zypern, das sich 2004 der EU angeschlossen hat, hält das für rechtswidrig. In Brüssel kam der EU-Rat im letzten Jahr zum selben Ergebnis. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte der türkischen Staatsführung deshalb Anfang Mai angedroht, man werde „auf jede illegale Handlung, die die Rechte Zyperns verletzt, angemessen reagieren“ (vgl. Brüssel droht Ankara mit „angemessener Reaktion“).

Drei-Stufen-Strafen?

Nun hat der scheidende EU-Ratspräsident Donald Tusk bekannt gegeben, dass die Botschafter der Mitgliedstaaten über „konkrete“ Strafmaßnahmen verhandeln. Einigen sie sich schnell genug, könnte die EU-Außenminister diese Strafen bereits bei ihrem Treffen am Montag bekannt geben. Medien spekulieren, dass ein erster Schritt aus dem „Einfrieren“ von Gesprächen bestehen könnte. Damit dürfte sich die von der islamistischen AKP gestellte türkische Staatsführung kaum beeindrucken lassen – hat sie doch bereits seit längerer Zeit zu erkennen gegeben, dass ihr eine engere Anbindung an die EU weder sonderlich realistisch noch so erstrebenswert erscheint wie der kemalistischen CHP.

Mehr Eindruck machen könnten die als zweiter Schritt gehandelten Kürzungen oder Streichungen von europäischen Fördergeldern. Richtig schmerzen würden das wirtschaftlich angeschlagene Land, dessen Präsident gerade den Notenbankchef schasste (vgl. Erdoğan setzt Notenbankchef ab), aber wahrscheinlich erst Wirtschaftssanktionen, die als dritter Schritt im Gespräch sind (vgl. Griechischer Außenminister vergleicht Ostukraine mit Nordzypern).

Sie ließen sich eventuell mit Sanktionen der USA koordinieren, die der türkischen Staatsführung gerade wegen des Kaufs des russischen Luftabwehrsystems S-400 drohen (vgl. F-35 oder S-400: Ein amerikanisch-türkisch-russisches Rüstungsgerangel). In der Zyperngasfrage positionierte sich Washington gestern klar auf Seiten der Europäer und warnte Ankara öffentlich vor „provokativen Schritten“, die „die Spannungen in der Region erhöhen“.

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Übers Klima reden alle, aber nicht über Massenentlassungen

Gastkommentar zum „Wirtschaftsklima“: Niemand geht gegen die Notenbankpolitik, die Zombieländer und Zombieunternehmen um jeden Preis am Leben hält, auf die Straße. Warum?

Matthias Weik, Marc Friedrich | TELEPOLIS

Viele gehen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße, aber: Warum demonstriert niemand dagegen, dass dem deutschen Sparer etwa 648 Milliarden Euro an Zinsen entgangen sind? Warum demonstriert niemand dagegen, dass mittlerweile 25 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland im Niedriglohnsektor tätig sind und folglich gegen die kommende Altersarmut? Warum demonstriert niemand dagegen, dass wir mit die höchste Steuer- und Abgabenlast weltweit haben?

Stattdessen werden nun einerseits weitere Erhöhungen der Abgaben für uns Bürger gefordert, aber anderseits spricht keiner von Steuersenkungen.

Die Rezession kommt – und zwar knallhart

Unser Land steht vor einer wesentlich gewaltigeren Krise, die offen

kundig niemand erkennt beziehungsweise wahrhaben möchte: eine Rezession. Die fetten Jahre des Exportweltmeisters Deutschland sind endgültig vorbei. Der saisonbereinigte und reale Auftragseingang der deutschen Industrie sank im Mai 2019 um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Es geht im Vergleich zum Vorjahresmonat den zehnten Monat in Folge abwärts. Erste Unternehmen kündigen Entlassungen an und viele werden folgen.

Die Deutsche Bank wird 18.000 Stellen abbauen, BASF 6.000. Auch Bayer, Siemens, Thyssen – Ford allein in Köln 3.800 Jobs – haben bereits mit massiven Stellenstreichungen begonnen, beziehungsweise entsprechende Pläne angekündigt. Kurzarbeit, Abfindungen, Entlassungen, Arbeitslosigkeit, explodierende Sozialkosten usf. werden bald die Schlagworte in den Medien sein und keiner wird mehr über Fachkräftemangel, geschweige von Klimawandel sprechen.

