KZ-Überlebende zeigen auch nach 70 Jahren veränderte Gehirnstrukturen

Grafik: TP

Nach einer MRT-Studie könnten diese auch an die Kinder vererbt werden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Schwere traumatische Erfahrungen, die sich nicht selbst oder durch therapeutische Behandlung sich zurückbilden, können sich dauerhaft in die Gehirne der Betroffenen eingraben und zu neuroanatomischen Veränderungen führen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Folgen von Traumata, wie sie durch Kriege, Folter, sexuelle oder körperliche Gewalt oder Gefangenschaft entstehen können, nicht nur psychisch an Kinder der Betroffenen weitergegeben werden, sondern sich in ihnen auch epigenetisch niederschlagen kann, also generationenübergreifend wirkt. Das könnte nun eine Studie mit Gehirnscans von Überlebenden von Konzentrationslagern und ihren Kindern belegen.

Wissenschaftler haben in einer Studie, die 2018 in PNAS, erstmals untersucht, ob Traumata von Vätern an Kinder weitergegeben werden. Andere Studien hatten gezeigt, dass sich Hunger, Infektionskrankheiten oder psychologischer Stress von Müttern in der Schwangerschaft in epigenetischen Veränderungen uns psychischen Störungen der Kinder niederschlagen kann. Die Wissenschaftler untersuchten, wie es den Kindern von kriegsgefangenen Soldaten während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) im Verhältnis zu Kindern von Veteranen erging, die sich nicht in Kriegsgefangenschaft befunden haben. Die Kriegsgefangenen selbst, die während der Zeit der schlimmsten Bedingungen überlebt hatten, als es keinen Gefangenaustausch gab, zeigten 35 Jahre danach eine erhöhte Mortalität sowie erhöhte gesundheitliche Risiken und eine schlechtere sozioökonomische Situation auf.

Beim Vergleich von 4593 Kindern von 1407 Kriegsgefangenen mit 15.310 Kindern von 4960 Veteranen, die keine Kriegsgefangenen waren. Untersucht wurden nach dem Krieg geborene Kinder, die das Alter von 45 Jahren erreicht haben. Bei Töchtern stellten die Wissenschaftler keine statistisch signifikanten Unterschiede fest. Bei den Söhnen von Kriegsgefangenen, die sich während des Gefangenenaustausches im Lager befanden, konnten auch keine gefunden werden. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit zu sterben (meist an Hirnblutung und Krebs) um das 1,11-Fache bei den Söhnen von Kriegsgefangenen unter den schlimmsten Bedingungen höher. Dass es keine Unterschiede bei den Töchtern gab, werten die Wissenschaftler als Hinweis auf epigenetische Veränderungen über das Y-Chromosom. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Auswirkungen nicht so ausgeprägt waren, weil die Soldaten als Helden gefeiert wurden und weil sie zwar mit schlimmen Bedingungen konfrontiert waren, aber keinen Tötungen und keiner Folter oder Misshandlungen ausgesetzt waren.

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Ebola-Ausbruch in Kongo-Kinshasa: Erster Fall in Millionenstadt Goma registriert

Seit knapp einem Jahr breitet sich das hochgefährliche Ebola-Virus im Osten von Kongo-Kinshasa aus. Nun hat es eine Metropole erreicht; das Risiko, dass es sich dort ausbreitet, gilt allerdings als gering.

Neue Zürcher Zeitung

Zum ersten Mal seit Beginn des Ebola-Ausbruchs im Osten von Kongo-Kinshasa vor knapp einem Jahr ist ein Mensch in einer Millionenstadt an dem gefährlichen Virus erkrankt. Bei einem Pastor, der am Sonntag in Goma angekommen war, sei Ebola bestätigt worden, teilte das Gesundheitsministerium am späten Sonntagabend mit.

Der Mann kommt demnach aus der Provinz Süd-Kivu und war per Bus über Butembo, wo bereits etliche Menschen an Ebola erkrankt sind, in die Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu gereist. In Goma leben rund eine Million Einwohner. Allerdings sei das Risiko einer Ausbreitung in der Stadt «gering», da der Patient schnell identifiziert und isoliert worden sei und zudem alle Passagiere des Busses identifiziert worden seien, teilte das Gesundheitsministerium mit.

