Sivas-Massaker in der Türkei: Verfolgt Deutschland die islamistischen Täter noch?


Alevitinnen protestieren 2014 gegen Erdogan in Köln. Bis zu 500.000 Aleviten leben in Deutschland.REUTERS/Fabian Bimmer

Vor 25 Jahren töteten Islamisten im anatolischen Sivas 33 Aleviten. Neun Täter leben unbehelligt in Deutschland. Das könnte sich jetzt ändern.

Von Hannes Heine | DER TAGESSPIEGEL

Eines der bekanntesten Massaker der jüngeren Geschichte der Türkei könnte doch Folgen für Deutschlands Justiz haben. Im Juli 1993 töteten islamistische Pogromisten im anatolischen Sivas 33 Besucher eines Festes der alevitischen Minderheit. Auch zwei Hotelangestellte und zwei von der Polizei niedergeschossene Männer starben. Neun der sunnitischen Täter leben seit Jahren in Deutschland, einer davon in Berlin – die Bundesregierung lieferte sie trotz internationaler Haftbefehle nicht aus, die hiesige Justiz klagte sie nicht an. Nun stellt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags fest: Es sei möglich, die Männer auszuliefern oder in Deutschland zu verfolgen.

Deutsche Justiz könnte nach Weltrechtsprinzip handeln

Die damals kemalistisch, also laizistisch geprägte Justiz der Türkei hatte die Verdächtigen verurteilt. Sie konnten sich vor der Strafe nach Deutschland absetzen, wo sie Aufenthaltstitel erhielten. Allenfalls einer der Männer ist deutscher Staatsbürger, die anderen könnten an Ankara überstellt werden.

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