Transhumanismus: Von der Technikverehrung zur Mythologie

Der Biologe und Philosoph Max Schnetker über den Transhumanismus als Krypto-Religion und Eliten-Ideologie

Matthias Becker | TELEPOLIS

Der Transhumanismus stellt die Überwindung des Menschen mit technischen Mitteln in Aussicht. Ausgangspunkt seiner Hoffnungen und Befürchtungen sind denkende Maschinen, deren Fähigkeiten die von Menschen weit übertreffen sollen. Solche Geräte sind allerdings nirgendwo in Sicht, die erwartete Superintelligenz rein spekulativ und viele transhumanistische Annahmen abenteuerlich – warum verbreitet sich der Transhumanismus dennoch?

Zum ersten Mal begegnet bin ich mit dem Transhumanismus, als ich ziellos durch das Internet stöberte. Meine erste Reaktion war, dass ich die Debatte über die Rachegelüste der kommenden Superintelligenz für eine Satire hielt. Wie war deine erste Reaktion?

Max Schnetker: Bei mir war es anders. Ich kam an der Universität mit transhumanistischen Ideen in Kontakt, allerdings mit ihren sozusagen seriösen Ausläufern, Autoren wie Ray Kurzweil oder Nick Bostrom. Einem unvoreingenommenen Laien wie mir damals konnte der Transhumanismus auf den ersten Blick als seriöse Wissenschaft erscheinen, mit akademisch anmutenden Publikationen und Instituten wie dem Machine Learning Research Institute oder der Singularity University. Je mehr ich mich dann eingelesen habe, umso erschreckender fand ich die transhumanistischen Ideen. Schließlich wurde mir klar, dass sich diese Strömung nur mit den Mitteln der Ideologiekritik begreifen lässt.

Aus diesem Grund hast du vor kurzem eine Studie mit dem Titel „Transhumanistische Mythologie“ veröffentlicht. Aber lass uns erst einmal ein paar Grundlagen zum besseren Verständnis legen. Der Transhumanismus ist eine Bewegung, die vor allem in den Vereinigten Staaten aktiv ist und von der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung erwarten. KI wird sich angeblich ab einem bestimmten Zeitpunkt – der sogenannten Singularität – permanent erweitern und optimieren. Sie markiert sozusagen den Takeoff der rekursiven Selbstoptimierung.

Max Schnetker: Transhumanisten glauben, dass mit der Singularität eine Superintelligenz entstehen wird. Weil deren Intelligenz angeblich exponentiell anwachsen wird, wird sie uns Menschen schnell in einem nicht mehr nachvollziehbaren Maß überlegen sein. Häufig vergleichen Transhumanisten den Unterschied zwischen ihr und uns mit dem zwischen einem Menschen und einer Maus oder einem Insekt. In den Debatten dient diese Annahme häufig dazu, kritische oder skeptische Einwände abzuwehren, weil wir uns die Handlungsmöglichkeiten der kommenden Superintelligenz einfach nicht vorstellen können. Sie ist geradezu allmächtig, letztlich verhält sie sich zu uns wie ein Gott.

Das klingt tatsächlich nach einem kniffligen theologischen Problem. Die Ratschlüsse der Superintelligenz sind für uns Sterbliche unergründlich …

Max Schnetker: Gleichzeitig sind wir es, die dieses höchste Wesen schaffen. Wir müssten sicherstellen, dass die Superintelligenz unsere Existenz toleriert, denn sonst wird sie uns an den Rand drängen, so wie wir Menschen einen Ameisenbau planieren, um einen Parkplatz zu bauen. Die Transhumanisten sprechen in diesem Zusammenhang vom Value-Loading-Problem: Wie kriegen wir es hin, dass die KI uns wohlgesonnen bleibt – was schwierig ist, weil sie sich in einem Prozess rekursiver Optimierung selbst programmieren soll, also das eigene Programm fortlaufend verbessert.

