Erdoğan droht USA mit Boeing-Boykott


Auf diesem Parkplatz in Seattle lagern nach dem Auslieferstopp im April Boeing 737 Max. Foto: SounderBruce. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat den USA seinen eigenen Angaben nach wegen des Ausschlusses der Türkei aus dem Programm zur Produktion und Nutzung des amerikanischen Kampfflugzeugs F-35 mit einem türkischen Boykott des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing gedroht.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

„Ich“, so Erdoğan auf einer Versammlung seiner Regierungspartei AKP, „habe Herrn Trump [auf dem G20-Gipfel] in Osaka gesagt: ‚Auch wenn die Türkei [das amerikanische] Patriot[-Luftabwehrsystem] nicht kauft, so kauft sie doch Boeing[-Flugzeuge]'“: „Wir sind gute Kunden – aber wenn es so weitergeht, müssen wir diese Sache noch einmal überdenken“.

Würde dieses Überdenken in einer Stornierung bereits getätigter Bestellungen durch das zu 49 Prozent staatliche Unternehmen Turkish Airlines münden, wären davon Geschäfte im Wert von 10 Milliarden-US-Dollar betroffen. Außer 25 Boeing 787-9, die für 2023 bestellt sind, auch 70 noch nicht gelieferte Boeing 737 Max. Die türkische Staatsführung könnte damit insofern einen wunden Punkt der US-Wirtschaft treffen, als der Flugzeughersteller nach zwei wahrscheinlich aus technischen Gründen erfolgten 737-Max-Abstürzen ohnehin gerade strauchelt (vgl. „Kampf zwischen Pilot und Computer“ und Absturz ET 302: Minuten des Schreckens).

Volkswirtschaftlich nachteilige Folgen

Sein aus dem deshalb erfolgten Auslieferstopp resultierender Milliardenverlust im letzten Quartal kostete die amerikanische Wirtschaft der Rechnungen von Capital Economics nach 0,25 ihres potenziellen Wachstums.

Allerdings könnten sich aus einer Stornierung durch Vertragsverletzungsverfahren und eventuelle Gegenmaßnahmen der US-Administration auch negative Auswirkungen für die türkische Wirtschaft ergeben, der es sehr viel schlechter geht als der amerikanischen (vgl. Erdoğan setzt Notenbankchef ab). Ob Erdoğan seine Drohung ernst meint, oder damit eher das Selbstbewusstsein seiner Parteifreunde stärken will, ist deshalb offen.

Chinesen preisen Tarnkappenjet Chengdu J-20 als „höher entwickelt“ als die F-35 an

Eine andere Möglichkeit, auf den amerikanischen F-35-Lieferstopp zu reagieren, wäre, sich nach anderen Anbietern für Kampfflugzeuge umzusehen. Die Russen, die bereits ihre Bereitschaft dazu erklärt haben (vgl. Nach F-35-Lieferstopp-Strafe: Russen bieten Türkei Kampfflugzeuge an), verkündeten gestern den Beginn der Serienfertigung ihres Tarnkappenjets Suchoi Su-57 dessen Triebwerk dem Konstrukteur Jewgeni Martschukow zufolge „allen weltweit bekannten Analoga überlegen“ ist.

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