Ein aufgeklärter Mensch kann sich von Mohammed nur distanzieren


Wo Islam draufsteht, ist immer Mohammed drin: Kuppel in der roten Moschee im Schlossgarten Schwetzingen in Baden-Württemberg. (Bild: Michael Weber / Imago)

Als Prophet und zentrale Figur des Islams gilt Mohammed in seinem Handeln als unfehlbar, gelten seine Taten als Vorbild. Laila Mirzo fordert daher einen «sakralen Königsmord» an seiner Figur. Erst wenn offene Kritik an seinen Fehlern geübt werde, meinten es liberale Muslime ernst mit der Reformation. Ein Beitrag zur Debatte.

Laila Mirzo | Neue Zürcher Zeitung

Ich habe mich geirrt. Um dem Erstarken des orthodoxen Islams in Europa entgegenzutreten, forderte ich in meinem Buch «Nur ein schlechter Muslim ist ein guter Muslim» eine strikte Säkularisierung. Staat und Religion müssten nur entsprechend voneinander getrennt werden, dann wäre für die Radikalen mit Deutschland kein Staat zu machen, dachte ich. Doch ich habe leider nicht weit genug gedacht, Säkularisierung ist wichtig, genügt aber nicht.

Es darf uns nämlich nicht egal sein, was hinter verschlossenen Türen und im Privaten passiert. Mit der Trennung von Staat und Religion würden wir etwa das Kopftuch aus Gerichten und Universitäten verbannen. Aber «Fatima» und «Aisha» würden wir nicht helfen, wenn sie von zu Hause aus nicht in die Universität dürften, wenn sie für «unehrenhaftes» Verhalten von ihren Brüdern verprügelt würden und es aus Angst nicht vor Gericht schafften. Wenn wir den Anspruch auf eine moderne und aufgeklärte Gesellschaft erheben, dann tragen wir auch die Verantwortung für diejenigen Menschen, die unter dem Islam Unterdrückung und Leid erfahren. Eine Säkularisation verhindert nicht, dass Mädchen beschnitten und verstümmelt werden.

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