Radioaktive Ruthenium-106-Wolke soll aus Russland gekommen sein


Das russische Nuklearzentrum Majak vom Weltraum aus gesehen. Satellitenbild: NASA

Im Oktober 2017 meldeten italienische Forscher eine zwar nicht gesundheitsgefährdende, aber ungewöhnlich hohe Konzentration des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 in der Luft. Forscher aus 27 anderen Ländern bestätigten ihre Ergebnisse mit Werten aus ihrer jeweiligen Heimat. Die Ursache dieser auffälligen Werte war unklar (Wieder einmal erhöhte radioaktive Strahlung über Europa).

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Inzwischen haben 69 Wissenschaftler aus 47 Instituten meteorologische Informationen und Daten aus über 1.300 Strahlungsmesspunkten aus aller Welt ausgewertet und ihre Erkenntnisse daraus in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) veröffentlicht. Sie halten die russische Wiederaufbereitungsanlage Majak für den „wahrscheinlichen“ Ausgangspunkt der Unregelmäßigkeit.

Die russische Atomenergieagentur Rosatom widerspricht dieser Annahme und verweist darauf, dass sich die „Emissionen in die Atmosphäre im erlaubten Rahmen“ bewegt hätten. Ohne so eine Überschreitung besteht der russischen Auslegung des internationalen Übereinkommens über die frühzeitige Benachrichtigung bei nuklearen Unfällen auch keine Meldepflicht bei der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO.

Luftmassen am 25. und 26. September 2017 über diesen Nuklearkomplex

Warum der an der Universität Hannover forschende Radioökologe Georg Steinhauser (der das Expertenteam zusammen dem französischen Atmosphärenforscher Olivier Masson anführte, trotzdem vermutet, dass in Majak vor zwei Jahren etwas Unvorhergesehenes passiert sein könnte, hat er dem ORF erklärt: Weil die Luftmassen, die damals die höchsten Messwerte aufwiesen, den Strömungsdaten nach kurz vorher, am 25. und 26. September 2017, über diesen Nuklearkomplex hinwegzogen.

Ein reguläres Kernkraftwerk oder eine Kernwaffe schließt Steinhauser als Herkunftsherd aus, weil man in so einem Fall auch höhere Werte anderer radioaktiver Isotope gemessen hätte. Da es sich dagegen ausschließlich um Ruthenium-106 gehandelt hat, kommt seiner Meinung nach nur eine Wiederaufbereitungsanlage infrage, in der man Anteile trennt. „Wir können“, so Steinhauser, „sogar sagen, dass es in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium der Wiederaufbereitung passiert ist.“ In diesem Stadium könnte es seiner Ansicht nach einen Brand oder einen anderen Unfall gegeben haben.

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