Die Hydra Boko Haram, demoralisierte Soldaten und ein Sündenbock


Seit zehn Jahren terrorisiert Boko Haram den Nordosten Nigerias, aber auch Nachbarländer. Nach anfänglichen Erfolgen stockt die Militäroffensive gegen die Jihadisten. Anstatt die Armee zu reformieren, schiesst die Regierung neuerdings auf die schiitische Minderheit.

David Signer | Neue Zürcher Zeitung

Am Samstag sind bei einem Angriff auf einen Trauerzug in Nigeria über sechzig Personen getötet worden. Der Überfall ereignete sich in einem Dorf in der Nähe der Stadt Maiduguri im Gliedstaat Borno. Es handelt sich um die bisher schwerste Attacke in diesem Jahr. Die jihadistische Terrormiliz Boko Haram liess verlauten, der Angriff sei ein Vergeltungsschlag gewesen, nachdem sich die Dorfbewohner vor zwei Wochen gegen einen Überfall von Boko Haram zur Wehr gesetzt hatten.

Von einer Sekte zum IS-Ableger

Es ist zehn Jahre her, dass sich Boko Haram von einer islamischen Sekte in eine Terrororganisation verwandelte. Den Ausschlag gab die Ermordung des Gründers der Gruppe, Mohammed Yusuf, durch nigerianische Sicherheitskräfte am 30. Juli 2009. Sein Nachfolger wurde Abubakar Shekau, der seine Gefolgsleute zum heiligen Krieg aufrief. Seither tötete Boko Haram etwa 27 000 Menschen, 2,5 Millionen wurden in die Flucht getrieben. Für internationales Aufsehen sorgte 2014 die Entführung von 276 Mädchen aus einer Schule in Chibok. Mit der Wahl des ehemaligen Generals Muhammadu Buhari zum nigerianischen Präsidenten im Jahr 2015 wuchs der militärische Druck auf Boko Haram. Im Verbund mit Truppen aus Tschad, Niger und Kamerun konnten deren Kämpfer zurückgedrängt werden. Seither verschanzen sich die Terroristen vor allem im undurchdringlichen Archipel des Tschad-Sees.

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