Wenn die Moral verrutscht


Egal, ob es um Carola Rackete oder Fridays for Future geht: In der heutigen Diskussion über Moral hat sich einiges verschoben, beobachtet Tilmann Kleinjung. Selbstverständlichkeiten werden hinterfragt, wo sonst nur noch ein Minimalkonsens gilt.

Von Tilmann Kleinjung | katholisch.de

Moral ist verdächtig, war sie schon immer. Wer für sich in Anspruch nimmt, moralisch richtig zu handeln, gilt als Moralist. Wer moralische Korrektheit von anderen erwartet, wird als Moralapostel abgestempelt. Beide gelten als nicht besonders sympathische Zeitgenossen. Der ethische Minimalkonsens der postmodernen Gesellschaft scheint sich auf den kleinsten Nenner zu kondensieren: „Leben und leben lassen.“ Von Leben retten war nie die Rede.

Und so wird die deutsche Kapitänin Carola Rackete, die mit der „Sea Watch 3„schiffbrüchige Migranten im Mittelmeer retten und in einen sicheren Hafen bringen will, zum Inbegriff der Hypermoralistin, die ihre vermeintlich überzogenen Moralstandards den anderen, insbesondere den Italienern aufzwingt. Soweit ist unser Diskurs schon verrutscht, dass das Selbstverständliche der Rechtfertigung bedarf.

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