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Westliche Demokraten sprechen mit gespaltener Zunge

Bild: Nasa

Massenhafte US-Annexionen sind gottgefällig, eine russische Annexion indes Teufelswerk – Ein Kommentar

Wolfgang J. Koschnick | TELEPOLIS

Die westlichen Demokratien werfen Russland vor, dass es sich 2014 die Halbinsel Krim einverleibte – die bis dahin zur Ukraine gehörte – und in historisch längst überwundenen Kategorien von Einflusszonen denkt und handelt.

Es ist an der Zeit, da einmal Klarheit in die Begrifflichkeiten und die historischen Verhältnisse zu bringen. Und das lässt Einblicke darin zu, wie sehr und wie 0verschroben die westlichen Demokraten mit zweierlei Maß messen, wenn ihnen das aus vorgeblicher demokratischer Redlichkeit als Tarnung für ihre Scheinheiligkeit in den politischen Kram passt.

Seit 1823 und bis heute – also seit bald schon 200 Jahren – gilt in ganz Amerika, also in Nordamerika, in Lateinamerika und in der Karibik, die Monroe-Doktrin des amerikanischen Präsidenten James Monroe. Sie wurde zuletzt von Präsident Donald Trump bestätigt. Dessen Nationaler Sicherheitsberater John Bolton kündigte gar neue Sanktionen gegen Venezuela, Kuba und Nicaragua an.

Ausdrücklich bekräftigte er die Gültigkeit der Monroe-Doktrin: „Heute verkünden wir stolz, dass alle es hören: Die Monroe-Doktrin ist lebendig, und sie ist eine gute Doktrin“, erklärte Bolton vor Veteranen der 1961 gescheiterten Invasion in der kubanischen Schweinebucht.

Die Doktrin besagt – einfach formuliert: Nordamerika, Mittelamerika, Südamerika und die Karibik sind Einflusszonen der USA. Der ganze südamerikanische Kontinent liegt also gewissermaßen im nordamerikanischen Hinterhof. Wenn sich da eine ausländische Macht einmischt oder jemand auch nur eine Revolution, einen Staatsstreich oder gar einen Bürgerkrieg anzettelt, bekommt sie bzw. er die geballte militärische Macht der USA zu spüren.

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Larven von Soldatenfliegen als Eiweißquelle der Zukunft

Bei der Ernährung sind die Larven ausgesprochen anspruchslos.Foto: Manfred Mielenz

In Sachen Effizienz sind sie kaum zu schlagen: Aus wenigen Gramm Eiern werden 100 Kilogramm Larven

derStandard.at

Schon seit längerer Zeit wird die Soldatenfliege (Hermetia illucens) als Tierfutter gezüchtet, insbesondere für Aquakulturen. Die eiweißreichen Larven der 1,5 Zentimeter großen Fluginsekten könnten künftig aber noch eine größere Rolle spielen, berichtet das Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN).

In der Zwickmühle

Der Hintergrund: Die Menschheit steckt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite wächst die Weltbevölkerung und lässt den Bedarf an Futter- und Lebensmitteln steigen – auf der anderen Seite darf aber der Klimawandel nicht durch eine Erhöhung der herkömmlichen landwirtschaftlichen Produktion noch weiter angekurbelt werden. Dies stellt wachsende Anforderungen an die nachhaltige Produktion von Futter- und Lebensmitteln.

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Schwarzes Loch torpediert Theorie

Astronomen haben eine rasende Materiescheibe um ein supermassereiches Schwarzes Loch entdeckt, das eigentlich gar keine solche Scheibe besitzen dürfte. © NASA, ESA, and A. Feild and L. Hustak (STScI)

„Unmögliche“ Scheibe: Ein Schwarzes Loch im Zentrum einer fernen Galaxie verblüfft die Astronomen. Denn es besitzt eine kompakte Scheibe rasender Gase – etwas, das es bei einem so „appetitlosen“ Schwarzen Loch eigentlich gar nicht geben dürfte. Der Galaxienkern ähnelt eher einem Mini-Quasar als einem klassisch „ausgehungerten“ Schwarzen Loch, wie die Forscher berichten. Damit widerspreche diese Akkretionsscheibe klar den gängigen Theorien.

scinexx

Im Zentrum fast jeder Galaxie sitzt ein supermassereiches Schwarzes Loch – auch bei der Milchstraße. Während Sagittarius A* jedoch kaum aktiv ist und nur wenig Materie anzieht, ist dies bei aktiven Galaxienkernen (AGN) beispielsweise von Quasaren anders: Ihre Schwarzen Löcher sind von heißen, hell strahlenden Akkretionsscheiben aus Gasen und Staub umgeben. Die Strahlenemission dieser Scheiben und ihrer Umgebung hinterlässt im Lichtspektrum solcher Objekte ein charakteristisches Muster, die sogenannte Broad Line Region.

