Religiotie total: Auch Nicht-Getaufte und Kirchenkritiker gehören zum Volk Gottes


Gott kann man nicht nur in Kirchen finden und seine Botschaft muss man nicht nur aus dem Mund eines Priesters hören. Deshalb ist Peter Otten überzeugt, dass die Heilsgeschichte Gottes weitergeht – auch wenn viele Menschen aus der Kirche austreten.

Von Peter Otten | katholisch.de

ch habe vor einiger Zeit ein Kind bestattet. Die Eltern wussten, dass es schwer krank war und nicht überleben würde. Doch der größte Wunsch der Mutter war, ihr Kind einmal in den Arm nehmen zu können. Sagte sie. Also setzte sie die Schwangerschaft fort. Die Eltern waren nicht religiös. Schon gar nicht in einem konfessionellen Sinn. Aber von ihrer Geschichte habe ich unglaublich viel über Solidarität, Hoffnung und Trost, kurz: über Gott erfahren. Sie kam mir in den Sinn, als ich in dieses Tagen über die wieder gestiegenen Austrittszahlen der Kirchen nachdachte.

Kirche ist relativ zu allen anderen. Das ist es, wofür sie da ist. Ihr Evangelium gehört allen Menschen. Der Theologe Hans-Joachim Sander hat es so beschrieben: „Aus der societas perfecta wird das Volk Gottes. Es ist ein Volk aus Völkern, und zu ihm sind alle Menschen berufen, ganz unabhängig davon, ob sie getauft sind oder nicht, gläubig sind oder nicht, die Kirche wertschätzen oder nicht.“ Und auch Gott gehöre grundsätzlich allen Menschen, schrieb er, und wer ihn vorstelle oder anspreche, aber nicht alle Menschen im Blick habe, spreche nicht vom christlichen Gott.

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