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Urin im Weihwasser

Blick durch das Gitter eines Beichtstuhles – gewöhnlich kein Ort für eine Zigarette. Bild: Roger Hagmann

Der Pfarrer einer Kirche in Ingelheim machte zuletzt äußert profane Funde im Gotteshaus: Urin im Weihwasserbehälter und Zigarettenstummel im Beichtstuhl, zudem waren unerlaubt Kerzen entzündet worden – nun wurde der Unhold gefasst.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die katholische Pfarrkirche Sankt Remigius im rheinland-pfälzischen Ingelheim ist wegen Vandalismus vorerst geschlossen worden. Wie das Bistum Mainz am Donnerstag mitteilte, fand Pfarrer Christian Feuerstein seit einigen Wochen Zigarettenasche im Beichtstuhl und Urin in allen Weihwasserbehältern. Der Küster habe diese Verunreinigung unter „Ekelanfällen“ beseitigt. Außerdem sei aufgefallen, dass in der Kirche immer wieder Kerzen verstellt und angezündet worden seien.

Inzwischen sei ein verdächtiger Mann von der Polizei gefasst worden. Er war beim versuchten Diebstahl einer Bibel ertappt worden. Nach einem Bericht der „Mainzer Allgemeinen Zeitung“ handelt es sich um einen 36-jährigen Ingelheimer, der einen verwirrten Eindruck gemacht habe.

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Religion und Nationalsozialismus: Beten im KZ

Rosenkranz, zwischen 1939 und 1945 im KZ Ravensbruck gefertigt. Sisal, Stahl, 101 cm (KZ Ravensbrück)

Kann man nach Auschwitz noch von Gott reden oder gar beten? Einige sagen: Ja. Denn auch in Auschwitz wurde gebetet. Aber was genau war möglich? Welche Formen von Religiosität waren erlaubt in NS-Konzentrationslagern und Haftstätten? Das ist bislang wenig erforscht.

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Nach den Dienstvorschriften der Konzentrationslager ist kein explizites Verbot religiöser Praxis zu finden. Aber gleichwohl gibt es Bestimmungen, die die Praxis behindert haben. Es ist nämlich zum einen festgelegt, dass nicht mehr als drei Personen gemeinsam auf der Lagerstraße aufhalten durften, was ja schon mal gemeinschaftliches Gebet erschwert hat. Und das eben bei der Aufnahme ins Lager aller Privatbesitz abgenommen wurde, einschließlich Bibeln, Andachtsbilder, Gebetsriemen, kleine Kreuze und so weiter.“

Berichtet Sabine Arend, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Sie zitiert aus den Erinnerungen der Katharina Katzenmaier, der späteren Nonne Theolinde, über ihre Einlieferung ins Lager.

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„Random Transiter“ gibt Rätsel auf

Der sonnenähnliche Stern HD 139139 gibt Astronomen Rätsel auf, denn seine Abschattungen sind zwar gleichartig, aber völlig zufällig verteilt. © NASA/JPL-Caltech

Unerklärliche Schatten: Astronomen haben einen Stern entdeckt, dessen Licht gleich 28 Mal in kurzer Folge verdunkelt wurde. Das Seltsame jedoch: Diese Transits sind zwar alle gleich stark, aber so unregelmäßig, als hätte sie ein Zufallsgenerator erzeugt. Dass sie durch Planeten oder Asteroiden im Orbit dieses Sterns verursacht werden, sei daher unwahrscheinlich, so die Forscher. Auch Staubwolken oder zerfallende Planeten passen nicht ins Bild. Was aber ist dann die Ursache?

scinexx

Wenn ein Stern einen oder mehrere Planeten besitzt, verraten sich diese oft durch Schatten in der Lichtkurve des Sterns: In periodischen Abständen dimmen sie das Sternenlicht ab, weil sie vor ihrem Mutterstern vorüberziehen. Diese Transits ähneln scharf abgegrenzten, regelmäßig auftretenden Trögen in der Lichtkurve. Doch es gibt auch Exoten mit unregelmäßigen oder seitlich „ausgeschmierten“ Abdimmungen, darunter der „Alien-Stern“ KIC 8462852 oder der junge Stern RW Aur A. Bei solchen Sternen können Astronomen nur spekulieren, was die ungewöhnlichen Transits verursacht.