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Türkei beharrt auf Gas-Bohrungen vor Zypern

Die Türkei will an ihren Erdgas-Bohrungen vor der Küste Zyperns festhalten. – APA/AFP

Wenn die griechisch-zypriotische Regierung in Nikosia einen Kompromissvorschlag des türkischen Nordens nicht akzeptiere, würde weitergemacht, betont der türkische Außenminister Cavusoglu.

Die Presse.com

Die Türkei will an ihren Erdgas-Bohrungen vor der Küste Zyperns festhalten. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Sonntag, die Bohrungen würden fortgesetzt, wenn die griechisch-zypriotische Regierung in Nikosia einen Kompromissvorschlag des türkischen Nordens der geteilten Insel nicht akzeptiere.

Die türkischen Zyprioten hatten der international anerkannten griechisch-zypriotischen Regierung nach türkischen Angaben am Samstag eine Zusammenarbeit angeboten. Die Regierung in Nikosia sieht in den Bohrungen durch zwei türkische Schiffe Verstöße gegen internationales Recht.

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Atommüllentsorgung mit neuem Reaktor?

Themenbild. Bild: GNS Gorleben

Deutschland müht sich schon seit Jahrzehnten, ein Endlager für seinen Atommüll zu finden, bislang eher erfolglos. Nun kommt ein Team aus Berlin mit einem Vorschlag, der revolutionär sein könnte.

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Seit Jahren geistert das Konzept des Dual-Fluid-Reaktors durch die Lande, das vom privaten Institut für Festkörper-Kernphysik entwickelt wurde, in der westdeutschen Energiewirtschaft jedoch nie Fuß fassen konnte. Der Flüssigsalzreaktor oder Molten Salt Reactor zählt zur Gruppe der Thorium-Reaktoren.

Und beim Stichwort Thorium erinnert man sich sogleich an das im damaligen Forschungszentrum Jülich erprobte Konzept, das 1983 im Thorium-Hochtemperaturreaktor THTR 300 in Hamm-Uentrop erstmals ans Netz ging und 1989 schon wieder abgeschaltet wurde, nachdem 125 meldepflichtige Ereignisse eingetreten waren und der Reaktor sich nicht durchgängig so verhielt, wie man erwartet hatte. Zudem war die Leistung des Kugelhaufen-Reaktors mit nur 300 MW im Vergleich zu den damals noch gebräuchlichen KKWs an anderen Standorten deutlich geringer. Mit dem Abbau des THTR will man im Jahre 2028 beginnen, nachdem man inzwischen nur den Kühlturm gesprengt hat. Bis 2045 soll dann die ganze Anlage vollständig zurückgebaut sein.

Der Dual-Fluid-Reaktor (DFR)

Der DFR soll Atomkraft beherrschbar machen und keine Endlager benötigen, die länger als 300 Jahre betrieben werden müssen. Das schon vor Jahrzehnten entwickelte Grundkonzept, bei welchem der Brennstoff in Form eines Flüssigsalzes durch den Reaktor gepumpt wird, wurde von den Entwicklern des Instituts für Festkörper-Kernphysik gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Forschung IFK mit beschränkter Haftung um einen weiteren Kreislauf erweitert, der die Wärme mit flüssigem Blei abtransportiert, das eine Betriebstemperatur von 1.000 Grad Celsius haben soll. Damit will man Dampf erzeugen, mit welchem sowohl Turbinen angetrieben werden sollen, jedoch auch Prozesswärme für die Herstellung synthetischer Treibstoffe bereitgestellt werden soll.

Das Prinzip des DFR wurde im Jahre 2013 einem größeren Publikum bekannt, als das Konzept bei den Clean Tech Media Awards nicht in die Endausscheidung kam, weil es zum Streit zwischen den Protagonisten des DFR und den Veranstaltern des Clean Tech Media Awards kam, der letztlich vor Gericht ausgefochten wurde.

Am 25. April 2019 berichtete das im VDI-Verlag erscheinende Onlinemedium Ingenieur.de über den DFR, merkt jedoch an, dass damit vielleicht das Problem CO2 lösbar wäre, der Reaktor allerdings erst in 10 oder 20 Jahren den Betrieb aufnehmen könne. Obwohl die Patentanmeldung inzwischen wohl erfolgreich war, existiert der DFR bislang nur als Konzept. Die Weiterentwicklung soll mehrere Milliarden kosten. Wer die aufbringen soll, ist derzeit nicht bekannt.