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Nach «Breitbart»: Neue Mediennischen tun sich auf

Der mobile Mensch ist auch mobil in seiner Mediennutzung: Er ist nicht nur auf einen Anbieter fokussiert. (Bild: Russell Boyce / Reuters)

Die rechtspopulistische Website Breitbart.com hat sich überlebt. Das hat sie dem Erfolg ihres eigenen Geschäftsmodells zuzuschreiben. Kleinere konservative Medienprodukte springen nun in die Lücke.

Marc Neumann | Neue Zürcher Zeitung

«Breitbart» darbt. War die rechtspopulistische News-Website unter der Leitung Steve Bannons einst medialer Steigbügelhalter und Königsmacher für Donald Trump, ist sie heute im anhaltenden Sinkflug – wie US-Medien von der «Washington Post» bis «Politico» in schöner Regelmässigkeit und nicht ohne Schadenfreude berichten.

Auch wenn die derzeitige «Breitbart»-Redaktion unter der Leitung des Journalisten Alex Marlow zumindest punktuell dementiert, zeichnen Mediendatenunternehmen von comScore über Alexa bis SimilarWeb ein einheitlich düsteres Bild. Von Januar 2017 bis Januar 2018 reduzierte sich die Zahl monatlicher Besucher gemäss comScore um 51 Prozent. Von den 15,7 Millionen «unique visitors» pro Monat bei Donald Trumps Amtsantritt waren im Mai 2019 noch 4,6 Millionen übrig.

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AfD-Chef rechnet mit Ausschluss von Sayn-Wittgenstein

Delegierte der AfD Hessen zeigen bei einer Abstimmung ihre Stimmkarten (Archivbild). Bild: dpa

Den umstrittenen Thüringer AfD-Chef Höcke nimmt Meuthen aber in Schutz: „Er ist mit seinen Äußerungen zuweilen an der Grenze, aber nicht drüber“. AfD-Vize Gottschalk dagegen beklagt eine „Schneise der Verwüstung“ durch Höckes „Flügel“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im parteiinternen Machtkampf in der AfD rechnet Parteichef Jörg Meuthen mit einem Ausschluss der AfD-Vorsitzenden von Schleswig-Holstein, Doris von Sayn-Wittgenstein. „Wir wünschen aus guten Gründen, dass sie ausgeschlossen wird, und schauen der Entscheidung des Schiedsgerichts gelassen entgegen“, sagte Meuthen der „Bild am Sonntag“. Die AfD-Führung hat gegen Sayn-Wittgenstein ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet, weil sie einen Verein von Holocaust-Leugnern unterstützt. Trotzdem war sie kürzlich in Schleswig-Holstein wieder zur Landesvorsitzenden gewählt worden.

Nach Einschätzung von Meuthen liegt das daran, dass sie „ein gewisses Charisma hat und das geschickt einzusetzen weiß. Viele wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Wenn sie wüssten, was der Bundesvorstand weiß, wäre sie nach meiner Überzeugung nicht gewählt worden.“

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Scham für die Flugscham

Grafik: TP

Ein Gespenst geht nicht nur um in Europa – nein, nicht erneut das Gespenst des Kommunismus, sondern das der Scham. Und anders als beim Kommunismus haben sich auch keine Mächte zur Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet.

Jörg Räwel | TELEPOLIS

Vielmehr ist mittlerweile breite Zustimmung und Wohlwollen nicht nur der Mächtigen z.B. zur „Fridays-for-Future“ Bewegung und damit verbundenen moralischen Ansprüchen zu vermerken. Dies wohl auch, weil eine Kritik der Moral selbst oft moralische Empörung hervorruft. Es ist plausibel geworden, etwa Fleischkonsum zu ächten, hingegen Stolz über den praktizierten Veganismus zu empfinden, sich z.B. der Flugreisen zu schämen, hingegen Achtung ob des vergleichsweise mühsamen und teuren Zugreisens zu ernten.

