Ohne euch wären wir wahrscheinlich tot


©Julia Anton

Sie kreuzen im Mittelmeer, sie starren durch Ferngläser, sie warten auf Notrufe, und sie retten Migranten. Dann beginnt der heikelste Teil der Mission. Drei Wochen an Bord der „Alan Kurdi“.

Von Julia Anton | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für Gorden Isler ist es jedes Mal ein Wunder, wenn die „Alan Kurdi“ in See sticht. Er sagt das nicht leichtfertig dahin. Immerhin ist das Schiff fast siebzig Jahre alt. Das merken vor allem die drei Ingenieure, die im Maschinenraum bei mehr als vierzig Grad im Dauereinsatz sind: Ständig klappert oder spritzt irgendetwas, das eigentlich nicht klappern oder spritzen sollte. Das einstige Forschungsschiff gehört seit vorigem Jahr dem deutschen Verein „Sea-Eye“, der Migranten vor dem Ertrinken im Mittelmeer bewahren will. Am Mittwoch hat Isler mitgeteilt, dass am frühen Morgen vor Libyen vierzig Menschen aufgenommen worden seien. Sogar ein Baby, zwei Kleinkinder und eine schwangere Frau hätten in dem Schlauchboot gesessen. Die Migranten hätten berichtet, sie seien nachts in der rund dreißig Seemeilen entfernten libyschen Küstenstadt Tagiura aufgebrochen.

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