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Schluss mit dem Homöopathie-Hokuspokus

In Frankreich wurde entschieden, dass Patienten zukünftig homöopathische Mittel selbst zahlen müssen. Auch in Deutschland ist eine Debatte entfacht. Für Fabian Schmidt gibt es da keine Diskussion.

Fabian Schmidt | Deutsche Welle

Die Homöopathie ist eine obskure Irrlehre. Vermeintliche Heilungserfolge erklärt sie mit einem mystisch-magischen „Gedächtnis des Wassers“, mit „Energie“ und „Schwingungen.“ Dieser Hokuspokus ist um nichts wissenschaftlicher als die Geisterbeschwörungen der Santeria-Vodoo-Priester in Haiti.

Homöopathie ist durch die moderne Medizin eindeutig widerlegt. Damit gehört diese Ideologie allerhöchstens noch ins Gruselkabinett medizinhistorischer Forschung. Am besten legt man sie ganz hinten im letzten Regal ab – weit versteckt hinter den verstaubten, in Alkohol eingelegten Exponaten aus der pathologischen Sammlung von Rudolf Virchow. Denn dessen Grusel-Fundstücke sind immerhin noch ein Teil echter wissenschaftlicher Forschung gewesen und haben vor über einem Jahrhundert den Grundstein gelegt für die heutige moderne Medizin.

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Auch Meuthen für Höcke-Kandidatur

Bild: tagesschau.de

Führende AfD-Politiker wollen, dass sich der Thüringer Landeschef Höcke auf dem Bundesparteitag zur Wahl stellt. Im Bericht aus Berlin äußerte sich nun Parteichef Meuthen. Für ihn wäre eine Kandidatur Höckes „folgerichtig“.

tagesschau.de

Nach Aufruf führender AfD-Politiker an den thüringischen Landeschef und Rechtsaußen Björn Höcke, bei der nächsten Wahl des Bundesvorstandes anzutreten, hat sich auch Parteichef Jörg Meuthen für eine Kandidatur Höckes ausgesprochen. „Ich würde es begrüßen, wenn er es täte und fände es auch folgerichtig“, sagte er im Bericht aus Berlin. Allerdings müsse Höcke „das selber wissen“, sagte Meuthen.

In einer Partei könne „jeder, der nicht zufrieden ist mit der Führung der Partei“, bei Neuwahlen für den Vorstand antreten, sagte Meuthen. Er habe Höcke bereits beim AfD-Parteitag in Hannover persönlich aufgefordert zu kandidieren. Damals habe dieser aber abgelehnt.

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Allah muss die Menschen nicht mit Spannung fesseln

Muslimische Pilger berühren die goldene Tür des wichtigsten Heiligtums des Islam, der Kaaba in Mekka. Bild: Picture-Alliance

Ein Gott, der mit sich und den Menschen im Reinen ist: Jack Miles widmet sich der Figur Allahs im Koran und erklärt, warum sich der Islam den Vorgängerreligionen überlegen fühlt.

Von Maurus Reinkowski | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Jack Miles steht mit seinem Buch auf dem festen Fundament seines Lebenswerkes. Dem jetzt ins Deutsche übertragenen „Gott im Koran“ (2019) gingen die beiden Bücher „Gott. Eine Biographie“ (1996) über Gott im Alten Testament und „Jesus: Der Selbstmord des Gottessohns“ (2001) voraus. Es lag also für Miles nahe und fiel ihm trotzdem, wie er selbst in der Danksagung schreibt, nicht leicht, den Schritt zu wagen und sich der Frage nach Gott im Koran zuzuwenden.

Miles’ Zögern ist verständlich. Bei jedweder Debatte mit Bezug zur islamischen Religion erweist sich der Koran immer als die letzte Instanz – empörter Ablehnung oder unbedingter Überhöhung. Die heutigen Polemiken haben eine lange Vorgeschichte: So wurde von jüdischer und christlicher Seite der Koran als eine plumpe Nachahmung des Tanach beziehungsweise des Alten und Neuen Testaments abgetan. Juden und Christen waren sich einig in der Kritik (die von jüdischer Seite übrigens auch gegenüber dem Neuen Testament erhoben wurde), dass im Koran das, was wahr ist, nicht neu sei, und das, was neu ist, nicht wahr sei.