Im Folgenden geht es nicht um die Sache des gesellschaftlich verursachten, aufgrund seiner Geschwindigkeit bedrohlichen Klimawandels. Wir gehen davon aus, dass dieser wissenschaftlich klar belegt ist. Die wissenschaftlich bewiesene Schädlichkeit des CO2-Ausstoßes, etwa durch individuelle Massenverkehrsmittel, Flugreisen oder durch Massentierhaltung soll nicht in Frage gestellt werden. Hinterfragt werden soll aber die Form des Protests, die offensichtlich Hoffnung in Appelle an individuelle Verantwortlichkeit setzt und davon ausgeht, dass eine moralische, also an Achtung und Missachtung geknüpfte Bewertung individuellen Verhaltens positive Effekte zeitigen könnte.

Doch was ist verwerflich daran, festzustellen, dass dann, wenn wir alle achtsamer mit der Umwelt umgehen, wir alle Ressourcen schonender leben, etwa auf Massentierhaltung verzichten würden, wir alle z.B. unnötige Fernreisen vermeiden, lokale Produkte konsumieren, die Welt zu einem besseren Ort machen würden, den die Menschheit bedrohenden Klimawandel vielleicht sogar abwenden könnten? Liegt die Achtung gebietende Stimmigkeit geforderter Verhaltensweisen nicht auf der Hand?

Verwerflich ist an diesen Forderungen die offensichtlich werdende naive, unrealistische Wahrnehmung der modernen Gesellschaft. Verwerflich ist die dabei zutage tretende, am Thatcherismus angelehnte Vorstellung von „Gesellschaft“, bestehend schlicht aus der Summe individueller, selbstverantwortlicher (bestenfalls Familien verpflichteter) Subjekte:

They are casting their problems at society. And, you know, there’s no such thing as society. There are individual men and women and there are families. And no government can do anything except through people, and people must look after themselves first. It is our duty to look after ourselves and then, also, to look after our neighbours.

Margaret Thatcher

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Es ist diese Anschauung von Gesellschaft, eher noch das Verleugnen gesellschaftlicher Strukturen, die auch andere Formen der Scham plausibilisiert. Etwa die Scham für Arbeitslosigkeit oder für den Empfang von Sozialhilfen („Hartz IV“). Werden gesellschaftliche Phänomene, wie hier etwa die Beeinflussung des Arbeitsmarktes durch Rationalisierung und Automatisierung oder etwa Altersdiskriminierung, unterschätzt oder gar negiert, so bleibt nur individuelle Verantwortlichkeit – und Scham im Angesicht individuellen Scheiterns bis hin zur Selbstverleugnung.

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Die verflixte Hubble-Konstante führt Astronomen an der Nase herum

Der Rote Riese Camelopardalis stösst seine Gashülle ab, nachdem das Helium in seinem Inneren zu fusionieren begonnen hat. (Bild: ESA, Nasa)

Die gemessene Expansionsrate des heutigen Universums ist grösser, als es Extrapolationen erwarten lassen. Eine Gruppe von Astronomen hat jetzt untersucht, ob das an der Messmethode liegen könnte. Ihre Antwort lautet: Jein.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Einem Astronomen muss man nicht erklären, wer Wendy Freedman ist. Die kanadisch-amerikanische Forscherin hatte in den 1990er Jahren mit dem Hubble-Teleskop die Entfernung zu 24 Galaxien gemessen und auf dieser Grundlage einen relativ genauen Wert für die sogenannte Hubble-Konstante ermittelt. Mit dieser Messung beendete Freedman im Jahr 2001 einen jahrzehntelangen Streit darüber, wie schnell das heutige Universum expandiert. Inzwischen gibt es allerdings eine neue Kontroverse um die Hubble-Konstante. Denn die von Freedman und anderen Forschern gemessene Expansionsrate verträgt sich nicht mit der extrapolierten Entwicklung des Universums.

