Adorno zum 50. Todestag: Die Vernunft der Verrückten


Engagement im öffentlichen Raum. Der Schriftsteller Heinrich Böll, der Philosoph Theodor W. Adorno und Suhrkamp-Verleger Siegfried…Foto: Manfred <EL-2>Rehm/p-a/dpa

Was hat uns die Kritische Theorie noch zu sagen? Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno, des vielseitigsten Denkers der Frankfurter Schule, erscheint ein verblüffend aktueller Vortrag über Rechtsradikalismus.

Von Gregor Dotzauer | DER TAGESSPIEGEL

Im Auf und Ab der philosophischen Strömungen erhebt auch die Kritische Theorie immer wieder ihr gestrenges Haupt. Am stolzesten reckt sie es seit jeher in Frankfurt am Main, wo ihr Max Horkheimer Anfang der 1930er Jahre im Rahmen des Instituts für Sozialforschung die Aufgabe einer Unruhestifterin wider den Quietismus der herkömmlichen Philosophie zuwies. Von der Mischung aus Marxscher Gesellschaftsinterpretation, Hegelscher Begriffsdialektik und Freudscher Psychoanalyse, wie sie die „Dialektik der Aufklärung“ prägt, eines ihrer im amerikanischen Exil zusammen mit Theodor W. Adorno verfassten Hauptwerke, hat indes vor allem der ideologiekritische Zug überlebt.

Nicht nur die alljährlichen Adorno-Vorlesungen an der Goethe-Universität, das Aushängeschild ihrer Vitalität, haben sich in viele Themenfelder hinein geöffnet. Seit 2002 haben so unterschiedliche Denker und Denkerinnen wie die Philosophin Judith Butler, die Soziologin Eva Illouz, der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt oder der Germanist Albrecht Koschorke Motive der Kritischen Theorie weitergesponnen. Im Vorfeld von Adornos 50. Todestag am 6. August, zu dem heute auch ein Vortrag über Rechtsradikalismus von ungewöhnlicher Aktualität erscheint, ging es dieses Jahr mit Peter E. Gordon zurück zu den Quellen: Der in Harvard lehrende Ideenhistoriker interpretierte Adorno im Hinblick auf dessen Verständnis von Materialismus, Metaphysik und Ästhetik.

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