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Es gibt kein Unkraut: Ein Botaniker kämpft gegen das Sterben auf Wiesen

Wichtig für Hummeln, aber stark gefährdet: Die Wiesen-Küchenschelle.Foto: Heli Kammerer

Wildpflanzen verschwinden – mit verheerenden Auswirkungen für uns alle. Ein Steirer zeigt, was jeder einzelne tun kann, dass sich die Vielfalt nicht vom Acker macht

Nikolai Atefie | derStandard.at

Heli Kammerer steht vor seinem Hof auf der Leber am steirischen Schöckl und lässt den Blick durchs Grazer Umland schweifen. Verzweifelt schüttelt er den Kopf. Er blickt auf grüne Flecken in unterschiedlichen Schattierungen. „Das, was wir vielerorts sehen, ist ein ökologischer Super-GAU“, sagt der 49-jährige Botaniker. „Die Wiesen sind zu Tode gemäht und völlig überdüngt, hier wächst fast nichts mehr, das einen ökologischen Mehrwert hat.“

Nur zehn bis fünfzehn unterschiedliche Pflanzenarten wachsen auf diesen Böden. Zum Vergleich: Auf artenreichen Flächen kommen bis über 100 verschiedenen Pflanzenarten vor. Wäre diese Landschaft vom Menschen nachhaltiger gepflegt, würde es jetzt im Hochsommer hier in allen nur erdenklichen Farben blühen. Was läuft schief im Landwirtschaftsland Österreich?

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„Ohne Sonne braun“: Zentralrat der Juden beklagt Nazi-Artikel bei Amazon

Neonazi-Propagandaartikel bei Amazon. Die Vorschriften des Online-Händlers verbieten eigentlich „das Anbieten von Artikeln, die den Nationalsozialismus oder verfassungswidrige Organisationen verherrlichen, unterstützen, gutheißen oder verharmlosen“. (Bild: amazon.de)

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat den E-Commerce-Riesen Amazon zum Verzicht auf den Verkauf von Nazi-Ware aufgefordert.

Stefan Krempl | heise online

Dass bei Amazon Produkte aus der Neonazi-Szene zu erstehen sind, hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, als „völlig inakzeptable Situation“ kritisiert. Über den Online-Großhändler würden beispielsweise „T-Shirts und Aufkleber vertrieben“, die „NS-Größen oder rechtes Gedankengut verherrlichen oder den Hass auf Minderheiten schüren“, monierte der 65-Jährige gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Amazon trage „als eines der größten Unternehmen auf dem weltweiten Buch- und Onlinehandelsmarkt eine große moralische und gesellschaftliche Verantwortung“, redete Schuster dem US-Konzern ins Gewissen. „Wer solche Waren auf dem Markt verbreitet, darf sich nicht darauf zurückziehen können, dass er lediglich ‚Anbieter‘ ist und damit keine Verantwortung hat.“ Das gelte „gerade in der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Lage“.

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Aus dem AfD-Irrenhaus: Ganz Deutschland ist verrückt, nur wir nicht

Wahlauftakt der AfD für die Landtagswahl 2019 in Cottbus, Brandenburg, am 13. Juli 2019. Sympathisanten der Partei halten Deutschland-Fahnen in die Luft. (Bild: Christoph Soeder / Keystone)

Beim AfD-Wahlkampfauftakt in Brandenburg werden Merkel, die Grünen, die evangelische Kirche und Kapitänin Rackete zu einem kollektiven Wahnsinn vermischt. Und wer versteht die Welt gemäss der AfD noch? Der Ostmensch, mit seinen fein ausgebildeten Antennen.

Benedict Neff | Neue Zürcher Zeitung

«Wenn jemand Scheisse baut, gebt gleich Bescheid», sagt ein beleibter Mann mit Henriquatre-Bart und Gilet, der die sogenannten Ordner anleitet. «Wir fassen niemanden an und fangen keine Schlägerei an.» Daneben gelte: kein Alkohol auf dem Platz, keine Hunde und keine «extremen Abzeichen». Der Verfassungsschutz sei hier und höre zu, erinnert der AfD-Mann seine Leute. «Das Wetter ist geil, die Leute sind da!» Dann schwärmen die Ordner mit ihren weissen Armbinden in die Menge.