Jetzt meldet sich Freedman erneut zu Wort. In einer Arbeit, die demnächst im «Astrophysical Journal» erscheinen wird, hat eine von ihr geleitete Arbeitsgruppe einen anderen Weg eingeschlagen als vor zwanzig Jahren, um die Expansionsrate des Universums mit dem Hubble-Teleskop zu messen. Das Ergebnis sorgt für Ratlosigkeit. Denn es fällt gewissermassen zwischen Stuhl und Bank.

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Die Sonne der Männlichkeit steht tief. Die alten Muster in der Ordnung der Geschlechter zeigen letzte Zuckungen

Unheimliches geschieht in den unheimlichen Bergen. Und Norbert Gstrein erzählt davon mit präziser Dramaturgie. (Bild: Gerhard Heidorn / laif)

Zwei Selbstmorde und ein zweifelhafter Erzähler – Norbert Gstreins neuer Roman entwirft das Panorama einer grossen Einsamkeit. Er ist Thriller und Gesellschaftsstudie zugleich.

Paul Jandl | Neue Zürcher Zeitung

In die Landschaft müsste man verschwinden können. Ein paar Schritte hinaus in den Schnee, in die Wüste. Dann über die Hügel und immer weiter, bis man nur noch ein Punkt ist. Wäre das das Ende einer Geschichte? Oder ihr Anfang? Norbert Gstreins neuer Roman «Als ich jung war» ist eine grosse Erzählung über das Verschwinden. Eine Parabel darüber, dass das, was wir zu sehen glauben, nicht mehr ist als ein Nebelstreifen vor unseren Augen.

In den Tiroler Bergen stürzt eine junge Braut noch in der Hochzeitsnacht in die Tiefe. In den Rocky Mountains sind plötzlich junge Frauen verschollen, und man hält einen Mann für den Täter, der ein seltsames Hobby pflegt. Er sammelt in einem Archiv Fälle verschwundener junger Frauen. Dann ist da noch die seltsame Vagabundin, die aus einer kleinen Stadt in Wyoming so schnell wieder abtaucht, wie sie aufgetaucht ist.

Nur einer kämpft gegen das Verschwinden an. Es ist der Erzähler mit seiner Kamera. Er fotografiert bei den Hochzeiten im Hotel seiner Eltern und über verschneite Bergkuppen hinweg. Seine Bilder sind voller Menschen, aber am liebsten hat er es menschenleer. Er ist dabei. Und er ist ein Aussenseiter, dem man erst einmal vertrauen muss.

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Genetische Daten anstelle eines persönlichen Gesprächs?

Wären Sie bereit, ihre eigene DNA und andere medizinische Daten für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen? Welche Art von Umgang sich Bürger mit ihren Gesundheitsdaten vorstellen können, untersucht Barbara Prainsack. – (c) TEK Image/Science Photo Library/picturedesk.com

Die Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack beschäftigt sich mit den Auswirkungen der personalisierten Medizin auf die Gestaltung künftiger Gesundheitspolitik.

Von Erika Pichler | Die Presse.com

Personalisierte Medizin“ – nach Meinung mancher Experten einer der wichtigsten medizinischen Zukunftstrends – ist ein irreführender Begriff. Allgemeinsprachlich ist damit gemeint, individuelle Gegebenheiten von Patienten in die medizinische Behandlung einzubeziehen. Ein prinzipiell wünschenswerter Zugang, der auch psychische und soziale Merkmale und Bedürfnisse beinhalten würde.

Im engeren Sinn jedoch, in dem der Begriff hauptsächlich verwendet wird, bedeutet personalisierte Medizin, biologische messbare Merkmale eines Patienten (sogenannte Biomarker) als Basis für eine Diagnose, Therapie oder Beratung heranzuziehen, darunter vor allem genetische Merkmale. Im Mittelpunkt stehen also nicht die personenspezifischen oder biografischen Eigenschaften eines Patienten, sondern seine biologischen individuellen Strukturen.

„Personalisierte Medizin ist eine digitale, algorithmenbasierte Medizin“, erklärt Barbara Prainsack, Universitätsprofessorin für Vergleichende Politikfeldanalyse, im Podcast „Audimax“ der Universität Wien. Die Politikwissenschaftlerin, die vergangenes Jahr eine umfangreiche Monografie über personalisierte Medizin veröffentlichte, steht manchen großen Versprechen dieser Vision kritisch gegenüber.

