Polen: „Wir müssen unsere Nationalkultur vor der Antikultur und Antizivilisation schützen“


Bild: Kampania Przeciw Homofobii

In Polen haben sich 31 Städte, Kreise und Wojewodschaften als „frei von der LGBT-Ideologie“ erklärt

Jens Mattern | TELEPOLIS

„Wir müssen unsere Nationalkultur vor der Antikultur und Antizivilisation schützen“, sagte ein Gemeinderat der Stadt Pulaw und Mitglied der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) den polnischen Medien. Eine entsprechende EU-Erklärung zum Schutz sexueller Minderheiten wurde von Polen im Dezember 2018 nicht unterschrieben.

Das Land gilt innerhalb der EU nach Lettland als homophobster Mitgliedsstaat, so die Einschätzung des Interessenverbandes „ILGA Europe“. Und das mit steigender Tendenz: „Es gibt derzeit so viele Aggressionen, wir kommen nicht dazu, dies zu überschauen“, erklärte Miroslawa Makuchowska von der Kampagne gegen Homophobie in Warschau auf Anfrage von Telepolis.

Die Aktivistin beklagt eine politische Kampagne von Seiten des Regierungslagers auf sexuelle Minderheiten in Polen. Sexuelle Minderheiten hätten das Feindbild „Flüchtlinge“ abgelöst. Vor allem auf dem Land hätten diese Menschen kaum jemand, der sich für ihre Belange und Nöte einsetzt.

Die Wut der Konservativen und Rechten in Polen wurde vor allem durch eine Aktion des liberalen Stadtpräsidenten Warschaus Rafal Trzaskowskis angefacht. Dieser stellte im Februar ein Aufklärungs- und Hilfsprogramm zugunsten von LGBT-Personen vor. Geboten wird ein psychologisches Hilfstelefon, ein Haus der Zuflucht bei Gewalt sowie Aufklärung in Schulen. Letzteres wurde von Politikern der PiS und regierungsnahen Medien als Sexualisierung von Kindern interpretiert und geriet so zum Wahlkampfthema bei der Europawahl, bei der die PiS mit über 45 Prozent ein Rekordergebnis einfuhr.

Katholische Kirche beförderte die Homophobie

Die Schwierigkeiten der Homosexuellen in Polen haben ihre Ursache bei der Katholischen Kirche und ihrem unnachgiebigen Standpunkt. Johannes Paul II. aber auch sein Nachfolger Benedikt XVI sahen das sehr katholische Polen als Land, das den Westen mit seinen Werteverlusten rechristianisieren sollte.

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