„Das progressive Christentum ist das Wohlstandsevangelium der Linken“


Rod Dreher Foto: Elekes Andor / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)

Mit dem Erscheinen der „Benedict Option“ im Jahr 2017 (deutsche Erstauflage 2018) trat mit Rod Dreher ein christlicher Autor ins internationale Rampenlicht, der bereits zehn Jahre zuvor als „Crunchy Con“ in seinem gleichnamigen Buch für eine konservative Gegenkultur abseits vom republikanischen Mainstream geworben hatte.

Von Gabor Mues | CNA

In einem neuen Interview mit „Réaction. Almanach europäischen Denkens“ spricht der Intellektuelle und Autor unter anderem über die Kirchenkrise und die Frage nach einer christlichen Politik.

CNA Deutsch veröffentlicht einen kurzen Auszug mit freundlicher Genehmigung.

Gerade in jüngster Zeit wurde den Kirchen in Deutschland vorgeworfen, nur ein Sprachrohr der Regierung zu sein, z.B. in Fragen der Flüchtlingspolitik und im Umgang mit populistischen Parteien. Könnte es sein, daß zu viel Nähe zum Staat den Kirchen in Europa eher geschadet als genützt hat?

Ja, ich denke, das trifft zu. In seinem berühmten „Angriff auf die Christenheit“ schreibt Kierkegaard, daß das Christentum aufhört zu existieren, wenn jeder in einer Gesellschaft Christ ist, einfach deshalb, weil er in diese Gesellschaft hineingeboren wurde. Ich habe Kierkegaard zum ersten Mal an der Universität gelesen, als ich mir nicht sicher war, ob ich an Gott glaubte. Ich war in einer protestantischen Familie in einer Kleinstadt aufgewachsen. Wir gingen selten in die Kirche, aber meine Eltern glaubten, daß wir alle gute Christen seien, einfach weil alle in unserer Stadt getauft waren. Christ zu sein, war das Gleiche wie ein guter Bürger zu sein. Es war die weiße Mittelschicht beim Gebet. Dabei ist bemerkenswert, daß wir so gelebt haben, obwohl es keine formale Verbindung zwischen Kirche und Staat gab, wie in weiten Teilen Europas. Es war eine Mentalität.

Als ich etwa 15 Jahre alt war, entschied ich, daß dies bürgerlicher, konformistischer Unsinn war. Ich hatte mit dem Christentum abgeschlossen. Glücklicherweise begegnete ich einige Jahre später, als ich im College war, Kierkegaard – und erfuhr, daß ich mit einer verfälschten Version des christlichen Glaubens aufgewachsen war. Ich habe einen Freund, der Pastor der Southern Baptists ist und sagt, daß der Tod des kulturellen Christentums – womit er die Art bürgerlicher Selbstgefälligkeit meint, mit der wir beide im Süden aufgewachsen sind – eine gute Sache ist, weil er die Forderungen des Evangeliums deutlicher macht. Viele Menschen werden Christus zum ersten Mal begegnen.

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