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Kassel: 10.000 Gegendemonstranten empfangen 120 Rechte

Kundgebung in Kassel – imago images / Eibne

Rechtsextreme marschierten in Kassel auf, um gegen eine „Instrumentalisierung“ des Verbrechens an Walter Lübcke zu protestieren.

Die Presse.com

Rund 10.000 Menschen haben am Samstag in Kassel gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen demonstriert. Die Kundgebung der Rechten fiel wesentlich kleiner aus, rund 120 von ihnen versammelten sich auf einem Platz außerhalb der Innenstadt. Sie protestierten gegen eine angebliche mediale Vorverurteilung im Zusammenhang mit der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Trotz eines Großaufgebotes der Polizei kamen sich Rechtsextreme und Gegendemonstranten zeitweise bis auf wenige Meter nahe. Flaschen flogen, es gab Gerangel mit Einsatzkräften. Laut Polizei wurden 31 Personen zeitweise fest- oder in Gewahrsam genommen.

Seit den Morgenstunden war die nordhessische Stadt in einer Art Ausnahmezustand: Busse und Bahnen hatten in der Innenstadt den Betrieb eingestellt. Die Polizei kontrollierte an Bahnhöfen, Teile der Stadt waren gesperrt. Das Stadtbild beherrschten die Gegendemonstranten, ein Bündnis gegen Rechts hatte zu zahlreichen Veranstaltungen aufgerufen und zog bereits vor Ankunft der Rechten mit 3.000 Menschen durch Kassel.

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Heuchelei in der europäischen Flüchtlingsdiskussion

In Berlin und in anderen EU-Ländern tun Politiker angesichts Trumps rassistischer Äußerungen jetzt so, als wären sie die US-Oppositionsbewegung

Peter Nowak | TELEPOLIS

In Berlin sind sich bis auf die AfD scheinbar alle Parteien einig, dass der Rassismus eines Donald Trump nicht tragbar ist. Auch Bundeskanzlerin Merkel hat sich in ihrer Sommerpressekonferenz auf Nachfragen ausdrücklich von seinen Tweets distanziert, in denen er vier Politikerinnen vom linken Flügel der Demokratischen Partei dazu aufforderte, in „ihre Herkunftsländer“ zurückzukehren. Nur sind drei von ihnen in den USA geboren, eine kam als Migrantin aus Somalia in die USA.

Die Äußerungen von Trump sind zweifellos ein Beispiel, wie Rassismus als Strategie im beginnenden US-Wahlkampf benutzt wird (Trumps Rassismus kommt bei seiner Wählerschaft an). Es gibt für Oppositionelle in den USA allen Grund, dagegen zu mobilisieren. Wenn aber in Berlin und auch in anderen EU-Ländern Politiker jetzt alle so tun, als wären sie die US-Oppositionsbewegung, dann ist das pure Heuchelei.

Warum fragt keiner, wo denn in Deutschland analoge politische Biographien zu finden sind? Wo sind in der Bundespolitik die Frauen, deren Eltern aus arabischen und afrikanischen Ländern nach Deutschland migrierten und die jetzt eine wichtige Rolle bei den Grünen oder bei der Linken spielten und die Regierungskoalition von links angreifen?

Würde eine Frau, die als Kind aus Somalia migrierte, nicht auch von Politikern der Union angegriffen und auf ihr Heimatland verwiesen? Erinnert sich noch jemand an den Wahlkampf in Hessen, in denen mehrere nicht biodeutsch klingende Namen als Abwehr nebenaneinander gereiht waren? Auf einem CDU-Plakat heißt es unter Anspielung auf die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Andrea Ypsilanti und Tarek Al-Wazir, sowie die Partei Die Linke: „Links-Block verhindern! Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen“. Und wurde und wird Cem Özdemir, obwohl vollständig in Deutschland integriert, auf die Migrationsgeschichte seiner Eltern verwiesen, wenn er sich mal kontrovers politisch äußert, was kaum vorkommt.