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Bischof Hein: Neonazi-Aufmarsch am 20. Juli verhöhnt Widerstandskämpfer

Am 20. Juli, dem 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler, wollen Neonazis in Kassel aufmarschieren.

evangelisch.de

Er sei erschüttert, dass die Partei „Die Rechte“ für diesen Tag eine Demonstration angemeldet habe, sagte der kurhessische Bischof Martin Hein am Donnerstag. Dies empfinde er als eine Verhöhnung der Widerstandskämpfer und ihrer Familien.

Der Bischof wies darauf hin, dass die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck die Friedensarbeit der Kommunität und Gedenkstätte in Imshausen, die an den Widerstandskämpfer Adam von Trott erinnere, ausdrücklich unterstütze: „Die Gedenkstätte setzt mit ihren Angeboten ein lebendiges Zeichen für Versöhnung und Demokratie in unserer Region.“ Das sei in diesen Zeiten dringlicher denn je.

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Schlammschlacht in der Bundesagentur für Arbeit

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele (links) und Vorstandsmitglied Valerie Holsboer bei einer Pressekonferenz 2017 in Nürnberg.
(Foto: dpa)
  • Seit zwei Jahren amtiert Holsboer als erste Frau im dreiköpfigen Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA). Immer wieder musste sie in der Zeit um ihren Job kämpfen.
  • Es habe rein fachliche Gründe, Holsboers Vertrag schon jetzt zu beenden, sagen ihre Kritiker.
  • Interne Dokumente aber zeigen, dass die Zwistigkeiten in der Führungsetage einer der größten Behörden Deutschlands viel persönlicher ablaufen.

Von Alexander Hagelüken | Süddeutsche Zeitung

Manche Frauen verzichten von vornherein auf Führungsposten, so erlebt es Valerie Holsboer. „Als Argument höre ich: Wer mit den Krokodilen schwimmt, wird gebissen“, erzählte sie 2017 in einem Interview. Holsboer war Anfang 30, als sie zum ersten Mal selbst Krokodile auf sich zuschwimmen sah. Die damalige Geschäftsführerin des Fastfood-Verbands war schwanger geworden. „Je dicker mein Bauch wurde, desto mehr Interessenten für meinen Posten brachten sich in Stellung.“ Sie wehrte den Angriff ab.

Seit zwei Jahren amtiert Holsboer nun als erste Frau im dreiköpfigen Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Millionen Deutschen effizient Jobs vermitteln soll. Es sieht jedoch so aus, als ob diesmal der Angriff auf ihren Posten zu ihren Ungunsten ausgeht. Die Arbeitgeber im Verwaltungsrat, angeführt von Peter Clever, wollen sie diesen Freitag vorzeitig abwählen lassen. Ist das Mobbing? Oder macht Holsboer einen der wichtigsten Behördenjobs der Republik einfach schlecht?

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Warum für österreichische Politiker online gebetet wird — „Hilfe von oben“ zum Wohl des Landes

Online für Politiker beten © Rolf Vennenbernd (dpa)

Auf der Online-Plattform „Prayforaustria“ der Unternehmerin Hélène Cuenod kann man in einer politisch turbulenten Zeit für Österreichs Politiker beten. Auch „missio“ unterstützt die Initiative. Wie funktioniert das und was steckt hinter der Idee?

DOMRADIO.DE

Die Internetseite betet nicht, sie ist eine Möglichkeit und eine Anregung, sich für das Gebet zu entscheiden“, sagt die Katholikin und gebürtige Schweizerin Hélène Cuenod. Sie hat die Online-Plattform in Wien ins Leben gerufen, um zum Gebet für politische Verantwortungsträger aufzurufen.

Auslöser für die österreichische Gebetsinitiative „Prayforaustria – Beten für Politiker“ ist das Video in der sogenannten „Ibiza-Affäre“. FPÖ-Vizekanzler Hans Christian Strache war im Mai aufgrund der Querelen im Nachgang zu den Bildaufnahmen vom Amt des Vizekanzlers und als FPÖ-Parteiobmann zurückgetreten. „Es ist ein bisschen brisant, wenn plötzlich Gebet und konkrete Politiker zusammengebracht werden“, sagt Pater Karl Josef Wallner, Nationaldirektor von „missio Austria“. Aber auch für Politiker Strache kann in der jeweiligen Gebetsform einer der christlichen Konfessionen auf der Internetseite gebetet werden.

