Religionswissenschaftlerin über christliche Botschaften im Heavy Metal: „Kein Widerspruch“


Ein Besucher des Musikfestivals „Wacken Open Air“ © Michael Althaus (KNA)

„Es gibt Bands, die ganz klar christliche Botschaften vermitteln“, meint die Religionswissenschaftlerin Anna-Katharina Höpflinger, die das Verhältnis von Heavy Metal und Religion erforscht. Denn beide beschäftigen sich mit den Schattenseiten des Lebens.

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DOMRADIO.DE: 75.000 Menschen sind beim größten Heavy-Metal Festival der Welt. Symbole, die man dort häufig sieht sind der Teufelsanbeter, Teufelshörner, umgedrehte Kreuze und Totenköpfe. Trotzdem hat Heavy Metal nichts gegen das Christentum. Es gibt sogar Zusammenhänge, sagen Sie. Wie sieht die aus?

Dr. Anna-Katharina Höpflinger (Religionswissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität München): Ja, es gibt christlichen Metal. Und es gibt auch sonst ein sehr reges Wechselspiel zwischen Metal und Religion. Nicht jede Band ist automatisch satanistisch oder böse.

DOMRADIO.DE: Wie sieht dieses Wechselspiel aus?

Höpflinger: Viele Bands nehmen religiöse Botschaften auf – von christlichen bis zu hinduistischen Motiven. Es gibt Bands, die ganz klar christliche Botschaften vermitteln. Oder es gibt zum Beispiel Bands, die Weihnachtslieder covern.

DOMRADIO.DE: Die Band Black Sabbath mit Ozzy Osbourne hat Fledermäusen den Kopf abgebissen. Es gibt weitere Geschichten von Bands, die ihr Publikum mit Schweineblut bespritzen. Und natürlich das umgedrehte Kreuz. Spricht das alles nicht eher gegen das Christentum?

Höpflinger: Beim Heavy Metal gibt es wirklich alles. Und natürlich gibt es auch Bands, die wirklich zur „Church of Satan“ gehören – aber eben nicht alle. Der Gedanke, dass quasi der ganze Metal so mächtig sei, stammt eigentlich aus den 80er Jahren. Dort gab es in den USA so eine Art „moral panic“ also eine moralische Panik, die die Idee hat, dass Heavy Metal die Jugend verführe. Heavy Metal solle nicht nur zu Sekten und bösem Okkultismus, sondern auch zum zügellosen Sex, zu Gewalt oder in Drogen führen. Damals wurde auch eine Liste herausgegeben mit den fünfzehn schlimmsten Bands, neun davon sind wirklich Heavy Metal Bands auf dieser Liste.

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