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Mit Strom das Gehirn ankurbeln

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project

Die Gehirnleistung ist von elektrischen Frequenzen im Kopf abhängig – US-Forscher zeigen, wie die Stimulierung von Theta-Wellen das Denken verbessern könnte

Christian Wolf | der Standard.at

Ein Orchester funktioniert nur, wenn alle Mitglieder im gleichen Takt fein aufeinander abgestimmt miteinander spielen. Auch im menschlichen Gehirn ist sehr vieles eine Sache des guten Timings. Es kann allerdings vorkommen, dass einzelne Hirnregionen untereinander aus dem gemeinsamen Takt geraten. Das hat unerwünschte Folgen. Oft ist es auch eine Altersfrage. Bekanntlich lässt mit den Lebensjahren auch das Gedächtnis nach. Betroffen vom Alterungsprozess ist sehr oft das Arbeitsgedächtnis. Dieses System im Gehirn hält, ähnlich wie der Arbeitsspeicher eines Computers, diejenigen Informationen präsent, die im Moment benutzt werden.

Älteren Menschen fällt es schwerer, Informationen kurzzeitig im Gedächtnis zu behalten. Sie haben etwa Schwierigkeiten, sich die Zwischensummen beim Kopfrechnen zu merken oder eine Telefonnummer kurzfristig im Gedächtnis zu behalten, bevor sie sie niederschreiben. Einer Theorie zufolge hängt das Nachlassen des Erinnerungsvermögens im Alter genau damit zusammen, dass Hirnregionen, die an Gedächtnisleistungen beteiligt sind, nicht mehr optimal untereinander koordiniert und synchron aktiv sind. Damit können sie auch nicht mehr so gut kommunizieren.

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Machtverhältnisse in der Türkei — „Der Wind dreht sich“

Bild: Magazin „The Economist“

Die Wirtschaft schwächelt, dazu die Wahlniederlage in Istanbul: Der türkische Präsident Erdogan steht unter Druck. Nun wurden reihenweise Prozesse gegen Regierungskritiker verschoben. Bereits ein Zeichen für Veränderung?

Von Karin Senz | tagesschau.de

Standing Ovations, als der Angeklagte in den Saal geführt wird, und Applaus für die Anwälte bei ihren Statements – das hat die ersten Verhandlungstage im großen Prozess um die Gezi-Park-Proteste 2013 in Istanbul geprägt. Auch Asena Günal hat geklatscht, erzählt sie selbstbewusst: „Normalerweise ist da immer eine ziemlich angespannte Stimmung. Und die Staatsanwälte und Richter sind meistens ziemlich streng. Wenn Applaus oder so etwas kommt, dann werfen sie die Leute in der Regel sofort raus. Dann gehen deren Anwälte mit raus.“ Aber jetzt sei es so, dass der Vorsitzende Richter total ruhig und höflich sei. Er greife nicht ein, weder bei Applaus noch bei Gelächter.

In dem Istanbuler Verfahren muss sich auch der Journalist Can Dündar vor Gericht verantworten. Er soll zusammen mit 15 weiteren Angeklagten versucht haben, die türkische Regierung zu stürzen. Dündar lebt inzwischen in Deutschland. Der einzige Angeklagte, der noch in Untersuchungshaft ist, ist der türkische Kulturmäzen Osman Kavala.

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Trumps Waffe, die Religionsfreiheit

Im Weißen Haus traf Donald Trump vor wenigen Tagen Menschen, die wegen ihrer Religion verfolgt werden. In der Vergangenheit aber machte er selbst häufig Stimmung gegen Muslime. (Foto: AFP)
  • In dieser Woche konferierten mehr als 1000 Staatenvertreter im Washingtoner State Department zum Thema Religionsfreiheit.
  • Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.
  • Trumps Regierung hat das Thema schon seit Längerem für sich entdeckt und nutzt es in der Außen- wie Innenpolitik.

