Hep-Hep-Pogrome: „Eine Judenschlacht wie im Mittelalter“


Hep-Hep-Krawalle 1819, hier in Frankfurt am Main Quelle: Wikipedia/Public Domain

„Hep(p), Hep(p)“, skandierte der Mob im August 1819 in Würzburg und anderen Städten und machte Jagd auf Juden. Die schwersten Ausschreitungen vor den NS-Pogromen 1938 hatten zahlreiche Ursachen.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Eine erregte Menschenmenge braucht nicht viel, um zum Mob zu werden. Am 2. August 1819 begrüßten Hunderte Bürger in Würzburg, darunter viele Studenten, den liberalen Staatsrechtler und Abgeordneten in der bayerischen Kammer Wilhelm Joseph Behr. Er begeisterte sich für nationale Ideen und wetterte oft gegen die Neuerungen, die während der napoleonischen Dominanz auch in Bayern Einzug gehalten hatten – zum Beispiel die Emanzipation der Juden.

Rund 400 Menschen jüdischen Glaubens lebten zu dieser Zeit in der Bischofsstadt, die seit 1814 zum Königreich Bayern gehörte. Zwei Jahre später war dort das Bayerische Judenedikt von 1813 in Kraft getreten, das einheimischen Juden weitgehend die gleichen Bürgerrechte zugestand wie einheimischen Katholiken.

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