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Rechter Shitstorm nach Nazi-Durchsage im ICE

Bild: Karinkarin/pixabay.com

Nachdem sie auf eine rechtsradikale Durchsage aufmerksam gemacht hatte, geriet eine Hamburgerin in einen Shitstorm – und die Bahn reagierte zunächst dilettantisch. Ein Bericht und ein Kommentar

Gerrit Wustmann | TELPOLIS

Folgendes ist geschehen: Am vergangenen Montag saß die Hamburgerin Julietta F. im ICE von München nach Frankfurt. Vor Frankfurt wurde der Zug durch die Entschärfung einer Weltkriegsbombe aufgehalten. Manche nahmen es relaxt, andere waren genervt von der Verspätung – Alltag bei der Deutschen Bahn also. Bis über die Bordlautsprecher diese Durchsage kam: „Liebe Fahrgäste, unser Zug hat wegen der Entschärfung einer Bombe, die die Westalliierten auf die unschuldige Bevölkerung Frankfurts abgeworfen haben, zur Zeit fünfundvierzig Minuten Verspätung.“

Julietta F. war verständlicherweise entsetzt und bat noch im Zug darum, mit demjenigen, der die Durchsage gemacht hat, sprechen zu dürfen. Das wurde ihr verweigert. Also postete sie die Angelegenheit auf die Facebookseite der Deutsche Bahn Personenverkehr und fragte: „Ist es im Sinne der Deutschen Bahn, dass Mitarbeiter politische Statements verbreiten?“

Mit erheblicher Verzögerung reagierte das Social-Media-Team der Bahn und schrieb: „Hallo Julietta, was Sie da erlebt haben tut mir sehr leid. Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt sind Grundwerte der Deutschen Bahn. Rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen widersprechen diesen Unternehmenswerten. Soweit ich mitbekommen habe, haben Sie bereits einen Service dazu kontaktiert. In dem Fall wird man dem Ganzen auch intern nachgehen und entsprechend auf den Kollegen zugehen.“Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz Mit erheblicher Verzögerung reagierte das Social-Media-Team der Bahn und schrieb: „Hallo Julietta, was Sie da erlebt haben tut mir sehr leid. Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt sind Grundwerte der Deutschen Bahn. Rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen widersprechen diesen Unternehmenswerten. Soweit ich mitbekommen habe, haben Sie bereits einen Service dazu kontaktiert. In dem Fall wird man dem Ganzen auch intern nachgehen und entsprechend auf den Kollegen zugehen.“

Dennoch sammelten sich unter der Beschwerde binnen weniger Stunden hunderte Beiträge – und zwar nicht etwa in Form von Empörung über den Bahnmitarbeiter, sondern in Form von Unterstützung für die getätigte Durchsage, gemischt mit heftigen Angriffen und Beschimpfungen. Die Bahn griff nahezu nicht moderierend ein und ließ teils auch abscheuliche Beschimpfungen stehen. Wenig später ging es dann im selben Tonfall auch auf der öffentlichen Facebookseite von Julietta F. los.

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Fall Orlandi: Experten öffnen Gräber – und erleben Überraschung

Seit 36 Jahren wird die Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi vermisst. Eine neue, vermeintlich heiße Spur führte auf den Campo Santo Teutonico – den deutschen Friedhof am Vatikan. Bei der Öffnung zweier Gräber erlebten Experten heute eine Überraschung.

katholisch.de

Das Rätselraten um das Verschwinden der Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi vor 36 Jahren geht weiter. Grabungsarbeiten auf dem deutschen Friedhof im Vatikan, wo die Vermisste laut einem anonymen Hinweis bestattet worden sein sollte, verliefen negativ: Beide geöffneten Grabstellen waren überraschenderweise vollständig leer. „Weder wurden menschliche Überreste noch Urnen gefunden“, teilte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Donnerstagmittag mit. Er kündigte zugleich Nachforschungen zu „strukturellen Veränderungen“ auf dem Friedhof an.

Die Orlandis hatten aufgrund neuer Hinweise die Öffnung des Grabes von Sophie von Hohenlohe auf dem Campo Santo Teutonico im Vatikan beantragt. Die Anwältin der Familie, Laura Sgro, rief erneut zur Klärung des Falls auf: „Wer etwas weiß, soll sprechen. Helft uns, Emanuela zu finden“, sagte sie laut italienischen Medien.

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