Von Thorsten Denkler | Süddeutsche Zeitung

Die Bibel liegt im Büro von US-Außenminister Mike Pompeo offen und griffbereit. Mit deutlichen Gebrauchspuren, wie ein Reporter der New York Times bemerkt, der Gelegenheit hatte, Pompeo dort zu treffen. Diverse Textstellen seien markiert gewesen. Pompeo ist ein zutiefst religiöser Mensch. Einer der sagt, dass er es „als Christ durchaus für möglich hält„, dass Gott es war, der seinen Chef Donald Trump zur Erde gesandt hat, um Israel vor Iran zu schützen.

Als Christ hat es sich Pompeo und mit ihm die gesamte Trump-Regierung zudem zur Aufgabe gemacht, die Religionsfreiheit weltweit zu schützen. In dieser Woche konferierten deshalb mehr als 1000 Staatenvertreter im State Department zu diesem Thema. Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.

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Die Royal Navy ist am Persischen Golf überfordert

Der Iran hält diesen unter britischer Flagge fahrenden Öltanker fest. (Bild: Jan Verhoog / EPA / Marinetraffic.com)

Die Eskalation in der Meeresstrasse von Hormuz hat die britische Regierung unvorbereitet getroffen. Zum Schutz der Öltanker stehen zu wenige Fregatten zur Verfügung, und diplomatisch treibt Amerika London in die Enge.

Markus M. Haefliger | Neue Zürcher Zeitung

Der britische Aussenminister Jeremy Hunt hat am Samstag Teheran davor gewarnt, die Bedrohung von kommerziellen Schifffahrtslinien am Persischen Golf fortzusetzen. «Iran bewegt sich auf einem gefährlichen Weg», teilte Hunt mit. Die iranischen Revolutionswächter hatten am Freitag in der Strasse von Hormuz den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker «Stena Impero» aufgebracht; das Schiff und die internationale Besatzung werden im militärisch befestigten Hafen von Bandar Abbas festgehalten.

Die Regierung in London empfahl kommerziellen britischen Schiffen gleichzeitig, die Strasse von Hormuz vorerst zu meiden. Hunt hatte am Vorabend mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, ohne deutlich zu machen, was er damit meinte. Militärische Massnahmen schloss er aus. Der Sicherheitsausschuss des Kabinetts tagte in der Nacht auf Samstag und am frühen Samstagmorgen insgesamt zwei Mal.

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US Army lässt Microsoft Datenbrille mit Gesichtserkennung entwickeln

Soldaten trainieren mit dem Integrated Visual Augmentation System. Bild: DoD

In das Integrated Visual Augmentation System sollen möglichst alle verfügbaren visuellen Daten integriert, die Leistung der Soldaten überwacht und die Zielgenauigkeit optimiert werden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das vor einem Jahr gegründete Army Futures Command will die US-Armee mit neuen Techniken ausstatten. Ende des Monats will es voll einsatzfähig sein und Entwicklungen und Anschaffungen außerhalb der üblichen Wege beschleunigen. Kritik kam aber schon vom GAO, dass nicht ausreichende kleine Firmen einbezogen werden. Es geht um KI-Anwendungen, autonome Fahrzeuge und Roboter, 3-Drucker, neue Waffen, neue Raketen wie die Precision Strike Munitions, die mit angeblichen 499 km gerade noch eine INF-kompatible Reichweite haben sollen. Am Mittwoch stellte sich das Kommando mit seinen Projekten Pressevertretern vor.

Schon länger trainieren US-Soldaten in kleinen Einheiten mit einer neuen Brille für erweiterte Realität (augmented reality). Das auf der HoloLens-Technik Integrated Visual Augmentation System (IVAS) wird von Microsoft im Rahmen eines mit 480 Millionen US-Dollar ausgestatteten Programms entwickelt. Gegen das Vorhaben gab es Widerstand von einigen Microsoft-Mitarbeitern, die einen Protestbrief „HoloLens For Good, Not War“ an das Management schrieben, aber nichts bewirkten.