Am Samstag hat in Cottbus der Wahlkampfauftakt der AfD Brandenburg für die Landtagswahl stattgefunden. Dafür wurden gleich vier AfD-Chefs aufgeboten: Jörg Meuthen von der Bundespartei, Andreas Kalbitz aus Brandenburg, Jörg Urban aus Sachsen und Björn Höcke aus Thüringen. In allen drei Bundesländern finden im Herbst Wahlen statt, und überall könnte die AfD gemäss den Umfragen 20 Prozent und mehr erreichen. Das wären noch einmal neue Dimensionen, die an Deutschland nicht spurlos vorübergehen würden.

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Dodo Müller: Kirche arbeitet an ihrer eigenen Auflösung

Gerhard Ludwig Müller links im Bild. Bild: bb

Der ehemalige Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat der katholischen Kirche unter Papst Franziskus vorgeworfen, an ihrer eigenen Auflösung zu arbeiten.

DOMRADIO.DE

„Die Selbstsäkularisierung der Kirche nach dem Modell des liberalen Protestantismus ist nicht der erste Schritt ihrer Modernisierung, sondern der letzte vor ihrer Selbstabschaffung“, schreibt er in einem neuen Buch, das am Montag erscheint. In dem Buch äußert Müller an vielen Stellen scharfe Kritik an Papst Franziskus.

Der deutsche Kardinal wirft dem Vatikan Machtklüngel und dem Kirchenoberhaupt Effekthascherei vor. Die Kirche müsse „arm und dienend, einfach aber auffällig barmherzig sein“, schreibt Müller in dem Buch mit dem Titel „Römische Begegnungen“. Mit verstaubten Vokabeln von Sünde und Umkehr könne man die Leute nur abschrecken.

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Forderungen der Hohenzollern: Es geht um die Deutungshoheit über die Geschichte

Das Hochzeitsbild von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria.Foto: dpa

Die Hohenzollern fordern Einfluss auf die Darstellung ihrer Vorfahren ein. Das muss in einer aufgeklärten Gesellschaft ausgeschlossen sein. Ein Kommentar.

Von Bernhard Schulz | DER TAGESSPIEGEL

„Der Preußische Finanzminister führte aus, dass die Preußische Staatsregierung den dringenden Wunsch hätten, zu einer annehmbaren Auseinandersetzung mit dem Hohenzollernhause zu kommen“, heißt es im Protokoll einer Reichstagssitzung vom April 1926. Wer hätte gedacht, dass dieser Wunsch des damaligen Finanzministers Hermann Höpker-Aschoff noch einmal aktuell werden könnte. Und doch ist es so.

Das Haus Hohenzollern, durch die Abdankung des preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm II. auch de jure ein „ehemals regierendes Haus“, macht Ansprüche auf tausende Kunstwerke und Liegenschaften geltend, die ihm damals faktisch verloren gingen, deren Status jedoch womöglich doch nicht eindeutig geklärt wurde – jedenfalls nicht so eindeutig, dass nicht findige Anwälte die Chance erspähten, auf dem Klagewege einige Schätze aus öffentlichen Besitz herausbrechen zu können.

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„Ohne Teufel wäre der Glaube zu schön, um wahr zu sein“

Papst Franziskus spricht immer wieder über den Teufel. Was können die Menschen in Deutschland damit anfangen? Spielt der Teufel im Glaubensleben noch eine Rolle? Nein, meint der Bamberger Dogmatiker Jürgen Bründl – und erklärt, warum die Theologie trotzdem am Teufel festhält.

Von Tobias Schulte | katholisch.de

Frage: Herr Bründl, Papst Franziskus redet oft über den Teufel, für manche Theologen zu oft. Wenn Sie an ihre Studenten oder die Gläubigen in den Gemeinden denken: Welche Rolle spielt der Teufel in deren Glaubensleben?

Bründl: Gar keine, in der Regel. Als handlungsbestimmendes Moment hat der Teufel heute keine Aussagekraft. Für einige Menschen ist er aber bisweilen noch eine angstbesetzte Figur, demgegenüber „das ist doch Schmarrn“ eine gesunde Reaktion ist.

Frage: Welche Konsequenz hat es, dass der Teufel im Glaubensleben nicht mehr vorkommt?

Bründl: Es bedeutet einen rationaleren Umgang mit Schuld, der nach Zurechnung fragt. Es ist ein großer Vorteil, wenn man erkennt, dass man selbst Schuld trägt und nicht von einem bösen Geist – oder eben dem Teufel – zu etwas veranlasst wurde.

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