Der Fall Iberogast


Magengrummeln, Sodbrennen und Übelkeit: Rund 10 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter den Symptomen eines Reizmagens. Bild: Your_Photo_Today

Iberogast ist ein altbewährtes Pflanzenextrakt gegen Magenbeschwerden. Nun steht es im Verdacht, Leberschäden zu verursachen. Nach einem Todesfall ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft.

Von Georg Rüschemeyer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am Ende blieb nur eine Transplantation der kaputten Leber. Doch der 56-jährigen Patientin der Uniklinik Leipzig half auch das nicht mehr: Sie starb an den Komplikationen der aufwendigen Operation. Ihre Ärzte führten an dem geschädigten Organ eine Reihe von Tests durch. Die Ergebnisse veröffentlichten sie Ende Juni im „American Journal of Gastroenterology“. Ihr überraschendes Fazit: Die Schäden an der Leber wurden von dem pflanzlichen Magenmittel Iberogast verursacht.

Die Kräutertinktur ist nun ein Fall für die Kölner Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge im Fall Iberogast wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt. Ob die verstorbene Patientin der Uniklinik Leipzig diese Ermittlungen ausgelöst hat, lässt sich nur vermuten – bisher lehnen die Kölner Juristen jede Stellungnahme ab. Doch dies ist nur einer von vielen Fällen, die das scheinbar harmlose, da rein pflanzliche Iberogast des Herstellers Bayer ins Zwielicht rücken. Ein heikler Verdacht, denn das Magenmittel ist einer der Bestseller unter den apothekenpflichtigen Arzneien mit einem geschätzten Jahresumsatz von 120 Millionen Euro.

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