Im Rahmen des Programms Next Generation Squad Weapon (NGSW), bei dem es um Ersatz des leichten Maschinengewehrs M249 und des Sturmgewehrs M4 Carbine, kam der Wunsch nach einem verbesserten Head-up-Display (HUD) auf, das als Brille getragen werden kann und mit einer Kamera und einem Minicomputer verbunden ist.

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Suche nach Orlandi im Vatikan geht weiter – keine neuen Erkenntnisse

Bild: © katholisch.de

Bei der Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi sind auf dem deutschen Friedhof im Vatikan zwei weitere Gräber geöffnet worden. Dabei seien Überreste gefunden worden, die nun untersucht werden müssten.

katholisch.de

Eine neuerliche Suche im Vatikan nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi ist am Samstag ohne Zwischenergebnis unterbrochen worden. Wie Vatikansprecher Alessandro Gisotti mitteilte, brachte die Öffnung von zwei unterirdischen Gebeinkammern im deutschen Priesterkolleg Campo Santo Teutonico am Petersdom Überreste zutage, die einer ersten Begutachtung unterzogen wurden. Auf Anordnung der vatikanischen Staatsanwaltschaft würden die morphologischen Analysen der Funde kommenden Samstag fortgesetzt, hieß es. Die Bergung und die ersten Untersuchungen dauerten den Angaben zufolge sechs Stunden.

Die Nachforschungen sollen Licht in das Schicksal der jungen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi bringen, die am 22. Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt war.

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Auch Schwebfliegen wandern

Die Hainschwebfliege ist eine von 450 in Deutschland vorkommenden Schwebfliegen-Arten. © Will Hawkes

Vom Festland auf die Insel: Auch Schwebfliegen gehören zu den Zugtieren unter den Insekten. Wie Radarbeobachtungen enthüllen, pendeln jedes Jahr bis zu vier Milliarden dieser Tiere zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland hin und her. Die Schwebfliegen sorgen dadurch für wichtigen Nachschub an Bestäubern und transportieren auch Pollen und Nährstoffe über den Ärmelkanal, wie Forscher im Fachmagazin „Current Biology“ berichten.

scinexx

Zugvögel sind nicht die einzigen Tiere, die im Rhythmus der Jahreszeiten um die Welt reisen. Auch manche Fische, Säugetiere und sogar Insekten pendeln alljährlich zwischen ihren Winter- und Sommerlebensräumen. So legt beispielsweise der Monarchfalter auf seinem Weg zwischen Nord- und Südamerika viele tausend Kilometer zurück und auch der Distelfalter oder die Wanderlibelle sind echte Langstreckenflieger.

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Vatikan verhängt Sanktionen gegen US-Bischof

Bischof Bransfield und das Schreiben des Vatikans Foto: CNA Deutsch / Archiv

Die Vorwürfe stehen seit einiger Zeit im Raum: Bischof Michael J. Bransfield von Wheeling-Charleston soll Seminaristen, Priester und andere Erwachsene sexuell belästigt, genötigt und missbraucht haben.

Von AC Wimmer | CNA

Zudem ist belegt, dass er aus diözesanen Mitteln große Geldgeschenke finanzierte, die er dann an hochrangige Kirchenvertreter verteilte.

Wie der Vatikan am gestrigen Freitag mitteilte, darf Bransfield nun ab sofort nicht mehr an öffentlichen Messen teilnehmen oder in seiner ehemaligen Diözese leben. Das habe Papst Franziskus entschieden. Bransfield müsse zudem „persönliche Wiedergutmachung leisten“ für den Schaden, den er der Diözese zugefügt hat.

Die Stellungnahme des Vatikans vom 19. Juli, die am gestrigen Freitag auf der Website der Diözese Wheeling-Charleston veröffentlicht wurde, kam vom Apostolischen Nuntius der Vereinigten Staaten, Erzbischof Christophe Pierre.

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