Tust Du nur so, oder glaubst Du schon? – Religion kann auch Sache des Kalküls sein, sagt Blaise Pascal


Der Mathematiker Blaise Pascal gibt sich als Anwalt der Vernunft – und argumentiert zugleich mit der Eindringlichkeit eines gläubigen Christen. (Bild: Wellcome Library, London / CC BY 4.0)

Wo es keine Gewissheit gibt, genügt es auf das Wahrscheinliche zu wetten. Vielleicht sogar, wenn’s um Gott geht: Blaise Pascal zeigt Skeptikern einen Weg zur Seligkeit

Thomas Ribi | Neue Zürcher Zeitung

Das Rezept ist einfach. Vielleicht zu einfach, als dass man ohne weiteres darauf vertrauen würde. Schliesslich geht es um den Glauben. Um die ewige Seligkeit. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts also um viel, wo nicht um alles. Aber Blaise Pascal spricht ohne Augenzwinkern. Er argumentiert mit der Eindringlichkeit des gläubigen Christen – und zugleich mit der gelassenen Autorität des Mathematikers, der sich der Rationalität seiner Beweisgründe sicher ist. Nur zwischendurch klingt er wie ein Bankberater, der uns einen Fonds mit bester Rendite andrehen will. Ganz ohne Risiko natürlich.

Das klingt so: «Wenn Ihr gewinnt, so gewinnt Ihr alles, und wenn Ihr verliert, so verliert Ihr nichts. Wettet also, ohne zu zögern.» Eine Wette auf die Existenz Gottes bietet Pascal an, in einem nur wenige Seiten umfassenden Fragment seiner nachgelassenen Schriften, der 1670 erstmals erschienenen «Pensées sur la Religion et sur quelques autres sujets». Eine Wette für Skeptiker, die nicht davon zu überzeugen sind, dass es Gott gibt – eine Haltung, die für Pascal durchaus der Vernunft entspricht.

weiterlesen