Mischwesen aus Mensch und Schwein darf zur Welt kommen


Für die Mischwesen Symbolbild: Ein Mischwesen (Chimäre) auf einem ein handkolorierten Kupferstich aus Friedrich Justin Bertuchs Bilderbuch für Kinder, Weimar 1792 – (c) imago/imagebroker (imageBROKER/Olaf Krüger)

Japan erlaubt und fördert die Experimente eines Forschers, der menschliche Zellen in Tierembryonen einpflanzt. Er will diese „Chimären“ – weltweit erstmals – bis zur Geburt bringen, um Organe für Transplantationen zu züchten. Das weckt neue Hoffnungen und alte Ängste.

Von Karl Gaulhofer | Die Presse.com

Eigentlich ist Hiromitsu Nakauchi ein Arzt. Aber weil er darunter litt, dass er so vielen Patienten nicht helfen konnte, ging er in die Forschung. Der Japaner jagt einem Traum nach: Er will menschliche Organe in Tieren züchten. Dann müsste keiner, der eine neue Leber oder Niere braucht, mehr auf ein Unfallopfer warten, von dem er sie transplantiert bekommt. Auf dem Weg zu diesem Ziel ist dem Wissenschaftler ein Durchbruch gelungen: Japan hat im März ein Gesetz geändert, ein Expertenkomitee des zuständigen Ministeriums hat soeben grünes Licht für die Experimente gegeben. Das „Leihmutter“-Tier darf den Embryo – weltweit erstmals – bis zur Geburt austragen. Bisher ließ man Tierembryos mit menschlichen Zellen nur maximal 14 Tage wachsen. Schon die Einpflanzung in einen Uterus war verboten, erst recht die Austragung. Zwar lässt auch die Gesetzeslage in Kalifornien, wo Nakauchi an der Uni Stanford sein zweites Standbein hat, eine Geburt von Tier-Mensch-Mischwesen zu. Aber eine Behörde des US-Gesundheitsministeriums hat vor vier Jahren einen Förderstopp für alle Experimente mit solchen Chimären verhängt.

Trotz des Rückenwinds will das Nakauchi-Team nichts überstürzen. Zunächst führt es schon bisher erfolgreiche Versuche mit Mäusen und Ratten fort. Dabei schaltet man bei den Rattenembryos ein Gen aus, das für die Bauchspeicheldrüse verantwortlich ist, die sich deshalb nicht bilden kann. Dann injiziert man ihnen pluripotente Stammzellen von Mäusen, die sich in fast alle Richtungen entwickeln können.

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